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„Wir müssen vor einem Blackout in Frankfurt warnen“

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Von: Georg Leppert

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Was passiert, wenn es dunkel wird in Frankfurt.
Was passiert, wenn es dunkel wird in Frankfurt? © Arne Dedert/dpa

Dezernentin Rosemarie Heilig hält die Gefahr eines Stromausfalls für gering, ruft die Bevölkerung aber dennoch zur Vorsorge auf.

Dieser Tage lässt die Stadt Frankfurt Flyer an sämtliche Haushalte verteilen. Darin geht es ums Energiesparen – aber auch um die Vorbereitungen für den Fall eines flächendeckenden Stromausfalls. Die für den Arbeitskreis „Energiekrise“ zuständige Dezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagt: Diese Hinweise seien jetzt wichtig.

Frau Heilig, Sie haben in der Plenarsitzung der Stadtverordneten gesagt, Sie wollten keine Panik schüren. Aber hat Ihr Flyer nicht das Potenzial, genau das zu tun?

Wir haben darüber im Arbeitskreis Energiekrise lange und intensiv gesprochen. Natürlich besteht die Gefahr, dass wir die Bevölkerung verunsichern. Aber wir haben das auch mit der Feuerwehr diskutiert und sind zum Ergebnis gekommen: Selbstschutz ist wichtig, es wäre fahrlässig, jetzt nicht vor einem Blackout zu warnen. Ich bin da lieber etwas zu vorsichtig, als am Ende gefragt zu werden, warum ich niemanden gewarnt habe.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass es zu einem flächendeckenden Stromausfall kommt?

Nach derzeitiger Einschätzung sehr, sehr gering. Aber das Risiko ist durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gestiegen. Die Energieversorger gehen eher von einem partiellen und zeitlich befristeten Stromausfall ab Mitte Januar aus. Wenn zum Beispiel zu viele Heizlüfter oder ähnliche Geräte angeschlossen sind und das Netz überlastet ist.

Und trotzdem der Flyer?

Ja, es war eine Abwägung. Wir haben die Entscheidung dann für einen Flyer getroffen. Es ist immens wichtig, dass wir weiterhin zum Energiesparen auffordern und für die Gefahrenlage eines flächendeckenden Stromausfalls sensibilisieren.

Wie lange würde denn ein Stromausfall dauern?

Da können sich die Energieversorger nicht festlegen, so eine Situation gab es ja noch nicht. Ein Stromausfall hängt von verschiedenen Faktoren ab, daher kann man das schwer prognostizieren. Es ist wichtig, sich auf einen Stromausfall vorzubereiten, der über mehrere Stunden geht.

Sind die Frankfurterinnen und Frankfurter denn gut auf einen längerfristigen Stromausfall vorbereitet?

Ich befürchte, eher nein. Die ältere Generation ist es zumindest gewöhnt, Vorräte anzulegen. Bei der Bevölkerung unter 60 Jahren ist dafür nicht wirklich ein Bewusstsein vorhanden. Das wollen wir ja mit dem Flyer ändern.

Darin heißt es, man müsse mit zwei Litern Flüssigkeit pro Tag rechnen. Das Worst-Case-Szenario geht von zehn Tagen ohne Strom aus. Eine fünfköpfige Familie müsste jetzt also 100 Liter Getränke kaufen. Das dürfte zur Rückkehr der Hamsterkäufe führen.

Ich wünsche mir keine Hamsterkäufe, sondern Besonnenheit und Solidarität. Aber wir müssen die Menschen schon richtig informieren. Zwei Liter Flüssigkeit pro Tag und Person werden empfohlen. Leitungswasser ist dann keine Alternative. Bei einem Stromausfall fallen die Pumpen aus, da kommt nichts aus der Leitung.

Welche Vorsorge gibt es für besonders sensible Bereiche wie Kliniken und Pflegeheime?

Die Kliniken arbeiten mit Notstromaggregaten. Die Pflegeheime in der Regel nicht. Das heißt, Bewohner:innen, die auf Stromversorgung angewiesen sind, müssen in eine Klinik gebracht werden oder an einen Ort, an dem es Strom gibt. Das gilt auch für Menschen, die daheim gepflegt werden und etwa ein Gerät zur Atemunterstützung nutzen.

Interview: Georg Leppert

Rosemarie Heilig ist Dezernentin für Klimaschutz um Umwelt.
Rosemarie Heilig ist Dezernentin für Klimaschutz um Umwelt. © Oeser

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