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Gorillas im Frankfurter Zoo

Frankfurter Zoo

Warten auf König Viatu

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Riesen-Andrang im Frankfurter Zoo: Beim "Tag des Gorillas" beobachten die Besucher die bedrohte Affenart - und erleben eine Audienz mit dem ungekrönten König Viatu.

Vor den Kassen des Frankfurter Zoos bilden sich am Samstag lange Schlangen. Vor allem Familien nutzen den spätsommerlichen Tag für einen Ausflug in den Tiergarten. Auch den Tieren selbst gefällt der Sonnenschein. Ob Giraffe oder Nashorn – sie präsentieren sich in den Außengehegen schläfrig und zufrieden. Die Hauptrolle an diesem Tag aber spielen die Gorillas im Borgori-Wald: „Am 6. Oktober ist der Tag des Gorillas“, wirbt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die mit diesem Aktionstag vor allem auf die bedrohte Art der Berggorillas hinweisen will und Handys sammelt, um so den Abbau wertvoller Metalle in der Berggorillaregion zu verhindern.

Alfred Stollberg sitzt als Naturschutzbotschafter seit 9 Uhr im Borgori-Wald, um Fragen zu den Menschenaffen zu beantworten. „Heute ist was los“, seufzt der 67-Jährige, der vor sechs Jahren als ehrenamtlicher Helfer zum Zoo kam. Die Besucher verweilen geduldig vor dem Gorillagehege – vor allem, um mal einen Blick auf „den Chef“, den Silberrücken Viatu, zu werfen. Doch Viatu, der als Nachfolger des von allen geliebten Matze vor zehn Jahren nach Frankfurt kam, lässt sich nicht blicken.

„Es kann nur einen geben“

„Am Anfang haben ihn die Damen nicht richtig akzeptiert. Aber das hat sich mit der Zeit dann doch gegeben“, erzählt Stollberg. Die Damen, das sind die immerhin auch schon 36-jährige Rebecca, die mit ihren vierzehn Jahren wesentlich jüngere Shira und die auch schon etwas betagte Dian, die den jetzt bald zehn Jahre alten Quembo geboren hat.

„Der wird wohl bald in einen anderen Zoo gebracht“, vermutet Stollberg, weil er bestimmt versuchen werde, sich den Harem von Viatu anzueignen. Und bei Gorillafamilien herrscht nun einmal das Gesetz: Es kann nur einen geben. Immerhin scheinen sich alle in ihrem Gehege wohlzufühlen: Felsen, Baumstämme, Seile und ein Fußball in der Ecke – „Vielleicht spielen sie auch Fußball. Aber ich habe das noch nicht gesehen“, sagt Stollberg.

Was tut ein Gorilla den ganzen Tag? Vor allem fressen. Zwei Exemplare hocken in den Felsen und stopfen sich Salatblätter ins Maul. Um die Mittagszeit würden sich die Tiere gern in ihre Höhlen zurückziehen, sagt Stollberg in einem Ton, als wäre er dafür verantwortlich, dass die Gorillas an diesem ihnen gewidmeten Tag so wenig hermachen. Auch im „schönen Außengehege“ lassen sie sich nicht blicken. Die Frankfurter Gorillas sind offenbar Stubenhocker.

Der ungekrönte König kommt 

Dann endlich lässt sich Viatu sehen: der ungekrönte König, das Muskelpaket, dessen Bewegungen ebenso geschmeidig wie kraftstrotzend wirken. Gelassen nimmt er Platz und lehnt den Silberrücken gegen einen Baumstamm. Geradezu gelangweilt schaut er in die Menge jenseits der Glasscheibe. Zwei Gorillababys spielen zu seinen Füßen. Nach wenigen Minuten zieht sich Seine Durchlaucht wieder in die Privatsphäre seiner Höhle zurück: Die Audienz ist beendet.

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