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Warten auf die Frankfurter Kinderfarm

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Von: Thomas Stillbauer

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Kinderfarmgründerin Filiz Kürbis, Hirtenhündin Bodine und eine gestützte Eiche.
Kinderfarmgründerin Filiz Kürbis, Hirtenhündin Bodine und eine gestützte Eiche. © christoph boeckheler*

Seit zehn Jahren plant ein Verein das pädagogische Angebot mit Hühnern, Schafen und Kaninchen. Im Bürgerpark Süd soll es Wirklichkeit werden.

Weiter geht’s auf der früheren Galopprennbahn. Der DFB-Campus ist frisch eröffnet, bald soll der Bürgerpark fertig sein – aber was ist eigentlich mit der Kinderfarm auf dem Gelände? Wo Kinder und Tiere miteinander Zeit verbringen werden?

Am Freitagmorgen sieht es da noch wild aus – deutlich wilder als beim Presserundgang vor drei Monaten. Es sprießt allenthalben das Kraut aus dem Gelände im äußersten Nordwesten des künftigen Bürgerparks. „Die Robinien wachsen auch wie verrückt“, sagt Filiz Kürbis, Vorsitzende des Vereins Kinderfarm Frankfurt.

Zum Ortstermin hat sie Bodine mitgebracht, eine Bergamasker Hirtenhündin, die künftig auch auf der Kinderfarm mitarbeiten soll, falls sie sich gut einfügt. Bodine übt schon mal, indem sie die kleine Herde aus Vereinschefin, Fotograf und Reporter hütet. Später mal sollen alte, traditionelle Haustierrassen dort leben. Hühner, Schafe, auch Kaninchen und Meerschweinchen.

Die Idee mit der Kinderfarm in Frankfurt ist nicht neu – vor zehn Jahren begann der Verein, dafür zu werben. Da hatte Filiz Kürbis in Berlin den Kinderbauernhof Pinke-Panke kennengelernt. „So was muss es auch hier geben“, fand sie, selbst ausgebildete Fachkraft für Tiergestützte Intervention. „Zu Pädagogik mit Tieren haben die wenigsten Einrichtungen die Möglichkeit.“ Zuerst bot sich ein Areal am Mittleren Schafhofweg in Sachsenhausen dafür an, aber da gab es zu viele Altlasten im Boden. Dann brachte Ursula auf der Heide von den Grünen den Bürgerpark ins Spiel. Das war 2015. „Seither träumen wir von diesem Grundstück“, sagt Filiz Kürbis.

Nebenan rumoren die Bagger, Lastwagen fahren hin und her, in der Ferne glänzt die DFB-Akademie. Der Verein ist das Warten leid. „Ich habe schon so viele Anträge geschrieben“, sagt Kürbis, „immer wieder verschieben sich die Termine.“ Ob und wann die Farm die alten Pferdestallungen benutzen kann: unklar.

Vertrag fehlt noch

Wie ist der Zeitplan aus Sicht der Stadt? „Die Untere Naturschutzbehörde prüft gerade die Landschaftsschutzrechtliche Genehmigung“, sagt eine Sprecherin des Grünflächenamts. Liegt die Genehmigung vor, wird im Grünflächenamt ein Gestattungsvertrag aufgesetzt. Wann das sein wird, sei noch nicht absehbar – „aber es wird nicht mehr lange dauern“.

Also weiter warten und planen. Der Zugang zur Farm wird am großen Kinderspielplatz liegen. Von dort gelangen die Kinder zum Hühnerstall, daneben sind schon Erdhügel zum Rauf- und Runterklettern für Mensch und Tier. Dann ein Garten mit Futter- und Naschpflanzen, den die Kinder möglichst auch selbst pflegen sollen. Ein Arche-Park ist das Konzept, ausgewählte Tiere, mit Züchter:innen abgestimmt, auch um die genetische Vielfalt zu unterstützen. Und natürlich geht es ganz besonders darum, Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und Verantwortung für sich und andere beim jungen Publikum zu fördern. „Sie sollen lernen, Tiere als Partner zu sehen“, sagt Filiz Kürbis, „und mit Partnern muss man sich vertraut machen.“

Die Öffnungszeiten der Farm werden sich danach richten, wie der Platz betreut werden kann – ehrenamtlich zunächst. Eingeladen sind dann Gruppen aus Kinderzentren und Schulen der Nachbarschaft, aber auch Kinder ab acht Jahren, die allein kommen wollen, und Jüngere mit ihrer Familie. „Es sind alle Menschen willkommen, die sich an die Platzregeln halten“, steht im Konzept, nachzulesen unter www.kinderfarm-frankfurt.de

Beim Abschied schaut Hirtenhündin Bodine den Journalisten lange hinterher und mag nicht weitergehen. „Sie will die Herde zusammenhalten“, ruft Filiz Kürbis. Da darf man schon mal gerührt sein.

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