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Im vertraulichen Gespräch wollen die Mediatoren die Probleme der Schüler lösen.

Mediatoren in Schulen

„Was besprochen wird, bleibt vertraulich“

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Anne Traulich ist Landesvorsitzende des Verbands Seniorpartner in School (SiS), der Ruheständler zu Mediatoren für Schulen ausbildet. Im Interview erklärt sie, warum gerade Senioren gute Streitschlichter sind.

Der Verband Seniorpartner in School (SiS) bildet Ruheständler dafür aus, Streit unter Schülern zu schlichten. In Frankfurt haben die Ehrenamtler in diesem Monat ihre Arbeit aufgenommen. Die Landesvorsitzende Anne Traulich wirbt um weitere Unterstützer.

Warum setzen sich die Seniorpartner an Schulen ein?
Das ist zurückzuführen auf die Idee der Vereinsgründerin Christiane Richter. Sie kam aus der Sozialarbeit und kannte die Zustände an Berliner Schulen. Damals häuften sich Fälle von Gewalt. Richters Ziel war, Menschen nach ihrem Ausscheiden aus dem Beruf eine anspruchsvolle Möglichkeit des gesellschaftlichen Engagements zu bieten, einen Beitrag zur Gewaltprävention zu leisten und das Verständnis zwischen den Generationen zu fördern. Angelehnt an die Richtlinien des Bundesverbandes für Mediation wurde ein Weiterbildungskonzept entwickelt, das speziell auf die Bedürfnisse von Senioren und die Konfliktlösung von Schülern ausgelegt ist.

Sie haben jetzt eine Gruppe in Frankfurt gegründet. Gibt es hier vermehrt für Streitschlichter zu tun?
Wir sind noch dabei, Teilnehmer zu gewinnen. Zugesagt haben sieben Personen, die gerade ihre Weiterbildung begonnen haben. Bedarf für unsere Hilfe ist sicher da. Wir müssen es den Schulleitern aber erst vermitteln. Wir werden in den nächsten Wochen Schulen kontaktieren. Aus Erfahrungen in Gießen und Marburg können wir schließen, dass es sich empfiehlt, an größere wie Gesamtschulen zu gehen.

Wie gehen die Mediatoren vor?
Die Seniorpartner sprechen mit Kindern, die Streit oder Probleme haben. Sie zeigen ihnen auf, wie sie in dieser Situation besser miteinander kommunizieren können. Bei den Jüngeren geht es meist um Freundschaften. Sie fühlen sich ausgegrenzt oder andere lästern. Neu kommt das Thema Cybermobbing hinzu. Schüler verbreiten zum Beispiel Bilder im Internet, die für die Betroffenen nicht vorteilhaft sind. An weiterführenden Schulen oder Berufsschulen geht es hauptsächlich um Bildungsbegleitung. Der SiS unterstützt Jugendliche, die Konflikte in der Schule oder in ihrem Umfeld haben. Er hilft ihnen, ihre Stärken zu entdecken und leitet sie an, eigene Lösungen ihrer Probleme zu finden.

Wie läuft die Arbeit in der Schule ab?
Wir arbeiten immer in Zweier-Teams. Mit der Schulleitung wird abgesprochen, für welche Klassen das Team zuständig sein soll. Denn die Schulleiter haben den Überblick, in welchen Jahrgängen es Unruhe gibt. Die Teams stellen sich in den Klassen altersgerecht vor und erklären den Kindern, was sie erwarten können. Sie sind immer am selben Wochentag in einem Raum anzutreffen, den die Schule zur Verfügung stellt. Was dort besprochen wird, ist vertraulich. Die Kinder werden auch nicht gezwungen, zum Gespräch zu kommen.

Wie werden die Vereinsmitglieder für ihren Einsatz geschult?
Alle durchlaufen eine 80-stündige Weiterbildung. Professionelle Trainer für das Verfahren der Konfliktlösung vermitteln neben den Phasen der Mediation viel zum Thema Empathie, besonders Gesprächstechniken. In Rollenspielen werden die Kursteilnehmer intensiv auf die Anwendung des Wissens vorbereitet. Die SiS-Mediatoren sind aber keine Therapeuten. Sie arbeiten nach dem Grundsatz: Hilfe zur Selbsthilfe.

Wer bezahlt die Schulung?
Die Weiterbildung ist für Teilnehmer kostenlos. Die Senioren verpflichten sich, mindestens 18 Monate für den Verein an einer Schule tätig zu sein. Der Bundesverband ist zurzeit ein Spendenprojekt von „Deutschland rundet auf“. Die Organisation, die das Projekt mit Partnern im Einzelhandel realisiert, ermöglicht uns für drei Jahre die Weiterbildung von 192 Senioren zu Schulmediatoren.

Die Seniorpartner sind 55 Jahre und älter. Warum arbeiten Sie mit älteren Menschen als Mediatoren?
Ältere nehmen sich Zeit und haben einfach mehr Ruhe, um sich den Kindern zu widmen. Es ist auch eine Frage der Lebenserfahrung, wie sie an Probleme herangehen. Sie betrachten die Situation eines Kindes abgeklärter und können deshalb leichter damit umgehen.

Spricht die Aufgabe vor allem Menschen aus pädagogischen Berufen an?
Jeder, der das möchte, kann Schulmediator werden. Wer sich bei uns engagiert, der bereitet sich oft schon lange vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben auf die Zeit danach vor. Wir haben Mitglieder aus medizinischen Berufen, ehemalige Architekten und Beschäftigte aus dem Personalwesen. Für Lehrerinnen und Lehrer ist es manchmal nicht so einfach, in die neutrale Rolle zu kommen, die sie als Mediatoren brauchen.

Interview: Barbara Haas

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