Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Im Frankfurter Westen sind viele Menschen stolz auf die Industrie. Foto: Rolf Oeser
+
Im Frankfurter Westen sind viele Menschen stolz auf die Industrie.

Bundestagswahl

Wahlkreis 182: Zwischen Industrie und Bankentürmen

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
    schließen

Fabriken und Verkehrsprobleme im Westen, Geschäfte und Drogenabhängige im Zentrum: der Frankfurter Wahlkreis 182 gibt ein extrem unterschiedliches Bild ab.

In Praunheim haben sie Angst vor dem neuen Stadtteil, inklusive mehr Verkehr. In Bockenheim und im Gallus erleben sie, was Gentrifizierung bedeutet. Rund um den Industriepark Höchst lachen sie über die Vorstellung vieler Menschen, dass es die Banken in der Innenstadt seien, die den wirtschaftlichen Erfolg Frankfurts begründeten. Und im Bahnhofsviertel geht es seit vielen Jahren um die Frage, wie die Stadt dem Elend beikommt.

Der Wahlkreis 182 ist vielschichtig. Das kann man über so ziemlich jeden Wahlkreis in Deutschland sagen. Dass nur Industrie oder nur Landwirtschaft eine Gegend prägen, ist ungewöhnlich. Doch der 182er zeigt die komplette Diversität der Großstadt – von Zeilsheim über die Innenstadt bis Heddernheim. Sie macht es unmöglich, ein einheitliches Bild zu zeichnen.

In Bockenheim und im Westend etwa haben viele Menschen das städtische Werben um die sogenannten Brexit-Banker sorgenvoll zur Kenntnis genommen. Bis zu 20 000 Beschäftigte aus der Finanzbranche, so hieß es zeitweise, könnten wegen Großbritanniens Austritt aus der EU ihren Arbeitsplatz von London ins Frankfurter Bankenviertel verlegen. Die Zahl war von Anfang an viel zu hoch gegriffen, doch selbst wenn nach überstandener Corona-Krise nur 2000 Bankangestellte hinzukommen: Wo sollen diese Leute wohnen? Und was macht es mit den Bestandsmieten in Stadtteilen wie eben Bockenheim, wenn eine solche Zahl überwiegend gut verdienender Menschen auf den Frankfurter Wohnungsmarkt drängt? Die Luxuswohnungen, die etwa in dem „One Forty West“ genannten Hochhaus auf dem Gelände des früheren AfE-Turms entstehen, sind für die allermeisten alteingesessenen Bockenheimer:innen wahrlich keine Alternative.

Einer, der diese Nöte kennt, ist der CDU-Direktkandidat Axel Kaufmann. Zwölf Jahre war er Vorsteher im Ortsbeirat 2, der für Bockenheim und das Westend zuständig ist. In der Zeit hat er extrem viele Kontakte geknüpft. Deshalb dürfte Kaufmann zumindest in diesen Stadtteilen Favorit sein – auch wenn die Grünen zuletzt in Bockenheim Stimmen gewonnen hatten, was für Deborah Düring sprechen würde. Und Armand Zorn von der SPD dürfte vor allem auf Unterstützung aus den westlichen Stadtteilen hoffen.

Sie kandidieren im Wahlkreis 182

Axel Kaufmann (CDU) tritt im Wahlkreis 182 erstmals als Direktkandidat an. Er gewann auf einem Parteitag die Kampfkandidatur gegen Matthias Zimmer, der bislang für die Frankfurter CDU im Bundestag saß. Kaufmann wurde vor 48 Jahren in Bremen geboren. Der Volkswirt arbeitet als Prokurist bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Er war zwölf Jahre lang Ortsvorsteher im Ortsbeirat 2.

Deborah Düring (Grüne) studiert Friedens- und Konfliktforschung in Frankfurt. Die 27-Jährige ist Sprecherin der Grünen Jugend Hessen. Die Direktkandidatin könnte davon profitieren, dass die Grünen zuletzt drei Mal in Folge die Wahlen in Frankfurt gewannen. Düring ist über die Landesliste abgesichert. Dort steht sie auf Platz sieben. Falls die Grünen landesweit zwölf Prozent erreichen, könnte die gebürtige Münchnerin über die Landesliste in den Bundestag einziehen.

Armand Zorn (SPD) ist der einzige migrantische Direktkandidat im Wahlkreis 182. Der 33-Jährige kam in Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, zur Welt. Mit zwölf Jahren zog er mit seiner Familie nach Halle. Er studierte Volkswirtschaft, Wirtschaftsrecht und Politikwissenschaft. Als Unternehmensberater zog er 2015 aus beruflichen Gründen nach Frankfurt. Zwei Jahre lang war er stellvertretender Bezirkschef der Jusos. Er steht auf Landeslisten- platz 23.

Frank Maiwald (FDP) ist Schatzmeister im Vorstand der Frankfurter FDP. Er wurde vor 40 Jahren in Görlitz, der östlichsten Stadt Deutschlands, geboren, studierte BWL an der Hochschule der Deutschen Bundesbank in Hachenburg (Rheinland-Pfalz), VWL in Frankfurt und trat 2013 der Frankfurter FDP bei. Er ist Mitglied der DLRG Nieder-Eschbach.

Janine Wissler (Linke) ist Spitzenkandidatin der Linken in Hessen. Falls die Linke in den Bundestag einzieht, ist sie mit dabei. Die 40-Jährige wurde in Langen geboren, ist Politologin und gemeinsam mit Susanne Hennig-Wellsow Parteivorsitzende der Linken im Bund. Seit 2008 ist sie Abgeordnete im Hessischen Landtag und führt dort auch die Fraktion an.

Patrick Schenk (AfD) leitet die AfD-Fraktion im Frankfurter Römer. Der 53-Jährige, der im schwäbischen Mutlangen geboren wurde, hat eine bewegte politische Vita hinter sich. Er stammt aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus, trat in den 1990er der CDU bei, wechselte 2010 zur BFF („Bürger für Frankfurt“) und 2018 zur AfD. Der Jurist arbeitet bei der Flughafenbetreiberin Fraport. Er steht auf Landeslistenplatz 14.

Weitere Kandidat:innen im Wahlkreis 182 sind Maximilian Zänker (Volt), Eric Pärisch (Freie Wähler), Karsten Wappelt (MLPD), Martin Heipert (Die Basis).

Zusammengestellt von Florian Leclerc

In der Gegend rund um Höchst hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Der Industriepark ist nach wie vor zentral für die westlichen Stadtteile. Dass etwa das Unternehmen Sanofi viel mehr an Gewerbesteuer zahlt als die großen Geldinstitute, die man nach einigen Kilometern auf der Mainzer Landstraße erreicht, nimmt man hier mit Stolz zur Kenntnis. Gleichzeitig ist das Wachstum der Stadt, das erst kürzlich zumindest kurzfristig gestoppt wurde, im Westen besonders spürbar. Etwa in Unterliederbach, wo das Motto von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) – „Bauen, bauen, bauen“ – in die Tat umgesetzt wird. Was einst als „Parkstadt“ geplant war, wird nun Stück für Stück umgesetzt – begünstigt durch eine Aufweichung der Seveso-Richtlinie, die es ermöglicht, dass Wohnungen näher an Industriegebieten gebaut werden.

Doch mit wachsender Bevölkerungszahl wird das Problem von Stadtteilen wie Unterliederbach, Sossenheim oder Zeilsheim noch sichtbarer. Sie sind schlecht zu erreichen. Die meisten Menschen in den westlichen Stadtteilen sagen, sie seien auf ihr Auto angewiesen, und ob sich das ändern wird, wenn voraussichtlich 2026 die Regionaltangente West eröffnet, ist zweifelhaft. So gehören Staus zum Alltag im Westen – und Überlegungen, eine autofeindliche Politik zu machen, kommen nicht gut an.

Ganz andere Themen dominieren die Diskussion in der Innenstadt und im Bahnhofsviertel. Dass sich die Situation der Drogenabhängigen während der Corona-Krise weiter verschlechtert hat, ist unstrittig. Der Wunsch von Anwohner:innen und Geschäftsleuten, die Stadt möge für mehr Sicherheit und Sauberkeit im Viertel sorgen, ist nachvollziehbar. Nur was soll sie tun, die Stadt, namentlich Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) und die neue Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP)?

Je mehr Menschen vor den Drogenhilfseinrichtungen auf dem Bürgersteig sitzen, desto lauter wird der Ruf nach harten Maßnahmen. Doch wozu würden die führen? Zu einer Verdrängung der Szene, die Frankfurt nun wirklich gar nicht gebrauchen kann? Am „Frankfurter Weg“, wonach Abhängige wie kranke Menschen und nicht wie Kriminelle behandelt werden sollen, will die Stadt jedenfalls festhalten – auch wenn die CDU in der Frage der Sicherheit mehr Druck machen wird, weil sie es als Opposition im Römer eben kann.

Derweil stellt sich in der Innenstadt die Frage, wie Frankfurt aus der Pandemie kommt. Der Lockdown hat Spuren hinterlassen, es gibt Leerstand, die Stimmung unter den Geschäftsleuten ist angespannt. Gleichzeitig ist etwa an Samstagmittagen auf der Zeil kein Unterschied zu den Zeiten vor Corona mehr zu sehen. Insbesondere die Händlerinnen und Händler erwarten sich hier von der Politik klare Konzepte, wie Einschränkungen in Zukunft verhindert werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare