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Wo sonst haben Fußballfreunde so einen Blick? Das Rheinpark-Stadion in Vaduz. 

Eintracht Frankfurt

Warmes Willkommen für Eintracht Frankfurt in Vaduz

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Die Frankfurter Fans kommen zum Europa-League-Spiel – und die winzige Metropole im Fürstentum freut sich drauf. Die Tourismus-Chefin hätte da noch einen Tipp.

Ja, so sind sie, die Eintracht-Fans. Noch ist nicht einmal das Hinspiel der nächsten Runde gegen den ehrwürdigen FC Vaduz angepfiffen, immerhin Liechtensteiner Serien-Pokalsieger, da überlegen diese verrückten Frankfurter schon, wie sie in der übernächsten Runde nach Straßburg kommen. Oder eben nach Plovdiv. Je nachdem.

Aber man muss flexibel sein in diesen Europapokalwochen, auch was den Erwerb von Karten angeht. „Irgendwer aus meinem vertrauenswürdigen @Eintracht-Netzwerk, der morgen in Vaduz Karten kauft und so großartig wäre, 2 oder 3 gegen Vorkasse mitbringen würde?“, twitterte der Nutzer „foschbar“ am Sonntag – eine von zahlreichen Verzweiflungstaten (auch was die Satzstellung angeht), denn die Karten sind knapp. Für die Europa-verliebten Hessen, die gern mal mit 20 000 Leuten nach Italien zum Auswärtsspiel reisen, gibt es diesmal nicht mehr als ein Häppchen.

Vaduz (gesprochen übrigens: Fadutz) dürfte nämlich zu den kleinsten Ortschaften zählen, in denen die Eintracht je um kontinentale Meriten kämpfte. Das Stadion fasst bei internationalen Anlässen 6127 Personen. Das würde theoretisch genügen, um die gesamte Stadtbevölkerung aufzunehmen plus 677 Gästefans. Die Eintracht wird freilich ein paar Leute mehr mitbringen, was der Vaduzer Gastfreundschaft zu verdanken ist. Die Liechtensteiner erhöhten den garantierten Gästeanteil (fünf Prozent) zunächst auf rund 1200 Tickets und legten dann noch einmal 400 drauf. Die natürlich binnen einer spontan anberaumten Buchungsstunde ruckzuck weg waren.

Die Gastgeber ihrerseits beschränkten den Kartenverkauf auf einen Vor-Ort-Termin am Montagabend und sahen davon ab, Tickets online anzubieten – damit auch ein paar Liechtensteiner dabei sein können. Wie man die Hessen kennt, haben sie sich trotzdem noch das eine oder andere Billett „über den Durst“ organisiert. Der Begriff Ansturm mag nicht völlig übertrieben sein für die zu erwartende Gesamtsituation. Kriegt Vaduz das hin?

Kein Public Viewing

„Ich denke schon, dass wir das gut hinkriegen“, sagt Renate Bachmann, Bereichsleiterin Tourismus bei Liechtenstein Marketing. „Es ist sicher eine spezielle Situation für uns, aber wir hatten auch schon andere Veranstaltungen mit großem Andrang.“ Ein Gastspiel der englischen Fußball-Nationalmannschaft etwa (2003, Liechtenstein verlor ehrenhaft 0:2). Oder in diesem Mai, als 12 000 chinesische Touristen kamen. „Aber nicht alle auf einmal“, sagt Renate Bachmann mit einem charmanten Lachen.

„Mit Fans haben wir immer sehr gute Erfahrungen gemacht“, versichert sie. „Wir versuchen, auch jene Leute gut zu versorgen, die ohne Tickets anreisen.“ Es sei kein sogenanntes Public Viewing geplant, „aber wir haben eine sehr gute Gastronomie, die ihre Fernseher einschalten wird“. Fürs Programm vor und nach dem Spiel empfiehlt sie, sich Zeit für die Berge zu nehmen. „Bei uns ist man in kürzester Zeit in den Alpen drin – so kompakt wie hier hat man es selten.“

Und das Spiel, wie wird sie es verfolgen? „Von meiner Familie gehen alle ins Stadion, aber ich werde eher im Städtle sein.“ Schauen, dass alles funktioniert, dass sich alle wohlfühlen. Wenn das nicht gastfreundlich klingt – schon ziehen wieder Bilder vor dem inneren Auge auf, wie sich Frankfurter und Liechtensteiner verbrüdern, wie alle Kicker von allen Fans gefeiert werden, der Sport als gemeinsames Haus mit genug Platz für alle, wie klein es auch sein mag. Wie geht’s aus am Donnerstag? „Bestimmt gewinnt Frankfurt“, sagt Renate Bachmann, „aber schön wäre, wenn für uns ein 2:2 herauskäme.“

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