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Wahre Helden pfeifen auf roter Erde

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Von: Jürgen Streicher

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Ex-Eintrachtler Rudi Bommer im Gespräch mit dem Nachwuchs der Unparteiischen. rolf oeser (2)
Ex-Eintrachtler Rudi Bommer im Gespräch mit dem Nachwuchs der Unparteiischen. © Rolf Oeser

Prominente Motivatoren und alte Recken beim Tag der Jungschiedsrichter von Fußballverband und Schlappekicker-Aktion.

Die knallrote Trainingsjacke der Schiedsrichter-Vereinigung Frankfurt trägt Jennifer Juhre mit Stolz. Nur 17 Jahre alt, hat sie Jugendspiele gepfiffen, ist im Förderkader gelandet und steht nun schon bei Männerspielen der B-Klasse auf dem Platz. In der alten DFB-Zentrale, ein paar Meter entfernt vom Waldstadion, hat gestern ihr Traum von einer Karriere als Schiedsrichterin Nahrung bekommen. Beim Tag der Jungschiedsrichter:innen des Hessischen Fußballverbandes (HFV) und der Schlappekicker-Aktion war sie mit knapp 40 Jungs und zwei weiteren Mädchen dabei.

Das wäre schon cool, mal mit den Spielern aus dem Tunnel unter der Arena zu kommen und unter den Fangesängen einzulaufen. Das Selbstvertrauen dazu bringt Jennifer Juhre mit, das ist schon jetzt spürbar. Ihr selbstbewusster Auftritt mit der gelben Karte in einem kleinen Rollenspiel am Rande ist deutlich. Das Auftreten beginnt mit dem Eintreffen auf dem Sportplatz, das ist die Philosophie von Thorsten Schenk. Körpersprache, Ansprache der Spieler:innen, Mimik, Gestik, all das üben die jungen Schiris mit Schenk vom HFV-Lehrstab Schiedsrichter-Ausbildung. Seit 36 Jahren ist er selbst mit der Pfeife unterwegs. Seine Themen: Konfliktvermeidung durch eigenes Verhalten, Körperhaltung, Selbstvertrauen. Gegenseitiger Respekt ist eine wichtige Zielmarke. Da ist Jennifer auf einem guten Weg, auch in der Männer-Spielklasse hat sie „viel Respekt“ gespürt. Da will sie lieber pfeifen als bei Frauenspielen.

Zum Warmmachen und flotten Einstimmen steht nach der Begrüßung durch Gerhard Hilgers vom HFV eine Gesprächsrunde mit Ex-Nationalspieler Rudi Bommer auf dem Programm, erprobt in der Bundesliga in über 400 Partien, zuletzt für die Eintracht. Mit dem ehemaligen Pressesprecher der Nationalmannschaft und heutigem stellvertretenden Vorsitzenden der Schlappekicker-Aktion Harald Stenger sitzt der passende Moderator der lockeren Gesprächsrunde mit am Tisch. Auch dabei gilt Augenhöhe wie in allen Gesprächen hier. Dass die Jugendlichen einen Ex-Profi und den früheren Top-Schiedsrichter und DFB-Lehrwart Lutz Wagner duzen, ist kein mangelnder Respekt, sondern gewünscht. Schiedsrichter:innen sind Sportler auf dem Platz wie Spieler:innen auch. Die alten Recken und Profis auf beiden Seiten wollen dem Nachwuchs an der Basis, der sich rar gemacht hat, Stärke mit auf den Weg geben.

Die Jugendlichen stellten in der DFB-Zentrale viele Fragen.
Die Jugendlichen stellten in der alten DFB-Zentrale viele Fragen. © Rolf Oeser

Der Traum vom DFB-Kader

Lutz Wagner kennt beide Seiten. An der Spitze der Pyramide wird es eng. Verdammt eng. Nach ganz oben kommen nur die Besten, eine Handvoll unter den aktuell rund 50.250 Schiedsrichter:innen, die im Deutschen Fußballbund (DFB) registriert sind. Die Stufen „Gut“ und „Sehr gut“ in der Bewertung haben sie gemeistert, jetzt wartet die Kategorie „Ausgezeichnet“. Da gelangen die hin, „die es unter allen Umständen können“, so nennt es Lutz Wagner. Nicht nur „beim 3:0 für die Heimmannschaft bei Sonnenschein, auch beim Platzverweis für deren Kapitän in der 5. Spielminute und der Entscheidung für Elfmeter gegen das Heimteam vor „einer schwarz-gelben Wand mit 80.000 Fans.“

Hier geht es um die Basis. „Die wahren Helden aber pfeifen auf roter Erde“, nämlich auf den Hartplätzen in den unteren Spielklassen. „Und das seid erstmal ihr“, ruft Wagner dem Nachwuchs zu und macht Mut auf mehr. Denn ab der Bezirksliga ist man bei den oberen sechs Prozent auf der Pyramide angekommen. Jannis Jäschke ist schon ein Stück weiter. Mit seinen 20 Jahren pfeift er bereits in der Hessenliga der Männer und schaut ambitioniert weiter nach oben, am Samstag war er in Stuttgart pfeifen, ein Spiel der Jugend-Bundesliga. Die Herausforderung ist groß, das weiß auch Jennifer Juhre. Und die Zeit ist knapp, mit 27 müssen die beiden den DFB-Kader erreicht haben für den ganz großen Traum.

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