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Warteschleife beim Notruf 110

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Von: Oliver Teutsch

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Ein Einbrecher steht vor der Wohunngstür. Dann ist es gut, wenn man über 110 schnell Kontakt zur Polizei hat. (Symbolbild)
Ein Einbrecher steht vor der Wohunngstür. Dann ist es gut, wenn man über 110 schnell Kontakt zur Polizei hat. (Symbolbild) © dpa

Zwei Minuten in der Warteschleife beim Polizei-Notruf, darf das sein? Bei der Frankfurterin Stefanie Jeschke hat es neulich auf alle Fälle zu lange gedauert.

Jeschke wohnt in einem Vierparteienhaus in Bockenheim. An einem Werktag krank zu Hause, registrierte sie am frühen Nachmittag ein Klingeln. Jeschke kam es komisch vor, dass im ganzen Haus geklingelt wurde. Sie öffnete die Wohnungstür. „Ich habe unten im Treppenhaus ein Flüstern und Geräusche gehört“, so Jeschke. Die junge Frau schlägt zunächst die Küchentür laut zu, um auf sich aufmerksam zu machen und wählt mit ihrem Handy die Notrufnummer 110. Während es tutet, geht sie auf den Balkon und sieht zwei Frauen, die das Haus eilig verlassen. Sie spricht vom Balkon aus mit einer Nachbarin, es tutet noch immer. Sie nimmt kurzzeitig selbst die Verfolgung der beiden Eindringlinge auf, es tutet noch immer. Geschlagene zwei Minuten hängt sie in der Warteschleife. „Ich war so fassungslos, es muss doch gewährleistet sein, dass da jemand dran geht, zwei Minuten können echt lang sein.“ Zumindest hätte sich Jeschke gewünscht, dass ihr Anruf an ein Polizeirevier weitergeleitet wird.

Dies sei aus technischen Gründen nicht möglich, sagt ein Sprecher der Frankfurter Polizei auf Anfrage. Die Polizeireviere verfügten nicht über die technischen Voraussetzungen, einen Notruf an die entsprechenden Dienste weiterzuleiten. Die nationale Notrufnummer 110 läuft aus dem Ortsnetz 069 (ohne Offenbach) und 06109 unmittelbar in der Leitstelle des Frankfurter Polizeipräsidiums auf. In der Leitstelle sind nach Polizeiangaben rund um die Uhr drei bis vier Mitarbeiter, die ausschließlich Notrufe annehmen. Allerdings kann es wegen der Vielzahl der Anrufe trotzdem zu Wartezeiten kommen. Im Jahr 2015 gingen in der Frankfurter Leitstelle rund 213 000 Anrufe auf der 110 ein, knapp 600 am Tag. Aufgrund äußerer Einflüsse wie Unwetter kann die Zahl aber erheblich schwanken.

Bei besonderen Umständen, in denen es zu ungewöhnlich hohen Notrufaufkommen kommt, können zunächst zusätzliche Arbeitsplätze in der Leitstelle besetzt oder ein anderes Präsidium kann zur Unterstützung eingebunden werden. Dies erfolgt automatisch durch eine sogenannte Überlauffunktion oder durch entsprechende Absprachen. Daher ist der Polizeisprecher etwas verwundert, dass die Anruferin zwei Minuten in der Leitung gewartet haben will. „Normalerweise wird der Anruf nach einer Minute in ein anderes Präsidium umgeleitet.“ Dies sei aber „extrem selten“ der Fall. Eher sei es so, dass Notrufe aus anderen Präsidien, etwa aus Mittelhessen, nach Frankfurt umgeleitet würden, da die Personaldecke dort dünner sei.

Statt der 110 die 112 anzurufen, sei übrigens keine gute Lösung, warnt ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Der Anrufer müsste dann weiterverbunden werden, um den geeigneten Ansprechpartner zu bekommen. Die Notrufnummer 112 wird übrigens noch viel häufiger gewählt als die 110. Im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter der zentralen Leitstelle 333 738 Anrufe entgegengenommen. Auch dort kann es mal länger dauern, vor allem, wenn bei einem Großbrand 20 bis 30 Anrufer gleichzeitig ein Feuer melden. Der Feuerwehrsprecher hat einen guten Tipp, falls es wirklich mal länger dauert: „Nicht auflegen und neu wählen, sonst steht man wieder hinten in der Schlange.“

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