Orthodoxe Weihnachten

Endlich Weihnachten

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Die orthodoxen Christen feiern die Geburt Jesus Christus später als üblich. Grund ist ein anderer Kalender. Auch die Bräuche unterscheiden sich.

Erzpriester Simon Turkic steht vor dem Altar mit dem Goldenen Kreuz und trägt die Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus vor. Einige der gut 200 anwesenden Gemeindemitglieder antworten an manchen Stellen mit Gesang. Immer wieder bekreuzigen sich die Gläubigen, während sie in der serbischen Kirche in der Sondershausenstraße stehen – die wenigen Sitzmöglichkeiten an den Seiten sind in der Regel älteren Menschen oder Kindern vorbehalten. Die Kirche ist gut gefüllt, denn es ist ein besonderer Sonntag.

Die orthodoxen Christen in Frankfurt und aller Welt feiern heute Weihnachten. Am gestrigen Sonntag war für sie Heiligabend – der 24. Dezember. Der Grund dafür liegt darin, dass sie sich nach dem julianischen Kalender richten und nicht nach dem in Deutschland gültigen gregorianischen. 1582 reformierte Papst Gregor XIII. den julianischen Kalender indem er zehn Kalendertage strich und die Schaltjahrregel etwas anpasste. Deshalb ist der julianische Kalender momentan 13 Tage hinter dem gregorianischen.

Doch die orthodoxen Christen feiern Weihnachten nicht nur später, sondern in der Regel auch anders. In Serbien ist es Tradition an Heiligabend den „Badnjak“ zu verbrennen. Wie Pfarrer Turkic erklärt, ist das Eichenholz, das symbolisch für das Holz steht, das die Scheune in Bethlehem erwärmte. Aber es ist auch die Wärme, die Jesus den Menschen brachte. Am gestrigen Sonntagabend wurde das Feuer auch an der Kirche entzündet.

Außerdem wird in Serbien Brot gebacken. Es ist traditionell die erste Speise nach dem gut sechswöchigen Fasten. Darin ist ein Geldstück und ein Stück des „Badnjak“-Holzes eingebacken. Wer eines der beiden Stücke in seinem Stück Brot hat, soll Glück und Reichtum im kommenden Jahr haben.

Am Montag haben viele frei

Den heutigen Montag versuchen sich die orthodoxen Christen frei zu nehmen. Man verbringt den Tag dann mit der Familie und singt fröhliche Lieder. Geschenke bekommen eigentlich nur die Kinder. „Unser Hauptgeschenk ist Jesus Christus“, sagt Turkic. In der Messe am Montagmorgen werden spezielle Lieder gesungen, die sich um die Geburt von Jesus drehen.

Auch die russisch-orthodoxe Gemeinde in Frankfurt begeht das Weihnachtsfest nach julianischem Kalender. Erzpriester Dimitri Graf Ignatiew hat für den Montagmorgen eine passende Liturgie ausgesucht. Er trägt sie in Altbulgarisch vor, das auch Kirchenslawisch genannt wird. Die uralte Sprache habe Tradition in Russland. Genauso wie Väterchen Frost den Kindern die Geschenke bringt. Auch der Weihnachtsbaum sei in Russland mittlerweile verbreitet. Charlotte von Preußen, die nach ihrer Heirat Zarin Alexandra Fjodorowna hieß, habe die Tradition des Baumes nach Russland gebracht. Auch Erzpriester Ignatiew hat einen Baum bei sich zu Hause aufgestellt.

Die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde feierte die Geburt des Heilands in der Kirche in Sachsenhausen. Die Zeremonie begann am Sonntagabend gegen 21 Uhr und dauerte bis 5 Uhr früh. Mit Gesang, Trommeln, Rasseln und Predigten wurde die Nacht gestaltet.

Obwohl die orthodoxen Griechen sich nach dem gregorianischen Kalender richten, feierten auch sie am Sonntag ein großes Fest: die Erscheinung des Herrn. Mit der traditionellen Mainsegnung am Eisernen Steg, bei der ein Holzkreuz im Fluss versenkt und wieder herausgezogen wurde, segnete die Kirche symbolisch die ganze Menschheit.

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