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Mitarbeiter im Gesundheitsamt waren in letzter Zeit besonders gefordert.

Stadtverwaltung

Warnung vor Sparkurs

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Der Gesamtpersonalrat der Stadt Frankfurt fordert trotz Corona-Krise mehr Stellen und attraktivere Bedingungen. Viele Stellen seien unbesetzt, und die Aufgaben wüchsen.

Obwohl die Corona-Krise die Stadt Frankfurt finanziell massiv trifft, fordern der Gesamtpersonalrat der Stadt und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zusätzliche Stellen für die Stadtverwaltung. Sie drängen zudem darauf, die offenen Stellen rasch zu besetzen. Das dürfe keinesfalls einem coronabedingten Spardiktat zum Opfer fallen, sagte Mareike Müller, Vorsitzende des Bezirksfachbereichsvorstands Gemeinden bei Verdi am Dienstag vor Journalisten.

„Wir organisieren das friedliche Zusammenleben einer sehr stark expandierenden Stadt“, sagte der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Christian Barthelmes. „Wir sind da gewesen und haben die Krise gewuppt.“ Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Verwaltung sei, betonte auch Tom Winhold, Fachbereichsleiter Gemeinden im Verdi-Landesbezirk Hessen. Dass Deutschland vergleichsweise gut dastehe, habe mit der guten öffentlichen Daseinsvorsorge zu tun. Entsprechend selbstbewusst will die Gewerkschaft in die anstehenden Tarifverhandlungen gehen. Die Beschäftigten der Kommunen hätten das Anrecht auf eine „merkliche Entgelterhöhung“.

Die Krise habe aber auch Schwachstellen aufgezeigt, die nun beseitigt werden müssten, um die Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger sicherstellen zu können, hieß es. Arbeitsbereiche, die seit Monaten besonders gefordert sind, bräuchten Entlastung. Dazu zählten etwa das Gesundheitsamt, die Feuerwehr, die Kindertagesstätten, der Entsorgungs- und Servicebetrieb FES, das Ordnungsamt und das Grünflächenamt.

Zunehmende Aufgaben

Auch auf Druck des Gesamtpersonalrats und von Verdi ist die Zahl der Stellen in der Frankfurter Stadtverwaltung seit 2016 bereits um mehr als 1000 gestiegen. Das sei angesichts des anhaltenden Wachstums der Stadt und der entsprechend zunehmenden Aufgaben aber noch nicht genug, machten die Vertreter von Personalrat und Gewerkschaft deutlich. Angesichts der Schwierigkeiten der Stadt, die mehr als zehn Prozent offenen Stellen in ihrer Verwaltung zu besetzen, müsse es zudem attraktiver werden, bei der Stadt Frankfurt zu arbeiten. Es bestehe schließlich weiterhin ein Fachkräftemangel, sagte Barthelmes.

Verdi und Gesamtpersonalrat fordern daher zum Beispiel, dass die derzeit etwa 15 000 Beschäftigten der Stadtverwaltung Jobtickets für ganz Hessen erhalten, wie sie die Landesbediensteten bereits haben. Sie sprechen sich zudem für eine Ballungsraumzulage nach Münchner Vorbild aus, die es auch den schlechter bezahlten Beschäftigten der Stadt ermöglichen soll, in Frankfurt zu wohnen. Nicht zuletzt halten Gewerkschaft und Gesamtpersonalrat es nicht nur wegen der Corona-Krise für nötig, allen Beschäftigten der Stadtverwaltung prinzipiell das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen.

In seinem Forderungskatalog dringt der Gesamtpersonalrat zudem auf eine Rekommunalisierung ausgegliederter Betriebe. Schließlich gehe es auch bei den stadtnahen Gesellschaften der Versorgung und Entsorgung, der Gesundheit und des Nahverkehrs um die öffentliche Daseinsvorsorge.

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