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Olaf Scholz an einem der coolsten Orte der Stadt: der Lounge auf dem Parkhaus Börse.
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Olaf Scholz an einem der coolsten Orte der Stadt: der Lounge auf dem Parkhaus Börse.

Stimmenfang in Frankfurt

Bundestagswahl: Wo die wilden Bienen wachsen – so geht Wahlkampf in Frankfurt

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer
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Ein leerer Clubraum im Bürgerhaus, ein voller Römerberg, CDU-Plakate mit merkwürdigen Aufklebern und eine etwas eigenartige Abstimmung in der FR: Beobachtungen aus Frankfurt nach sechs Wochen Wahlkampf.

Frankfurt - Noch einmal schlafen, dann ist Bundestagswahl 2021. Spannend wird es, und die Parteien haben wirklich um jede Stimme gekämpft. Manchmal mit etwas seltsamen Mitteln, wie die vergangenen Wochen in Frankfurt gezeigt haben ...

Bundestagswahl 2021: Auftritt der CDU in Frankfurt

An der Frankfurter Hauptwache hat die CDU an einem Samstag ihren Wahlkampfstand aufgebaut. Ein guter Platz. Normalerweise. Da kommen viele Menschen vorbei. Da kommt man mit dem Wahlvolk ins Gespräch. An jenem Samstag sind besonders viele Menschen vor Ort, weil direkt gegenüber den Christdemokraten das Bündnis „Mietenwahnsinn“ eine Kundgebung angemeldet hat, nur zehn Meter entfernt. Interessanter Kontrast.

Eine Rednerin prangert an, es gehe auf dem Wohnungsmarkt längst um Gewinnmaximierung, nicht mehr um das Wohlergehen der Mieterinnen und Mieter. Schuld seien vor allem die großen Wohnungsunternehmen – „und ihre Lobby, die dort drüben steht“. Am Infostand der CDU. Gelächter. Direktkandidat Axel Kaufmann ist während der Demo nur auf Plakaten zu sehen. Beide Seiten nehmen es mit Humor. Die Hauptwache, ein Premium-Ort für den Wahlkampf. Normalerweise.

Bundestagswahl 2021: Annalena Baerbock und Robert Habeck ziehen einfach

Auch der Römerberg ist ein hervorragender Wahlkampfort. Der beste in Frankfurt. Darum wollen dort alle Parteien hin, um ihre Spitzenkandidatinnen und -kandidaten zu präsentieren, die lokalen und die bundesweiten. So war es schon vor Jahrzehnten, so war es immer. Manche haben mehr Erfolg, andere weniger. Die Grünen schaffen es, den Platz bis zum Rand zu füllen. Annalena Baerbock und Robert Habeck ziehen einfach. Es wird eng rund um die zentrale Bühne neben dem Gerechtigkeitsbrunnen. Das alte Phänomen: Wo man auch steht, man steht immer genau dort, wo der Strom der Menschen entlangführt, die vom Paulsplatz zum Mainkai wollen und umgekehrt.

„Habt ihr Spaß?“, ruft’s von der Bühne. So viel Spaß, wie man haben kann, wenn man mit Mund-Nasen-Schutz dort steht, wo die Passierenden mit Lastenrädern, aber ohne Maske durch die Menge pflügen. Wahlkampf und Corona, ein ganz eigenes Thema, und kein einfaches – wie sich auch beim Auftritt von Olaf Scholz zeigt. Wie es sich für einen jungen, modernen Kanzlerkandidaten gehört, hat sich der SPD-Mann einen coolen Ort ausgesucht: die Long Island Summer Lounge auf dem Parkhaus Börse. Eng ist es da, und viele Leute tragen keine Masken.

Sucht die Nähe zum Publikum: Annalena Baerbock auf dem Römerberg.

Bundestagswahl 2021: Auch die FDP zieht es auf den Römerberg

Es kommt aber auch immer auf die Uhrzeit an. Die FDP will drei Tage vor der Wahl noch einmal Stimmung machen und geht ebenfalls auf den Römerberg. Die Besetzung ist gut. Zwar nicht Lindner, der einige Wochen vorher da war. Aber immerhin der Generalsekretär. Und die hessische Landesvorsitzende. Und Nicola Beer, die kennt man in Frankfurt. Da sollte man doch auf Zuspruch hoffen dürfen?

Die Wahrheit ist ernüchternd. Ein paar Dutzend Leute verlieren sich auf dem Platz. Und warum? Weil 11.30 Uhr eine unmögliche Zeit ist, um Wahlkampf zu machen. Immerhin: Am nächsten Tag können die Freidemokraten in der Zeitung lesen, dass zur CDU nur zwölf (in Ziffern: 12) Leute in ein Bürgerhaus kamen. Und das war abends, und der hessische Innenminister war eingeladen.

Bundestagswahl 2021: Die AfD kommt in Frankfurt nicht so gut an

Was darf ein Wahlplakat? Die einen sagen: viel, sogar zum Hängen anderer Parteien aufrufen, die anderen sagen: wenig, und schon gar nichts vor meinem Haus. Der Mainzer Komiker Sven Hieronymus beispielsweise hat etwas dagegen, dass die AfD ihr Plakat („Deutschland. Aber normal.“) an ein Straßenschild direkt an seiner Hauswand gehängt hat – mit Kontakt zum Haus. „Weil ihr so blöd seid und eure Plakate an meine Wand hängt“, sagt er in einem kurzen Film auf Twitter, „darf ich sie“ – Scherenschnipp – „abmachen.“ Das Plakat flutscht an der Stange herunter.

Dies sei die einzig sinnvolle Verwendung für AfD-Plakate, sagt Hieronymus, „einfach nur abmachen“. Und bietet an: „Liebe AfD-Mitglieder, das Plakat heb’ ich auf, das gehört ja euch, und ihr könnt es dann gern bei mir daheim abholen. Dann weiß ich wenigstens, was für ein Schwachkopp das da hingehängt hat.“ Einen Grund müsse es ja gegeben haben, glaubt der Spaßmacher mit der langen blonden Mähne: Es sei schließlich das einzige Plakat der stramm Rechten in der ganzen Straße. Zugegeben, die Szene spielt nicht in Frankfurt, aber wir wollten sie Ihnen nicht vorenthalten. Sie ist einfach zu schön.

Bundestagswahl 2021: Was Eintracht-Fans gar nicht mögen

Was ein Wahlplakat auch nicht tun sollte, ist: andere Wahlplakate verdecken. Da gab es in der Vergangenheit schon arge Auseinandersetzungen, besonders um die besten Plätze und welches Plakat wo am besten wirkt. Aber auch die Freunde anderer Symbole sind schnell sauer, wenn ihre Botschaften verhängt sind.

Auf dem Weg zum Frankfurter Alten Flugplatz hat sich ein Wahlplakat auf Kalbacher Terrain ausgerechnet über einen Eintracht-Frankfurt-Aufkleber geschoben. Da muss man vorsichtig sein. Das mögen Eintracht-Fans gar nicht. Das könnte am Ende sogar die Wahlentscheidung beeinflussen. Welche Partei das verbrochen hat, verschweigen wir diesmal noch. Nur so viel: Eine gute Basis ist das nicht.

Bundestagswahl 2021: Achtung, Wesselmänner

Und noch einmal Wahlplakate. Die Wesselmänner (hätten wir das in diesem Wahlkampf also auch mal geschrieben) der CDU sehen an einem Morgen so anders aus. Ein riesiger Aufkleber ist drübergepappt. Sieht aus wie einer dieser Hinweise auf den Zigarettenschachteln. Nur halt überdimensional. Darauf steht: „Die CDU gefährdet Ihre Zukunft und die Zukunft Ihrer Kinder. Am 26.9. echten Klimaschutz wählen.“ Es dauert ein paar Tage, dann sind die Aufkleber wieder verschwunden.

Bundestagswahl 2021: Wundersame Wundersamen im Frankfurter Wahlkampf

Manche Parteien verschenken im Frankfurter Wahlkampf wundersame Wundersamen, die steckt man in die Erde, und dann wachsen Bienen – sagte ein Parteipolitiker der FR. Seine Berichtigung folgte auf dem Fuß: Es wachsen natürlich Blumen. Im Wahlkampf kann man schon mal kurz die Übersicht oder auch die Nerven verlieren.

Auf der Leipziger Straße in Bockenheim brüllt ein Mann seine Wut hinaus, als er im täglichen Kuddelmuddel an der Kreuzung Markgrafen-/Kurfürstenstraße mit dem Fahrrad strandet, weil drei Autos vor dem Zebrastreifen die Fahrbahn blockieren. „Nur noch Autos und Wahlplakate in diesem Land!“, schreit er. „Hoffentlich ist das bald vorbei!“ Das mit den Plakaten schon. Das mit den Autos – kommt drauf an.

Die Prominenz der Linken moderiert das Zwiegespräch zwischen Bulle und Bär.

Bundestagswahl 2021: Das Phänomen Nilgans spielt diesmal kaum eine Rolle

„Nilgänse an den Eiern packen“, warb mal die FDP zur Kommunalwahl. Gar nicht so lang her, im März war das. Schwieriger Slogan, anatomisch betrachtet. Wahrscheinlich poetisch zu verstehen. Das Phänomen Nilgans spielt diesmal kaum eine Rolle, es geht ja um den großen Zusammenhang. Und wie gesagt, der beste Platz für die Wahlwerbung will gut ausgesucht sein.

Da hat es die Grüne Jugend ganz gut getroffen. „Solidarität heißt Antifaschismus“ plakatiert sie in Bockenheim, in Sichtweite des Cafés Exzess. Passt. Die grünen Erwachsenen versprechen andernorts in Fußballtorgröße sehr viel: „Kommt, wir ändern die Politik“, steht dort. „Damit haben schon viele angegeben“, sagt ein Gassigeher zu seinem Dackel, „komm, Schätzje.“ Die Politik aber sei geblieben, wie sie war.

Bundestagswahl 2021: Das Phänomen Nilgans spielt diesmal kaum eine Rolle

Dialoge kommen im Wahlkampf immer gut. Findet die Linke, und deshalb hängen die Spitzenkandidat:innen Janine Wissler und Dietmar Bartsch dem Bullen und dem Bären vor der Börse Schilder um den Hals. „Bulle, wieso steigt dein Aktienkurs in die Höhe?“, fragt der Bär den Bullen. „Weil ich mit Leerstand spekuliere, Bär“, antwortet der Bulle dem Bär. Wie das Gespräch weiterging, wissen wir nicht.

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Bundestagswahl 2021: Wahlkampf auch im Frankfurter Stadtparlament

Wahlkampf überall, wo man hinschaut. Auch im Frankfurter Stadtparlament. Da einigt man sich am vergangenen Donnerstag (22.09.2021) erst darauf, dass Sexismus nicht in die Politik gehört. Aber nach der gemeinsamen Erklärung ist es vorbei mit der Eintracht. Dann schaltet Martin-Benedikt Schäfer, ein schneidiger Mittdreißiger, der in der CDU vermutlich noch einiges erreichen will und kann, in den Angriffsmodus und sagt deutlich, wem die innere Sicherheit wichtig sei (seiner Partei) und wem nicht (allen anderen).

Vielleicht hätte er die Rede zur Abschaffung des Freiwilligen Polizeidienstes auch etwas weniger aggressiv halten können, aber nun, am Sonntag wird gewählt. Darauf weisen dann auch die Stadtverordneten von Grünen und SPD mehrfach hin, etwa als es um die Aufnahme von Geflüchteten geht. Und am Ende des Abends fragt man sich: Wie konnten diese Parteien eigentlich je zusammenarbeiten?

Bundestagswahl 2021: Und die SPD gewinnt

Zum Schluss noch eine Auswertung aus der FR-Serie über die Direktkandidatinnen und -kandidaten in Frankfurt. Die hatten wir gefragt, wer eigentlich ihr Lieblingspolitiker/ihre Lieblingspolitikerin sei. Menschen aus der eigenen Partei durften allerdings nicht genannt werden. Gewonnen hat die SPD mit fünf Stimmen (davon zwei für Altkanzler Gerhard Schröder). Die Grünen kamen auf vier Nennungen, die CDU schaffte eine Erwähnung. (Georg Leppert und Thomas Stillbauer)

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