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Vergolder und Kunstschmiede fertigten das Hauszeichen, die Waage.

Neue Altstadt

Warten auf die Goldene Waage

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Warum der Prachtbau in der neuen Frankfurter Altstadt noch immer nicht eröffnet ist.

Man muss nur einige Minuten den Strom der Menschen beobachten, um zu wissen: Die „Goldene Waage“ ist das meistfotografierte Gebäude der neuen Frankfurter Altstadt. Vor dem prachtvoll verzierten Haus direkt am Dom drängen sich die Leute, versuchen immer wieder, einen Blick ins Innere zu werfen. Gerade hat der Verein „Stadtbild Deutschland“ den rekonstruierten Bau zum „Gebäude des Jahres 2018“ in Deutschland gekürt – zum „gelungensten neuen Bauwerk“ des Landes.

Wann es freilich endlich der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird, ist offen. Die Sache entwickelt sich zu einer unendlichen Geschichte. Für das geplante Café im Erdgeschoss sind schon 2018 von der städtischen Dom-Römer-GmbH immer neue Eröffnungstermine genannt worden – es ist immer noch eine Baustelle.

Die Suche nach den Ursachen gestaltet sich schwierig. Im Frankfurter Architekturbüro Jourdan Müller, nach dessen Entwurf die Rekonstruktion entstanden ist, heißt es, es fehlten im Erdgeschoss „noch Teile des Fußbodens“ sowie der Putz im hinteren Bereich der Räume. Nicht immer hätten Baufirmen zur Verfügung gestanden, immer wieder sei es zum Stillstand gekommen.

Michael Guntersdorf, der Geschäftsführer der Dom-Römer-GmbH, sagt, dass das Haus „ursprünglich ohne gewerbliche Nutzung“ geplant worden sei. Dann habe die Gesellschaft entschieden, im Erdgeschoss ein Café anzubieten. „Es musste also umgeplant werden.“

Die Firma, die sich der Sache angenommen hatte, sei pleitegegangen. Das neu beauftragte Unternehmen habe wieder „ganz anders geplant“. Schließlich habe der Nutzer des Cafés, die Frankfurter Gastronomie-Familie Zarges, eigene Wünsche angemeldet. „All das hat die Sache unendlich in die Länge gezogen.“

Der Hintergrund: Tatsächlich sind Unternehmen des Rohbaus wie auch des Innenausbaus gegenwärtig in Deutschland stark ausgelastet – eine Folge auch des allenthalben angekurbelten Wohnungsbaus. Bei der „Goldenen Waage“ kommt hinzu, dass die acht Millionen Euro teure Rekonstruktion die Arbeit zahlreicher Spezialisten erforderte. Stuckateure und Vergolder waren im Einsatz, aber auch Kunstschmiede. Die Rekonstruktion der Stuckdecke im ersten Obergeschoss wurde von Bauhistorikern begleitet und zog sich über viele Monate hin.

In den beiden Obergeschossen des Vorderhauses will das Historische Museum in Zukunft eine „Museumswohnung“ einrichten. Dort sollen originale Einrichtungsgegenstände des 17. Jahrhunderts, wie etwa die berühmten Frankfurter Wellenschränke, aber auch Gemälde aus dieser Zeit zu sehen sein.

Nur: Wann die Fachleute des Museums die Räume übernehmen und einrichten können, weiß dort niemand zu sagen. Sprecherin Karin Berrío hofft auf eine Übernahme „im Frühjahr 2019“. Von diesem Zeitpunkt an werde es noch etwa ein halbes Jahr dauern, bis die Museumsdependance in der „Goldenen Waage“ eröffnet werden könne. Geschäftsführer Guntersdorf rechnet optimistischer damit, dass die „Museumswohnung“ im Juni zur Verfügung steht.

Ein größeres Problem sieht der Manager der Dom-Römer-GmbH noch bei der Außengastronomie des Cafés. Denn die Fläche vor der „Goldenen Waage“ ist umkämpft. Das Grundstück zwischen dem Dom und dem rekonstruierten Haus, auf dem im Sommerhalbjahr Tische und Stühle stehen sollen, wird nach den Worten von Guntersdorf auch von der Berufsfeuerwehr beansprucht. Aus Sicherheitsgründen müsse die Fläche aus Sicht der Brandschützer weitgehend frei gehalten werden „Hier braucht es noch Gespräche.“

Der Verein Stadtbild e. V. hat all diese Probleme sicher nicht gekannt, als er seine Auszeichnung vergab. Die Organisation setzt sich bundesweit für „klassisch-traditionelles Bauen“ ein. Die „Goldene Waage“ zeige, dass „Bautradition und Handwerkskunst“ auch heutigen Generationen neu vermittelt werden könnten.

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