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Wechsel an Spitze der University of Applied Sciences in Frankfurt

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Von: Georg Leppert

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Frank E. P. Dievernich hört Ende Juni an der University of Applied Sciences auf.
Frank E. P. Dievernich hört Ende Juni an der University of Applied Sciences auf. © Peter Jülich

Präsident Frank E. P. Dievernich verlässt die Einrichtung, die einst Fachhochschule hieß, und fängt bei der Stiftung Polytechnischen Gesellschaft an.

Es gibt wenige Aufgaben, bei denen Frank E. P. Dievernich in seiner Zeit als Präsident der Frankfurter Fachhochschule gescheitert ist. Eine davon: einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, dass die Fachhochschule seit 2014 gar nicht mehr Fachhochschule heißt, sondern University of Applied Sciences – kurz UAS. Sicher, die meisten Studierenden nutzen den Namen durchaus, und sinnvoll war die Umbenennung auch, gerade weil sich die Hochschule am Nibelungenplatz immer internationaler aufstellte. Doch wer im Bekanntenkreis erzählt, dass seine Kinder an der UAS studieren, erntet irritierte Blicke. Auch nach acht Jahren noch.

Ansonsten kann Dievernich aber durchaus eine Erfolgsbilanz vorweisen. Die Hochschule wuchs unter ihm, gewann im Forschungsspektrum an Bedeutung und positionierte sich als wichtige Einrichtung der Frankfurter Stadtgesellschaft. Folglich sind auch längst nicht alle begeistert davon, dass Dievernich die UAS verlässt, wie die Hochschule am Montag mitteilte. Der 30. Juni wird der letzte Arbeitstag des 52-Jährigen sein. Anfang Oktober fängt er als Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft an. Die Amtsgeschäfte wird zunächst sein Stellvertreter René Thiele übernehmen. Eine Neuwahl ist für den Sommer vorgesehen.

Dievernich setzte an der UAS schnell eigene Akzente. Oder, wie er es ausdrückt: „Ein Schwerpunkt meines Amtes lag im Ausbau der strategischen Profilmerkmale.“ Der Wirtschaftswissenschaftler schuf neue Einrichtungen wie das Zentrum für Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftliche Verantwortung sowie daraus resultierend die „School of Personal Development and Education“. Und er setzte sich immer wieder beim Wissenschaftsministerium für bessere Bedingungen für Forschende ein. Mit Erfolg. Staatssekretärin Ayse Asar würdigte Dievernich: Unter seiner Leitung habe sich die UAS „zu einer modernen Hochschule für Angewandte Wissenschaft weiterentwickelt, mit beachtlicher Forschungsstärke, zukunftsgerichteter Lehre und Schwerpunkten unter anderem in den Bereichen Transfer, Nachhaltigkeit, Persönlichkeitsentwicklung und Lebenslanges Lernen“.

Wichtig war Dievernich die Zusammenarbeit mit den anderen Frankfurter Hochschulen – nicht zuletzt bei der Entwicklung einer Campusmeile. Dass dieses Projekt jetzt ohne ihn fortgeführt werden muss, erhöht die Chancen auf eine schnelle Realisierung nicht gerade.

Politisch hatte sich der Wissenschaftler dem Kampf gegen Rassismus verschrieben. Ein entsprechendes Banner hängt seit Jahren weithin sichtbar am Dach des Hauptgebäudes der Hochschule. Mehrfach hielt Dievernich viel beachtete Reden, in denen er Rechtspopulismus und -extremismus entschieden verurteilte. Umso verwunderlicher erschien, dass er trotz massiver Proteste daran festhielt, den damaligen AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen bei einer Veranstaltung in der Hochschule sprechen zu lassen. Dievernichs Begrüßung fiel dann schroff aus. Die Formel „Sehr geehrte Damen und Herren ...“ gelte nicht für alle Menschen im Saal, sagte er.

Bei der Polytechnischen Gesellschaft übernimmt Dievernich das Amt von Roland Kaehlbrandt, der planmäßig ausscheidet.

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