Aktivistinnen und Aktivisten besetzen seit drei Wochen eine Brachfläche neben dem Ostbahnhof.
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Aktivistinnen und Aktivisten besetzen seit drei Wochen eine Brachfläche neben dem Ostbahnhof.

Wohnen

Besetzung: Wagenplatz am Frankfurter Ostbahnhof unerwünscht

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Die Aktivistinnen und Aktivisten sollen nach dem Wunsch der Eigentümerin die Brachfläche im Ostend räumen. Doch gebaut werden darf auf dem Gelände ohnehin nicht.

  • Auf dem Frankfurter Ostend stehen Bullis.
  • Aktivistinnen haben den Platz besetzt.
  • Die Eigentümerin will die Räumung.

Seit drei Wochen stehen ein paar Bullis auf der Brachfläche neben dem Ostbahnhof und gegenüber vom Danziger Platz. Die Aktivisten haben die Fläche besetzt und dort einen Wagenplatz errichtet. Nun hat die zum britischen Whitbread Konzern gehörende Hotelmarke Premier Inn angekündigt, am Montag mit ersten Bauvorhaben zu beginnen und die Besetzerinnen und Besetzer aufgefordert, die Fläche zu verlassen.

„Vor ein paar Tagen kamen zwei Mitarbeiter von Premier Inn und teilten uns mit, dass sie am Montag den Platz benötigen, um erste Baumaschinen abzustellen“, sagt Anna, die mit ihrem Freund auf dem Wagenplatz wohnt. „Sie gaben uns bloß eine E-Mail-Adresse der Presseabteilung. Das war’s.“ Die Aktivisten kontaktierten daraufhin per E-Mail die Pressesprecherin Katrin Kleinhans, doch auf die Anfrage gab es keine Reaktion. Sie hätten in der E-Mail erwähnt, dass im Backsteinhaus neben der Brachfläche Wohnsitzlose leben und auf dem Gelände Zaun- und Mauereidechsen, die unter Naturschutz stünden und umgesiedelt werden müssten. „Das scheint die überhaupt nicht zu interessieren. Auch auf unser Angebot, über eine Zwischennutzung zu reden oder noch mal vorbeizukommen, sind sie nicht eingegangen“, sagt Anna.

Besitzerin der Fläche am Ostbahnhof ist eine Hotelkette

Vonseiten des Premier Inn scheint es auch keinen Redebedarf oder Gesprächsbereitschaft zu geben. Auf FR-Anfrage sagte Pressesprecherin Kleinhans am Donnerstag: „Wir werden mit den Arbeiten umgehend beginnen und warten aktuell darauf, dass die Fläche geräumt wird.“ Einen Tag später rudert Kleinhans zurück und spricht jetzt lediglich von den „guten Gesprächen mit den Besetzer*innen“ und dass sie davon ausgeht, dass „diese das Gelände verlassen und sich alles gut entwickelt“.

Warum es innerhalb eines Tages zu einem Sinneswandel kam, könnte wohl daran liegen, dass Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) Kleinhans am Freitag kontaktierte und ihr deutlich machte, dass auf dem Gelände Eidechsen lebten und diese auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stünden. „Sie dürfen nicht in die Böschung eingreifen und wenn sie das tun, werden wir sie daran hindern“, sagt Heilig. Darüberhinaus dürfe auf dem Gelände gar nichts unternommen werden, weil es keine Baugenehmigung gebe, sagt sie. „Selbst wenn das Premier Inn eine Baustelleneinrichtung auf dem Parkplatz vor der Brache errichten möchte, muss diese beantragt und genehmigt werden.“ Auch aus dem Planungsdezernat heißt es, dass weder eine fertige Planung noch eine Baugenehmigung vorlägen.

„Da wird am Montag erst mal nichts passieren“, sagt Martin Kliehm, Fraktionsvorsitzender der Linken im Römer. Für Kliehm sei das Vorgehen des Hotels reiner Aktionismus. „Seit einem Jahr führt das Premier Inn Gespräche mit dem Bauamt und der Stadt. Seitdem ist nichts passiert“, sagt Kliehm.

Wagenplatz Frankfurter Ostend: Räumungsbescheid nicht vorhanden

Auch eine Räumung, so wie es Kleinhans gewünscht hatte, sei so einfach nicht möglich. Denn dafür sei ein Räumungsbescheid nötig. Anna vom Wagenplatz sagt, dass solch ein Bescheid nicht vorliege. „Wenn wir in den nächsten Tagen einen Räumungsbescheid bekommen, dann werden wir hier keine Barrikaden errichten.“

Doch so weit soll es erst gar nicht kommen. Die Aktivistinnen hoffen noch auf ein Gespräch mit der Eigentümerin und auf eine Zwischennutzung. Dafür plädiert nicht nur Martin Kliehm, sondern auch SPD-Bundestagsabgeordnete Uli Nissen, die sich bereits als Vermittlerin zwischen den Besetzern und dem Hotel angeboten hat. „Das habe ich heute nochmal gegenüber der Unternehmensführung bekräftigt“, sagt Nissen. Sie schlägt vor: „Bis die Baugenehmigung da ist und die Arbeiten tatsächlich beginnen, könnte Premier Inn den Wagenplatz doch wohlwollend dulden. Für das Ostend wäre das eine kulturelle Bereicherung.“

So sieht es auch der Grünen-Stadtverordnete Bernhard Maier. „Die Bewohner vom Wagenplatz bringen sich sehr gut in die Nachbarschaft ein. Es wäre schön, wenn es zu einem konstruktiven Gespräch für eine Zwischennutzung kommt.“ (Stefan Simon)

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