Staatstheater Darmstadt

„Wandel ist herausfordernd“

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Der Intendant des Staatstheaters Darmstadt Karsten Wiegand wehrt sich gegen die Kritik an seinem Führungsstil.

Wo ist die Grenze?“, lautet in dieser Spielzeit das Leitmotiv des Staatstheaters Darmstadt. Karsten Wiegand, der seit August 2014 Intendant des Mehrspartenhauses am Georg-Büchner-Platz ist, stellte zu Beginn der Theatersaison die Frage, ob man Grenzen überwinden oder respektieren soll und ob es hierfür „Mut oder Demut“ benötige. Wenig Mut haben offenbar Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Staatstheaters, die sich kürzlich – ohne ihren Namen zu nennen – in einem Schreiben an Angela Dorn (Grüne), die neue Ministerin für Wissenschaft und Kunst gewandt haben. „Wir brauchen dringend Hilfe“, heißt es in dem Brief, der an mehrere Redaktionen und die Vertrauensstelle des Deutschen Bühnenvereins in Berlin versandt wurde und in dem vor allem der Führungsstil von Intendant Karsten Wiegand kritisiert wird.

Die Rede ist von einer hohen Krankheitsquote, einer Vielzahl an Bühnenunfällen und davon, dass „das Regime“ von Wiegand „fortgesetzt die Belegschaft quält“ und dass Wiegand „verbal sehr aggressiv laut“ werde und auf den Tisch schlage, wenn jemand wage, in seiner Gegenwart seine Meinung zu sagen.

Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst teilte auf Anfrage der FR mit, es stehe mit der Bühnenleitung und dem Personalrat „in einem guten und regelmäßigen Austausch auch über Arbeitsbedingungen und -abläufe“. Im vergangenen Sommer habe es tatsächlich eine Situation gegeben, in der viele Stellen unbesetzt gewesen seien und es „Schwierigkeiten im Ablauf“ gegeben habe, die auch „zu einer hohen Belastung in der Belegschaft“ geführt hätten. Mit personeller Unterstützung aus dem Ministerium sei diese Situation mittlerweile behoben. Ministerin Dorn sei zudem „jederzeit ansprechbar“ und nehme entsprechende Beschwerden „sehr ernst“. Wenn nötig, werde sie auch das Gespräch mit den Beteiligten suchen, heißt es aus dem Ministerium in Wiesbaden.

Thomas Gärtner, der Personalratsvorsitzende des Staatstheaters, verneinte hingegen die Frage, ob es einen Handlungsbedarf gebe und Hilfe von außen notwendig sei. Zwar gebe es bei mehr als 500 Mitarbeitern „immer mal eine Handvoll Unzufriedene“, aber die Situation sei „nicht so extrem dramatisch“, wie dies in dem anonymen Schreiben dargestellt worden sei. Auch die angespannte Personalsituation habe sich inzwischen mit der Neubesetzung der Stellen des Generalmusikdirektors, des Künstlerischen Betriebsdirektors, der Operndirektorin und des Chordirektors entspannt, so Gärtner. Von wie vielen Mitarbeitern der Inhalt des Schreibens geteilt werde, könne er nicht sagen. Ihm sei der Brief nicht bekannt gewesen. Auch andere Mitarbeiter des Hauses distanzieren sich von dem Schreiben und kritisieren das „nicht partnerschaftliche Verhalten“, weil er pauschal mit „die Mitarbeiter*innen des Staatstheaters Darmstadt“ unterzeichnet sei.

Intendant Wiegand, der grundsätzlich für Transparenz und Offenheit eintritt, wollte sich angesichts des anonymen Charakters des Schreibens zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Er wies jedoch nachdrücklich den Eindruck zurück, ein Intendant alter Schule mit autoritärer Prägung zu sein. Grundsätzlich schätze er im Umgang mit den Mitarbeitern eine „wertschätzende Kommunikation“ sowie einen kooperativen Führungsstil. Wiegand äußerte zudem, dass sich „das Theater in einem Wandlungsprozess befindet“. Dieser Wandel, so räumte er ein, sei sowohl für die Theatermitarbeiter als auch für das Publikum „herausfordernd und anstrengend“.

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