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Zauber der Tiefsee: Forscherin Angelika Brandt (mit Krabben-Hut) und ihre gebannten Studierenden. 

Kinder-Uni

Au weia, der Laternenfisch in Frankfurt!

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Die Kinder-Uni entführt ihre Studierenden zum Auftakt ganz weit hinab in die dunkle Tiefsee. Wer gut aufpasst, kann mit der FR etwas gewinnen.

Da sitzt du in der Goethe-Universität und denkst an nichts Böses, gehst davon aus, dass du hier Bildung erlebst, wohlerzogene Leute – und dann ist da plötzlich dieses Riesenungeheuer im dunklen Riesenhörsaal! Kreisch! Noch eins! Und noch eins!

Aber der Reihe nach. Es ist wieder Kinder-Uni, zum 17. Mal schon, und wie in jedem Jahr ziehen am frühen Morgen aus allen Himmelsrichtungen die jungen Wissbegierigen auf den Campus Westend, sammeln sich kurz, um dann das Audimax zu stürmen, den größten Hörsaal von allen.

KINDER-UNI-QUIZ
Am Mittwoch geht es in der Kinder-Uni-Vorlesung (für alle offen um 16 Uhr) um das Kino. Hier ist die Quizfrage dazu:

Wie viele Bilder pro Sekunde muss man projizieren, damit das menschliche Auge eine Bewegung wahrnimmt?

a) Drei bis vier Bilder

b) 16 bis 18 Bilder

c) 156 Bilder

Die Frage ist eine der Aufgaben auf dem Fragebogen, den die Kinder heute im Hörsaal erhalten. Die ganze Vorlesung ist auch im Internet zu sehen.

Mehr: www.kinderuni.uni-frankfurt.de.

Zu gewinnen gibt es jeden Tag fünf Tassen mit dem Kinder-Uni-Motiv.

Die Quiz-Antworten bitte online unter www.fr.de/Gewinnspiel. Das Stichwort lautet diesmal: Kino.

Was erwartet Wilma vom Ereignis? „Fische und andere Tiere, die in der Tiefsee leben“, sagt die Neunjährige aus der Klasse 3a der Frankfurter Merianschule. Sie war schon mal am Meer, geht aber davon aus, dass tief unten doch noch andere Wesen existieren als am Strand. „Unten gibt es ja Laternenfische“, berichtet sie. Das kann man wohl sagen – davon wird an diesem Vormittag noch die Rede sein. Und studieren, irgendwann mal? Wilma: „Erst mal gucken, und später vielleicht mal studieren.“ Ein weiser Plan.

Jetzt aber hinein ins Vergnügen. Wenn 1000 Schülerinnen und Schüler in einen Hörsaal strömen, kann man sich das ungefähr so vorstellen, wie wenn das Wasser nach der Ebbe an den Strand zurückkehrt und es weht ein auflandiger Wind. Es ist unaufhaltsam und es macht Geräusche. Kann passieren, dass ein Kind noch mal aufs Klo muss. Dann fällt gern auch dem Rest der coolen Gang ein, dass alle noch mal aufs Klo müssen, und dann sieht man ganze Klassen gemeinsam einen Waschraum stürmen.

Was bringt Lehrpersonal dazu, sich ein solches Abenteuer wie die Kinder-Uni einzubrocken? „Die Schülerinnen und Schüler bekommen mal einen Einblick“, sagt Sascha Reibold, der Lehrer der 3a aus der Merianschule, „und sie fühlen sich ernst genommen.“ Und sie kriegen beispielsweise mal mit, wie ihr Lehrer selbst studiert hat. Das sei nicht total überraschend für die Kinder, sagt Reibold: „Sie wissen schon, dass Lehrer studiert haben müssen.“ Aber wie das genau aussieht, das sehen sie in der Kinder-Uni-Woche.

Allerdings sieht nicht jede Vorlesung so aus wie die erste Vorlesung dieser ganz speziellen vier Tage. Da geht es, wie Wilma ja schon sagte, um die Tiefsee – das erklärte Lieblingsthema der Anmelder in diesem Jahr. Wie immer lernen die jungen Studierenden zunächst den Uni-Applaus (mit der flachen Hand auf den Tisch klopfen, diesmal durchaus dezent, da hat man schon ganz andere Tischhauereien gehört), dann folgt die Ansprache des Uni-Vizepräsidenten, dann der Kartencheck. Hat jede und jeder eine grüne und eine rote Karte? Gut. Wer ist schon mal im Schwimmbad bis auf den Boden getaucht? Der ganze Saal voller grüner Karten.

Noch weiter unten als im Schwimmbad auf dem Boden war Angelika Brandt, Meeresforscherin beim Senckenberg-Institut. Sie trägt einen lustigen Krabbenhut und lässt erst mal das Licht löschen. Auf der Leinwand: Tiefsee … absolute Finsternis … Buckelwalgesang …. und da: seltsame Kreaturen! Die Kinder kreischen. Aber zugleich werden sie immer schlauer. Sie erfahren, dass es mehr Tiere in der Tiefsee gibt als an Land (teilweise auch krasse: „Iiiiiih! Anglerfisch!“) und dass der Druck da unten so groß ist, als würde ein Elefant auf einer Ameise stehen, aber kein Wunder, denn: „Die tiefste Tiefsee ist noch viel tiefer, als der Mount Everest hoch ist“, erklärt Angelika Brandt. Dafür gibt’s am Ende viel Studierendenapplaus.

„Toll, dass die Kinder hier mal einen Uni-Tag erleben können“, sagt Yvonne Schröpfer, die mit der 4b aus der Offenbacher Wilhelmschule angereist ist. Vor einigen Jahren war sie schon einmal mit einer Klasse in der Kinder-Uni. „Ein Schüler war sich danach sicher, dass er nicht studieren will“, sagt die Lehrerin und lacht. Man müsse zu lang sitzen, urteilte er. Da ist natürlich was dran. Aber objektiv betrachtet: In der Uni für die Fast-Erwachsenen muss man weitaus weniger kreischen und kann noch schlauer werden.

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