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„Rispe“ (links) und „Dutt“ auf dem gerodeten Gelände. Am Lebensraum der Eidechsen wurde kräftig abgeholzt.
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„Rispe“ (links) und „Dutt“ auf dem gerodeten Gelände. Am Lebensraum der Eidechsen wurde kräftig abgeholzt.

Frankfurt

Wagenplatz am Ostbahnhof in Frankfurt wird geräumt

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Die Besetzerinnen und Besetzer der Brachfläche müssen bis zum 6. Dezember gehen, obwohl sie mit der Eigentümerin, der Hotelkette Premier Inn, in Verhandlung für eine Zwischennutzung standen.

Frankfurt - Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Wagenplatzes am Frankfurter Ostbahnhof wird es eng. In der vergangenen Woche wurde ihnen von der Eigentümerin des Grundstücks, der Hotelkette Premier Inn, mitgeteilt, dass sie das Gelände bis zum 6. Dezember verlassen sollen. Für die Wagenplatz-Crew kommt all das überraschend. Denn eigentlich sah es für sie gut aus, doch noch einige Monate dort zu verweilen. Sie standen mit der Eigentümerin in Verhandlung für eine Zwischennutzung, und die auf dem Gelände in den Büschen am Bahndamm lebenden und geschützten Mauereidechsen waren so etwas wie ihre Lebensversicherung. Weil die Eidechsen hier leben, durfte auch die Wagenplatzgruppe bleiben.

Doch nun sollen die Eidechsen umgesiedelt werden. Die Hotelkette hat dafür einen etwa 40 Zentimeter hohen Eidechsenzaun rund um den Bahndamm bauen lassen. Dazu erstellte der Biologe Günter Sonntag ein Gutachten. Außerdem wurden Hecken und Büsche abgeschnitten als „angeblichen Sicherheitsabstand zwischen dem Zaun und den am Bahndamm ausgesetzten Eidechsen“, sagt Bewohner „Dutt“. Die Besetzerinnen und Besetzer zweifeln jedoch, dass die Eidechsen artgerecht umgesetzt werden. Denn im Lebensraum der Tiere, auf dem Bahndamm, fänden gleichzeitig Bauarbeiten statt. „Dafür wurden 26 Bäume und Sträucher gerodet. Zwei Bäume haben sogar noch rote Markierungen“, sagt er. Auch Biologe Sonntag habe überrascht auf die Fällarbeiten reagiert und die Arbeiter gebeten, sofort aufzuhören.

Frankfurt: Wagenplatz am Ostbahnhof wird geräumt

„Dutt“ kritisiert, dass Sonntag nur viermal für jeweils 20 Minuten und insgesamt „keine eineinhalb Stunden“ auf dem Platz gewesen sei – und auch nicht an sonnigen Tagen. Denn bei schlechtem Wetter seien die Eidechsen nicht zu sehen. „Dutt“ und Mitbewohner „Rispe“ haben eher den Eindruck, dass das Gutachten im Sinne des Hotels erstellt wurde. „Wir hoffen, dass wir das Umweltgutachten einsehen können“, sagt „Dutt“.

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) entgegnet, dass die Temperaturen wenig mit der Umsiedlung zu tun hätten. „Sonntag arbeitet schon lange für uns. Ich habe keine Zweifel daran, dass er im Sinne der Eidechsen unterwegs ist.“ Außerdem habe die Stadt im Europaviertel mit der Umsiedlungsmethode, die am Ostbahnhof angewandt werde, schon gute Erfahrungen gemacht. Auch dort seien vor dem Baubeginn Mauereidechsen gefangen und in einen rund sieben Hektar großen Ersatzlebensraum umgesiedelt worden.

Frankfurt: Hotelkette will am Ostbahnhof bauen

Die Hotelkette Premier Inn möchte auf der besetzten Brachfläche und dem Gebäude neben dem Ostbahnhof ein Hotel bauen. Doch bislang war nicht klar, wann überhaupt mit dem Bau begonnen werden kann. Denn das geplante Vorhaben steht zeitlich mit dem geplanten Bau der Nordmainischen S-Bahn in Zusammenhang. Die Bauabläufe und die Nutzung müssten mit den verschiedenen Bauzuständen des unterirdischen S-Bahnhofes koordiniert werden, sagte im Juni Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), als die FR über die Wagenplatz-Crew berichtete.

Damals lagen zwar ein Abrissantrag für das Bahnhofsgebäude sowie eine Bauvoranfrage vor, aber kein Bauantrag. Nun geht es aber plötzlich ganz schnell. Inzwischen hat das Hotel für das leerstehende Bahnhofsgebäude eine Abbruchgenehmigung erwirkt. Für die zehn Bewohnerinnen und Bewohner, die den harten Kern bilden, heißt es damit wohl Abschied nehmen von ihrem Wagenplatz. Die Gruppe, die sich „We Need Homes To Stay At Home FFM“ nennt, hatte die Brachfläche vor über einem Jahr besetzt. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen die Wohnungsnot in Frankfurt. Das Hotel leistet aus ihrer Sicht einen Beitrag zur rasant fortschreitenden Gentrifizierung des Ostends.

Frankfurt: Umzug im Winter kommt für Wagenplatz-Crew zur Unzeit

Auf dem Grundstück stehen etwa ein Dutzend Bauwagen, Wohnwagen und umgebaute Transporter, dazu selbstgebaute Duschen, ein Lagerraum für sämtliche Vorräte, und über allem wehen eine Piraten- und Regenbogenflagge. Dass sie nun am Nikolaustag weichen müssen, kommt für die Wagenplatz-Crew zur Unzeit. Ein Umzug der Wagen und der gesamten Infrastruktur sei im Winter, bei Kälte und Regen, technisch und organisatorisch kaum leistbar, sagt „Dutt“. „Rispe“ ergänzt, dass die Wagen für einen längeren Zeitraum nicht beheizt werden könnten.

Sie wollen bis Mai bleiben und hoffen, dass die Stadt ihnen entgegenkommt. Heilig hatte ihnen zugesichert einen neuen Standort über den Winter hinaus zu finden. (Stefan Simon)

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