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Das Gesellschaftshaus vor dem Brand 1878, fotografiert von Carl Friedrich Mylius.
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Das Gesellschaftshaus vor dem Brand 1878, fotografiert von Carl Friedrich Mylius.

Jubiläum

„Eine einzigartige Melange“ – Frankfurt feiert 150 Jahre Palmengarten

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Der Frankfurter Palmengarten ist 150 Jahre alt und feiert in den kommenden Monaten mit vielen Ideen. Aufgrund der Corona-Pandemie nicht nur vor Ort.

  • Der Palmengarten im Frankfurter Westend wurde im Jahr 1871 eröffnet.
  • Zum 150-jährigen Jubiläum findet aufgrund der Corona-Pandemie kein großes Fest statt.
  • Zur Feier haben sich die Verantwortlichen ein vielfältiges Programm einfallen lassen.

Frankfurt – Ganz Frankfurt müsste auf den Beinen sein. Festlich gekleidet müssten die Menschen an diesem Dienstag ins Westend spazieren, ginge es mit rechten Dingen zu. So wie am 16. März 1871, als eröffnet wurde, was es heute zu feiern gilt: der Palmengarten.

Den frühen Chronisten zufolge sollte vor 150 Jahren in einer mehrspännigen Galakutsche sogar der Kronprinz vorfahren, um den feierlichen Anlass zu würdigen. Doch heute sei klar: Es kam kein Kronprinz – das hätten neuere Forschungen ergeben, verkündet die brandneue Palmengarten-Internetseite.

150 Jahre Palmengarten Frankfurt: Abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm trotz Corona

Auch heute ist kein Kronprinz zu erwarten. Und so bleibt als entscheidender Unterschied zum großen Fest vor eineinhalb Jahrhunderten: dass es diesmal kein Fest gibt – jedenfalls nicht am Jubiläumstag. Corona ist schuld. Später im Jahr soll aber viel gefeiert und zurückgeblickt werden auf das Meisterwerk des Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer.

„Wir alle haben sehnsüchtig darauf gewartet, wieder eröffnen zu können“, sagt Palmengartendirektorin Katja Heubach. Am Mittwoch, dem ersten Besuchstag des Jahres, kamen gleich 210 Gartenfans, am Wochenende je 300. Das Virus macht alles nicht leichter. Aber, sagt Heubach, „wir haben uns trotz Pandemie und entsprechend erschwerter Parameter ein abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm ausgedacht“.

Die Damen mit Sonnenschirm: historische Postkarte vom großen Weiher,

Palmengarten Frankfurt: Im Jubiläumsjahr kommt auch ein neues Konzept

Die große Hauptattraktion ist das Blüten- und Schmetterlingshaus – und das hätte eigentlich schon längst fertig sein sollen. Dass es jetzt nach langen Verzögerungen passend zum Geburtsjahr im Sommer eröffnet werden kann: Ironie unserer Zeit. Eine große Ausstellung ist dort geplant im zentralen Ort des künftigen Palmengartenkonzepts, das sich dem Naturschutz weiter öffnet.

„Blüten- und Bestäubungsökologie“ könnte man das Konzept nennen – oder einfach: „No Bees, no Bembel“. Denn wenn es keine Bienen gibt (englisch Bees), bestäubt niemand die Apfelblüten, und woher soll dann bitte das Stöffche kommen? Der preisgekrönte Fotograf Ingo Arndt wird Fotos bestäubender Insekten im Palmengarten ausstellen. Eine Sound-Installation soll es geben, ähnlich wie vor zwei Jahren, als das Palmenhaus 150 Jahre alt wurde, der Nukleus des Palmengartens, aber diesmal: draußen. An sechs Stationen dringen dann Klänge ans Ohr. Heubach: „Klänge, die da nicht hingehören, die überraschen.“ Viel will sie noch nicht verraten, aber falls Sie demnächst einen Wal im Palmengarten hören: Keine Angst, der tut nichts. Der will nur verblüffen.

JUBELJAHR

Ausstellung: „Die Stadt und das Grün“ im Historischen Museum Frankfurt geht vom 25. März an auch auf die 150-jährige Geschichte des Palmengartens ein.

Höhepunkt: Das neue Blüten- und Schmetterlingshaus eröffnet im Sommer samt der Informationsschau „Abgestaubt! Von Blüten und ihren Besuchern“. Ende Juni beginnt eine große Jubiläumsausstellung mit viel Kunst. Und auch die Musik soll wieder eine große Rolle im Palmengarten-Sommer spielen: Jazz, Blues, Singer-Songwriter und Kammeroper.

Jubiläumsband: Das Buch „Der Palmengarten. Wo Frankfurts grünes Herz schlägt“ von Sabine Börchers soll Ende März erscheinen (25 Euro), auf die Anfänge des Gartens blicken, hinter die Kulissen von heute und auch in die Zukunft unter Klimawandelbedingungen . Gartengeschichte und -geschichten erzählt das gedruckte Jubiläumsmagazin „Das blühende Leben“.

Durchblick online: Rechtzeitig zum Jubiläum gibt es die völlig überarbeitete Homepage www.palmengarten.de zur großen Erleichterung aller, die die alte Website kannten.

U-Bahn: Als Geschenk von der Stadt zum 150. Geburtstag heißt die U-Bahn-Station Westend neuerdings „Westend (Palmengarten)“. ill

Alles Wissenswerte zum Jubiläumsjahr gibt es auf der Homepage vom Palmengarten.

Bedeutung des Frankfurter Palmengartens in Zeiten von Klimawandel und Artensterben

Die Direktorin schildert den Palmengarten als einen „Ort der Kultur, der Musik, der Lebensfreude und der Feste“. All das soll er in diesem Jahr ganz besonders sein. An alte Sportereignisse wird eines der Feste erinnern (mit Hochradfahren!). Ein Pavillon, von Studierenden gestaltet, zeigt einen denkbaren Palmengarten der Zukunft. Das Jubiläumsprogramm spiegele, wofür der Palmengarten stehe: Natur, Artenvielfalt, Bürgerengagement, Historie, Bildung, Erholung, Vergnügen, Kultur, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne): „Eine einzigartige Melange, die wir Gartengründer Heinrich Siesmayer und all seinen Nachfolger:innen, die den Garten mit innovativen Ideen weiterentwickelten, zu verdanken haben.“ Ein Ort als Gegenpol zur wachsenden Stadt. „Heute, angesichts von Klimawandel und Artensterben, können wir die Bedeutung des Palmengartens gar nicht hoch genug schätzen“, betont Heilig.

Fast wie heute: die Allee („Flirtmeile“) zum Gesellschaftshaus.

Kaum aufzuzählen, was noch alles in dieses Jubiläumsjahr gepackt wurde. Historische und heutige Sichtachsen, einander gegenübergestellt. Virtuelle Gartentouren per App. Und die vielen Statuen sollen neuen Glanz erhalten. Wer dabei mithelfen will, kann Patin oder Pate werden. Im Historischen Museum schließlich wird zu sehen sein, wie alles begann: Unter anderem mit einer Aktie, die den Palmengarten in der an Stiftungen reichen Stadt finanzieren half, kündigt Wolfgang Cilleßen an, der stellvertretende Museumsdirektor. (Thomas Stillbauer)

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