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Das lange Weihnachtsmahl von Paul Hindemith dauert 90 Jahre - auf der Bühne zusammengerafft auf eine Stunde. Bild: Hansjörg Rindsberg

Frankfurt

Kurze Oper, langes Fest

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Weihnachten dauert hier 90 Jahre: Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wagt sich an Hindemiths Spätwerk.

In der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst liegt mit dem Nachlass des 1895 in Hanau geborenen, 1963 in Frankfurt gestorbenen Komponisten Paul Hindemith ein musikalischer Schatz. „Da haben auch Studierende die Chance, sich originale Noten und Briefe anzusehen“, sagt Günther Albers, Professor an der Hochschule. „Das ist schon toll!“ Albers selbst hat in dem Archiv schon etliche Kostbarkeiten entdeckt und - trotz der Prominenz des Komponisten – tatsächlich selbst vor wenigen Jahren uraufführen können.

Jetzt hat die Hochschule ein ehrgeiziges Projekt, an dem zahlreiche junge Musiker beteiligt sind. An Hindemiths Geburtstag, das ist der 16. November, feiert hier eine selten aufgeführte Oper Premiere, „The Long Christmas Dinner – Das lange Weihnachtsmahl“, deren Handlung für viele den vielleicht größten denkbaren Albtraum – oder das größte vorstellbare Vergnügen – darstellen dürfte. Das Weihnachtsfest bei der Familie Bayard dauert nämlich schlappe 90 Jahre, und auf der Bühne im großen Saal der Hochschule stehen schon im November ein Christbaum und eine lange Festtafel.

Aber keine Angst: Das endlos lange Weihnachtsmenü dampfte der Schriftsteller Thornton Wilder, der das Theaterstück 1931 schrieb, auf Wunsch Hindemiths auf eine Stunde zusammen. Für Opernhäuser sei das ein Problem, sagt Albers. Die Oper sei nämlich zu kurz. „Das macht sie leider unattraktiv für den Spielplan.“

Dabei sei es faszinierend zu sehen, wie hier die Zeit rase, sagt die Studentin Sarah Mehnert, 29. Wie fast alle Mitwirkenden singt sie mehrere Rollen. Am Ende des langen Festes wird ihre Figur nach viel Trubel allein sein. „Das ist auch nicht ideal für sie“, sagt Mehnert. „Irgendwann sind die Zeiten, wo alle an Weihnachten heimfahren, vorbei“, meint ihr Kommilitone Harald Hieronymus Hein, 23. Er hat eine stumme Rolle, spielt den geflügelten „Zeitgeist“. Das Stück klinge erst mal so üppig, sei aber keine Weihnachtsbelustigung, sagt Florian Conze, ebenfalls 23. „Am Ende steht in dieser Inszenierung ein Madrigal. Da geht man besonnen nach Hause.“

Für Albers ist Hindemiths letzte, 1961 uraufgeführte Oper „ein absolutes Meisterwerk, ein Kleinod“. Er habe sie erst durch die aktuelle Inszenierung kennengelernt. „Ich bin inzwischen absolut begeistert“, sagt der Professor. „Das können nur alte geniale Komponisten schreiben.“

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