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Mehr los als an einem normalen Montag. Einen nachweihnachtlichen Umtausch-Wahnsinn gab es aber auch nicht.

Shopping in Frankfurt

Kein Umtausch-Chaos

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Der Umtausch-Wahnsinn hält sich in den Läden an der Zeil in Grenzen. Nicht nur falsch Beschenkte sind dort unterwegs, auch Schnäppchenjäger. Die Geschäfte werben mit Preisnachlässen.

Petra von Juterzenka hat nur einen Grund, um am Montagmittag nach Heiligabend auf die Zeil zu gehen: „Mein Mann und ich sind in die Stadt gefahren, weil es für uns ein Vergnügen ist, die Leute, die nach Weihnachten total gestresst sind und durch die Läden rennen, zu beobachten. Aber es herrscht weniger Umtausch-Wahnsinnsverhalten als von ihnen erhofft. Den größten Stau gibt es im Eingangsbereich von MyZeil und auf den Rolltreppen sowie auf der Zeil vor den diversen Imbiss-Ständen.

Immerhin zweimal hat das Ehepaar aus Neu-Isenburg schon ziemlich herzlich gelacht: „Wir standen im MyZeil und da rief ein junger Mann wütend, eigentlich mehr mit sich selbst sprechend: ‚Wie kann man nur so blöd sein, und solche beschissene, beigefarbene Nikes verschenken?‘“ Bei Wormland dann ihr zweiter Lach-Anfall, als ein Jugendlicher, seine Eltern im Schlepptau, denen klarmachte: „Ihr seid doch selbst schuld, dass wir uns jetzt durch die Menge quetschen müssen: Hättet ihr mir ein vernünftiges Geschenk gekauft, dann Leute, hätten wir uns das hier sparen können.“

Umtausch-Stress hat ein Herr mit Karoschal bereits vor dem Fest ausgeschlossen: Er kommt mit einem neuen Rechner aus dem Apple-Store. „Diesen habe ich mir selbst gekauft. Denn ich verschenke nichts und will auch keine Geschenke zu Weihnachten.“ Dann rennt er mit seinem iMac davon. So schnell das mit dem riesigen Rechner eben möglich ist. Ansonsten ist der Apple-Laden so voll wie an einem Samstag, im ersten Stock sitzen sechs Leute an einem Tisch bei einem Crash-Kurs, um bessere Bilder mit ihrem iPhone machen zu können.

Fünf Laufminuten weiter ist im Hugendubel eine längere, aber überschaubare Schlange im Servicebereich: Victoria, 26, hält ein gut gemeintes Geschenk ihrer Mutter in der Hand: „Der Roman ist auf französisch, das spricht meine Mutter nicht: Ich schon. Sie dachte, dass es gut sei. Ich mag aber den Inhalt nicht so, also tausche ich es um.“

Das gleiche Buch verschenkt

Der Herr hinter ihr hat noch das Geschenkpapier um das Buch gewickelt, dass er seinem Sohn unter den Baum gelegt hat: „Leider hat ihm seine Freundin genau das gleiche gekauft. Supermiese Kommunikation.“ Er lacht. Claudia Ordelmans, Hugendubel-Filialleiterin, sagt: „Wir haben noch keine Abschlussbilanz, aber momentan wollen die meisten Kunden lieber Geld oder Gutscheine, als dass sie das ungewollte Buch für ein neues eintauschen.“ Eine Frau hat auch Bücher bekommen, die sie „auf gar keinen Fall lesen will“. „Ein Freund hat mir den Provinzkrimi Dampfnudelblues geschenkt. Ich mag aber ausschließlich Londoner Krimis, weil ich die britische Hauptstadt liebe und die Geschichten spannender sind.“ Die ungewollten Krimis tauscht sie aber nicht um: „Ich gebe sie bei Oxfam ab.“ Die Klamottenläden meide sie heute lieber, sagt sie.

Denn bei Cos am Goetheplatz stehen die Kundinnen bis auf die Treppen, die in den ersten Stock führen, an: „30 bis 50 Prozent Sales ab heute. Hier gebe ich meine Weihnachts-Gutscheine gleich aus“, sagt Julia, 32. Ihre Arme sind so voll mit Kleidung behängt, dass sie Muskelkater haben wird. 20 Minuten hat sie an der Umkleide angestanden, jetzt folgt noch mindestens eine halbe Stunde Schlangestehen an der Kasse.

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