+
Beim ersten Probeabend in der Stadthalle Bergen wurde viel improvisiert.

Bergen-Enkheim

Warmlaufen fürs Schelmenspiel

  • schließen

Die Proben für das traditionelle Theaterstück ?Der Schelm von Bergen? haben begonnen. Noch können Laienspieler mitmachen. Die Aufführungen sind im August.

Nur Pferde laufen im Kreis, sagt Andrea Zanaboni. Für die rund 40 Menschen im Raum der Stadthalle Bergen bedeutet das: bloß nicht im Kreis laufen. Sondern irgendwie kreuz und quer, wie es sich spontan ergibt, da kann man auch mal den Weg des anderen schneiden. „Verletzen ist übrigens verboten“, warnt Andrea Zanaboni vorsichtshalber. Man kann ja nie wissen.

Die 51-Jährige ist eine quirlige Frau. Muss sie auch sein, wenn sie in dem angeordneten Durcheinander noch beachtet werden will. Schließlich ist sie zum zweiten Mal die Regisseurin des Theaterstücks „Der Schelm von Bergen“, für das am Montagabend erstmals geprobt wurde.
Uraufführung feierte der Schelm im Jahre 1953. In dem Stück des Bergen-Enkheimer Heimatforschers Conrad Weil besucht König Barbarossa Frankfurt. Der Henker von Bergen verguckt sich dabei in die Kaiserin und droht bestraft zu werden.

Das Theaterstück wurde nach jahrzehntelanger Pause seit 1993 im Vierjahresrhythmus vor der Schelmenburg an der Marktstraße aufgeführt. „Der Aufwand ist einfach zu groß, um es öfters aufzuführen“, erklärt Hubert Heinemann vom Schelmenverein, der sich vor 25 Jahren zur Förderung des Werks gründete.

Bei der letzten Aufführung, vor vier Jahren, wirkten rund 100 Menschen vor und hinter der Bühne mit. Zu den vier Vorstellungen kamen insgesamt gut 2500 Zuschauer, sagt Heinemann. Davon ist man am Montag noch weit entfernt. Bislang ist das Ensemble noch klein. In den kommenden Wochen würden aber noch Interessierte dazustoßen, ist sich Hubert Heinemann sicher. Wie Mirjam, 32, und Stephen Browne, 47. Sie sind zum ersten Mal dabei. Vor anderthalb Jahren seien sie erst nach Bergen-Enkheim gezogen, jetzt „wollen wir uns hier in die Dorfgemeinschaft integrieren“, sagt sie. Was sie erwartet, wissen beide nicht.

Schuhe ausziehen ist das erste. Dann müssen sie sich den Befehlen von Zanaboni folgend wie Laienschauspieler durch den Raum bewegen: krabbelnd, an imaginären Lianen hochziehend, auf Zehenspitzen gehend. „Freeze“, ruft sie zuweilen. Dann muss jeder in der Position, in der sich gerade befindet, innehalten. Dann geht es weiter durch den Raum.

Auf diese Weise sollen sich die Leute näher kommen und sich an das Spiel gewöhnen, erklärt die Regisseurin. Sie beobachtet derweil, wie sich der Einzelne verhält, ob er sich beispielsweise Lianen vorstellen kann oder ob er sich traut, etwas zu verkörpern. Schließlich muss sie herausfinden, zu wem welche Rolle passt.

Nach einer Stunde zieht Mirjam Fazit: „Es ist warm. Aber es macht Spaß.“ Luca, 14, und Malte, 11, waren schon vor vier Jahren mit beim Schelmenspiel mit dabei damals hatten sie eine kleine Sprechrollen. „Diesmal will ich nicht sprechen“, sagt Luca. Gefallen an dem Miteinander habe er dennoch gefunden. Wie die anderen will er nun jeden Montag kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare