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Der Pächter des Bockenheimer Wasserhäuschens Ljatif Fazlijevik(li.) im Gespräch mit Baudezernent Jan Schneider (CDU).
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Der Pächter des Bockenheimer Wasserhäuschens Ljatif Fazlijevik(li.) im Gespräch mit Baudezernent Jan Schneider (CDU).

Gespräch

Wasserhäuschen in Frankfurt: Gute Nachrichten für die Büdchen

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Frankfurt will die Verpachtung von 34 Wasserhäuschen selbst in die Hand nehmen und auf Pachterhöhungen verzichten.

Frankfurt am Main - So viel Medienrummel ist Ljatif Fazlijevik nicht gewohnt und ist ihm etwas unangenehm. Erst am Abend zuvor hat er erfahren, dass Bau- und Immobiliendezernent Jan Schneider (CDU) an diesem Donnerstagmittag (29.04.2021) am Wasserhäuschen „Kiosk Limes“, das Fazlijevik seit 13 Jahren gegenüber der Bockenheimer Frauenfriedenskirche betreibt, zu einem lockeren Gespräch vorbeikommt. Nicht nur zum ersten persönlichen Kennenlernen. Es geht um die Zukunft.

Denn Fazlijevik ist einer von 34 Frankfurter Wasserhäuschenpächtern, die nun schon lange zwischen Hoffnung und Sorge leben, nicht wissen, wie genau es mit ihren Pachtverträgen weitergeht. Denn: Jahrzehntelang hatte die Stadt die Verpachtung dieser Wasserhäuschen, die auf stadteigenen Grundstücken stehen, der Brauereigruppe Radeberger überlassen. Dann aber gab es einen jahrelangen Streit um die Pachthöhe. Vor einem Monat hat die Stadt die Verträge mit dem Zwischenpächter gekündigt. „Ein schwieriges Dreiecksverhältnis“, nennt es Schneider.

Wasserhäuschen in Frankfurt: Stadt will selbst als direkter Mieter auftreten

Und jetzt will die Stadt selbst als direkter Mieter auftreten. Und das nicht zum Nachteil der Pächter, das verspricht Schneider am Wasserhäuschen: „Unser Ziel ist es, dass wir sukzessiv mit jedem einzelnen Betreiber die Pachtverträge umstellen und am Ende die Pächter nicht schlechter gestellt sind, also keine Angst um ihre Existenz haben müssen. Die monatliche Pacht soll nicht teurer werden.“

Manche Verträge mit Radeberger liefen bereits Ende April, andere laufen erst im Laufe des Jahres 2022 aus. Fazlijevik muss erst nachschauen, wie lange sein Vertrag noch läuft. Aber er ist erleichtert und sagt: „Meine Nachbarn werden sich freuen zu hören, dass ich bleiben kann“, sagt er. Denn seine Kundinnen und Kunden sind für ihn eben fast Familie. Kinder spielten hier, Büroleute kämen abends vorbei, um noch eine Kleinigkeit zu kaufen. Eine Mutter kommt mit ihrer Tochter auf ein Wassereis vorbei.

Wasserhäuschen

Die ersten Frankfurter Wasserhäuschen entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der älteste Vertrag eines der 34 Wasserhäuschens datiert, wie die Brauereigruppe Radeberger mitteilt, aus dem Jahr 1952, die meisten Pachtverträge wurden Mitte der 1970er Jahre geschlossen.

Die Stadt kündigte den Vertrag mit der Radeberger-Gruppe, die Büdchenstandorte gepachtet und an Betreiber:innen weiterverpachtet hatte, dann Ende März. Nun tritt die Stadt als Vermieterin auf und will die Verträge direkt mit den Pächter:innen neu verhandeln.

Vorangegangen waren zweieinhalb Jahre Streit über den Pachtzins. Die Stadt hatte 2018 eine Erhöhung ausgesprochen, die Radeberger an die Büdchenbetreiber:innen weitergab. Elf Standorte traf es so hart, dass sie sich monatlichen Mehrausgaben von bis zu 70 Prozent gegenübersahen. Als der Protest wuchs, schaltete sich Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ein: Im September 2018 nahm das Baudezernat von Stadtrat Jan Schneider (CDU) die Erhöhung vorerst zurück.

Insgesamt gibt es in der Stadt Frankfurt um die 300 Kioske. Alte Wasserhäuschen – halbrund und aus Holz – sind seltener. Es gebe 40 bis 60 Wasserhäuschen, schätzte Oliver Tepper, Vorsitzender des Vereins „Linie 11“, Anfang 2021 . ill/rose

Auch Eintracht Frankfurt ist am Wasserhäuschen vertreten

Ein Herr fragt Fazlijevik: „Hast du meinen Bruder gesehen?“ Fazlijevik schüttelt den Kopf. Er liebt seinen Job und die Eintracht, die mit mehreren Fahnen am und im Kiosk vertreten ist und ein beliebtes Gesprächsthema am Wasserhäuschen sei. „Geld war nie meine Priorität, sondern dass die Leute sich freuen, dass ich hier bin.“ Das sei ein Vorzeige-Wasserhäuschen, sagt Schneider: Keine Scherben, kein Müll lägen davor, alles „picobello“. Er ist sich sicher, dass auch die neue Römer-Koalition das Frankfurter Kulturgut Wasserhäuschen erhalten will und somit seine Pläne auch umsetzen wird, wenn er das Dezernat abgeben muss. Schneider betont, dass die Pächter freier agieren könnten, also zukünftig selbst entscheiden können, ob sie weiter das Bier von Radeberger verkaufen oder nicht.

Denn ohne den Zwischenpächter gäbe es keine Mindestabnahme mehr. Fazlijevik sagt: „Warum sollte ich nicht weiter Binding-Bier verkaufen? 13 Jahre hatten wir eine Partnerschaft. Probleme gab es wie in jeder Familie.“

Wasserhäuschen in Frankfurt: Stadt will öffentliche Toiletten an die Büdchen anbauen

Dann kommt das Gespräch auf die Toiletten. Wo möglich, will die Stadt nun gerne öffentliche Toiletten an die Büdchen anbauen lassen. „Dazu müssen wir aber erst die Bauzeichnungen prüfen“, sagt Schneider. Ein Vorteil sei, dass an manchen Kiosken auch Kaffee und Kuchen angeboten werde, die Leute dort sitzen und so diese Toiletten nutzen könnten. Und wenn die Pächter ein Auge darauf hätten, seien diese öffentlichen Toiletten eben weniger von Vandalismus betroffen. Fazlijevik findet die Idee für sein Wasserhäuschen nicht so gut. „Hier steigen öfter an der Straßenbahnhaltestelle Drogensüchtige aus, was ist, wenn sie sich da einsperren?“ Aber er sei gesprächsbereit.

Schneider sagt, er wolle erst mit den Pächtern sprechen, die auch gerne Toiletten wollten. Die Stadt werde die Verbrauchsmaterialen bezahlen und die Reinigung der Toiletten vergüten. (Kathrin Rosendorff)

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