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Einkaufstrubel auf der Zeil am ersten Tag nach Weihnachten. laufen Menschenmassen anSchaufenstern vorbei, in denen für Sonderangebote und Rabatte bis zu 50 Prozent gibt. Foto: Rolf Oeser

Sales auf der Frankfurter Zeil

Kampf um reduzierte Ware

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  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff
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Am ersten Tag nach den Feiertagen ist viel los auf der Frankfurter Zeil. In manchen Geschäften wird man von Schnäppchenjägern sogar geschubst, wenn man im Weg steht. Aber nicht überall ist der Wahnsinn ausgebrochen, manche bummeln einfach nur.

Wenn man auch nur eine Sekunde in den Gängen stehen bleibt, wird man einfach weggeschubst. Mit den Händen oder auch mal von der Seite mit dem Po. Alle Kampfmittel sind recht. Nicht überall; aber manche Läden auf der Frankfurter Zeil am Donnerstag sind nur etwas für die richtig harten Schnäppchenjäger. So wie bei der jungen spanischen Modekette Bershka ist es eine Leistung, überhaupt sich eines der reduzierten Teile an Tag eins nach Weihnachten auch nur anzuschauen. Eine, die es ohne blaue Flecken geschafft hat, ist Kayle aus Dublin: „Ich besuche gerade eine Freundin. Wir sind bereit, uns den Wahnsinn hier in Frankfurt zu geben“, sagt die 24-Jährige und lacht.

In der Hand hält sie ein hübsches Kleid im Leopardenmuster, das von 39,99 auf 19,99 Euro reduziert ist. Viele Geschäfte hatten – wie Marco Polo am Steinweg – bereits vor Weihnachten ihre „Sales“ gestartet. „Aber vor Weihnachten haben wir die Ware um 20 bis 30 Prozent reduziert, jetzt sind es bis zu 50 Prozent“, erzählt eine Verkäuferin. Bei Deichmann bekommt man, wenn man zwei bereits reduzierte Schuhe kauft, das zweite Paar nochmal um 50 Prozent günstiger. Die Schlange ist dort lang – wie auch beim Outlet für Designermarken Saks Off 5TH an der Hauptwache. „Uns war es in Hattersheim, wo wir wohnen, jetzt zu langweilig, deswegen sind wir hierher gekommen. Außerdem brauchen meine Tochter und ich noch Kleider für Silvester“, sagt eine gebürtige Russin. Sie hält ein Designerkleid in den Händen, das von 600 auf 60 Euro reduziert ist. Aber nicht alle shoppen, viele bummeln auch einfach nur.

Landesweit sind die Einzelhändler mit dem Weihnachtsgeschäft bisher nur bedingt zufrieden. Noch hofft der Hauptgeschäftsführer des hessischen Handelsverbands, Michael Kullmann, zwar, dass das gesteckte Ziel von drei Prozent mehr Umsatz in der für die Einzelhändler wichtigsten Zeit des Jahres erreicht werden kann. Bei Schmuck, Uhren und Bekleidung aber laufe das Geschäft schlechter als erwartet. Relativ noch am besten gehe im Textilbereich günstige Mode für junge Leute.

Schnäppchenjäger unterwegs

Noch etwas skeptischer äußert sich Joachim Stoll, der Vorsitzende der Frankfurter Einzelhändler. Es müsse bis Mitte Januar noch viel passieren, damit die Umsatzziele noch erfüllt werden, sagt er im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Besonders die Textil- und Schuhhändler hätten Probleme.

Die Zurückhaltung habe auch gesamtwirtschaftliche Gründe. Langsam wachse die Angst vor einer sich verschlechternden Konjunktur, trübe sich die Stimmung bei den Kunden ein.

Die Stimmung bei der vor wenigen Monaten erst eröffneten Filiale der hippen polnischen Modekette Reserved auf der Zeil ist hingegen ziemlich gut. Viele junge Frauen suchen Silvester-Kleidchen oder Wintermäntel. Andere wie Maja (24) aus Wiesbaden sagen: „Also ich bin heute in Frankfurt, weil ich voll die Schnäppchenjägerin bin. Ich nenne das ,Psyche-Einkäufe‘. Also ich kaufe nur, weil die Angebote mich anlocken. Aber krasse Sachen gibt es nicht wirklich auf der Zeil zu kaufen“, sagt sie. Weihnachtsgeschenke umtauschen muss sie nicht. „Ich lasse mir nur Gutscheine schenken, denn ich bin sehr wählerisch, was Kleidung angeht“, sagt Maja. Die Gutscheine löse sie aber nicht gleich ein. „Sondern nach Lust und Laune an einem ruhigeren Tag.“

Bis zu zehn Minuten Wartezeit muss man am Parkhaus an der Hauptwache einplanen, um überhaupt reinfahren zu können. „Das wäre mir zu nervig und teuer für fünf Euro die Stunde. Ich habe Gott sei Dank ein Semesterticket“, sagt eine Marburger Studentin. Ihr Kumpel, den sie auf einen Kaffee getroffen hat, zahlt derweil zehn Euro am Automaten. „Teures Kaffeetreffen“, sagt der Mainzer.

Einiges los ist im ersten Stock von Hugendubel. „Wir haben einiges an Büchern, die umgetauscht werden“, sagt eine Verkäuferin. Tina Maleki (23) aus Gießen ist hier, weil sie etwas Zeit zu vertreiben hat. Sie schaut sich ein Buch von Marx an. „Ich habe auf diesen Konsumstress keinen Bock. Meinen Eltern habe ich ein gemeinsames Essen zu Weihnachten geschenkt. Zeit zu verschenken ist viel schöner.“

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