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„Warum nicht sofort Bäume am Frankfurter Mainkai?“

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Von: Thomas Stillbauer

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Schatten wäre noch schön. Bäume könnten da helfen. Der Mainkai autofrei im Sommer 2022.
Schatten wäre noch schön. Bäume könnten da helfen. Der Mainkai autofrei im Sommer 2022. © Rolf Oeser

Ein Abend zur Zukunft der Uferstraße zeigt: Bis zum finalen Umbau wird es noch dauern – auch wenn manche eine radikale Lösung fordern.

Was wird nun aus dem Mainkai? Und vor allem: Wann wird endlich was aus dem Mainkai? Darüber mehr Transparenz zu schaffen, hat Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Grüne) am Dienstagabend versprochen. Beim Bürgerinnen- und Bürgerdialog „Stadtleben neu denken“ über die Entwicklung des Mainkais forderte ihn der Berliner Stadt- und Verkehrsplaner Burkhard Horn auf, den Zeitrahmen aufzuzeigen, damit sich die Menschen vorstellen können, wie lang es dauert, bis dort Stadtleben den Autoverkehr ablöst: „Machen Sie’s bekannt!“ Majers Antwort: „Machen wir.“

Die Diskussion im Haus am Dom hatte zuvor gezeigt, was viele für den Mainkai in der „Green City“ Frankfurt wünschen: Grün. Freiraum. Eine „Keimzelle der Stadt“ sahen Teilnehmer:innen im Saal und online in dem knappen Kilometer Mainuferstraße.

Stadtrat Majer bekannte, einst selbst Mainkai-Anwohner gewesen zu sein. Bei offenem Fenster seien weder Schlaf noch Telefongespräch möglich gewesen: „Ich bin dort weggezogen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.“ Viele Jahre später steht der Beschluss der Römer-Koalition, dass Autos vom Mainkai weg sollen und stattdessen Grün, Spielfläche, Kunst, Kultur und Begegnungsraum hin. Verkehrsmessungen in der Umgebung während „Sommer am Main“, als der Abschnitt den Menschen gehörte, hätten „keine signifikanten Steigerungen“ andernorts gezeigt. Aber signifikant mehr Fuß- und Radverkehr rund um den Eisernen Steg.

Landschaftsarchitektin Ute Wittich zog einen naheliegenden Schluss: „Der Mainkai könnte doch sofort mit ganz vielen Bäumen bestückt werden.“ Applaus im Saal, Verständnis von Majer: Auch er spüre manchmal die Tendenz, „sofort zur Spitzhacke zu greifen“. Zuvor aber müsse das Entwidmungsverfahren laufen, und das könne dauern. Aber die Idee aufgreifen und Kübelbäume für den kommenden Sommer einplanen könne man durchaus, schlug Andrea Schwappach vor, Stadtplanerin, Architektin und Projektmanagerin der „Post-Corona-Innenstadt Frankfurt“.

Stadt gemeinsam machen

Schwappach sprach davon, bei der Entwicklung der City das Frankfurttypische zu fördern. „Stadtentwicklung ist erst mal ein brachialer Prozess, das tut auch weh“, sagte sie, aber von den Resultaten profitierten alle. Schon die bunte Fläche auf dem Mainkai und das Programm dieses Sommers hätten einen riesigen Fortschritt gegenüber der ersten Sperrung (oder Öffnung, je nach Sichtweise) im Vorjahr gebracht, als nur graue, aufgeheizte Straße zur Verfügung stand. Sitzmöglichkeiten, Toiletten und Schatten wünschten sich die Menschen, sagte Schwappach und empfahl: „Macht Stadt gemeinsam!“

Das würde Andreas Bürger, Sprecher der Initiative „Mainkai für alle“, sofort machen. Er kritisierte aber: „Die Politik spielt auf Zeit.“ Alle warteten darauf, dass die Straße endgültig vom Kraftfahrzeugverkehr entwidmet wird und nicht nur „Schlittschuhlaufen in der Wüste“ möglich sei wie im Mainkai-Sommer. „Man muss den Leuten kein Angebot machen“, plädierte er. „Es reicht ihnen, sich da aufzuhalten.“ Den Asphalt durch Bäume und Wiese ersetzen, fertig. Applaus im Saal. Auch dafür brauche es viele Beschlüsse, sagte Majer. „Die bringen wir jetzt auf den Weg.“

Planer Horn hatte Beispiele aus anderen Städten mitgebracht – ein besonders anrührendes aus dem ukrainischen Lwiw. Viele kleine Maßnahmen hätten dort Lebensraum statt Autoverkehr geschaffen, zeigte er auf Fotos – „und die Kollegen dort machen das sogar jetzt noch“. Unter russischem Beschuss. Friedlicher konnten Teams an der autofreien Berliner Friedrichstraße arbeiten und in Kassel an der Unteren Königstraße. Letztere wurde zum Freiluftexperiment für die Bevölkerung: „Nach und nach hat diese Straße zu leben angefangen“, schwärmte Horn und appellierte: „Wir müssen Dinge ausprobieren. Wenn wir uns das trauen, müssen wir auch scheitern dürfen. Letztlich wird es immer ein Kompromiss sein.“

Und jede Stadt braucht ihre eigene Herangehensweise, verallgemeinern lässt sich nichts, das zeigte der Abend. „Kommunizieren Sie, dass Sie den Mainkai ins Gesamtkonzept der Stadtentwicklung einbeziehen und nicht nur eine Wohlfühloase am Main schaffen“, riet Horn. „Der Mainkai muss nicht allein Frankfurts Klima retten.“ Planerin Schwappach kündigte an, eine Frankfurter „Agentur des städtischen Wandels“ werde künftig alle Aspekte beleuchten und Vertrauen aufbauen: „Jeder Schritt hilft.“

Die Arbeit beginnt erst. Die Bevölkerung hätte die Schritte halt gern ein wenig schneller.

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