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Das Polizeipräsidium an der Adickesallee in Frankfurt am Main.
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Das Polizeipräsidium an der Adickesallee in Frankfurt am Main.

Polizei

Waffenhandel bei der Frankfurter Polizei

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Ein Frankfurter Polizist soll Schusswaffen aus der Asservatenkammer unterschlagen und verkauft haben. Das Polizeipräsidium räumt „Mängel“ beim Umgang mit sichergestellten Gegenständen ein.

Im Frankfurter Polizeipräsidium sind im großen Stil Schusswaffen aus der Asservatenkammer unterschlagen und offenbar an Unbefugte weitergegeben worden. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt der Frankfurter Rundschau bestätigte, wird gegen einen 41-jährigen Polizisten ermittelt, der im Polizeipräsidium für die Waffenasservate zuständig war und verdächtigt wird, sichergestellte Schusswaffen aus der Asservatenkammer entnommen und dann weiterverkauft zu haben. Teilweise seien diese Waffen wohl auch an Unternehmen gegangen, hieß es.

Nähere Angaben zu Anzahl und Art der verschwundenen Schusswaffen wollte die Sprecherin unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die zuerst über den Fall berichtet hatte, soll es um eine dreistellige Anzahl von Pistolen, Revolvern, Langwaffen und Munitionsteilen gehen, deren Verbleib aktuell völlig ungeklärt sei.

Der Frankfurter Beamte, der jetzt im Fokus der Ermittlungen steht, ist kein Unbekannter: Bereits im September vergangenen Jahres hatte der 41 Jahre alte Kriminalkommissar bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil er neben seiner Arbeit für die private Sicherheitsfirma Asgaard aus Hamm in Nordrhein-Westfalen gearbeitet haben soll, unter anderem im Irak. Diese Nebentätigkeiten sollen nicht von seinem Dienstherren genehmigt gewesen sein. Außerdem soll er illegal Daten aus Polizeidatenbanken abgefragt und diese für seine Nebentätigkeiten genutzt haben. Gegen den Beamten wird deshalb schon seit Juli vergangenen Jahres wegen Bestechlichkeit und der Verletzung von Dienstgeheimnissen ermittelt, nun könnten auch Unterschlagung oder Verstöße gegen das Waffengesetz in Betracht kommen.

Als die ersten Ermittlungen gegen den Polizisten bekanntwurden, war auch über eine mögliche rechte Gesinnung des Beamten spekuliert worden. Das ARD-Magazin „Kontraste“ und das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatten eine gemeinsame Recherche veröffentlicht, der zufolge die Firma Asgaard rechtsradikal beeinflusst sein soll. Vonseiten der Staatsanwaltschaft hieß es damals, die Ermittlungen hätten keinen Hinweis auf eine politische Motivation des Beamten ergeben, dieser habe sich wohl nur bereichern wollen. Asgaard hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen, ein Mitarbeiter des Unternehmens hatte gegenüber der FR von einer „Schmutzkampagne“ gesprochen.

Das Polizeipräsidium Frankfurt teilte am Freitag mit, gegen den beschuldigten Polizisten laufe bereits seit August vergangenen Jahres ein Disziplinarverfahren, das Führen der Dienstgeschäfte sei ihm aktuell untersagt. Seit man in der vergangenen Woche erstmals Einblick in die Ermittlungsakten erhalten habe, prüfe man auch die vorläufige Suspendierung unter Einbehaltung von Dienstbezügen mit dem Ziel „der dauerhaften Entfernung des Beamten aus dem Dienst“.

Unabhängig davon sei die Innenrevision des Präsidiums sofort mit einer Überprüfung des Managements der Asservatenkammer beauftragt worden. „Dabei wurden Mängel festgestellt“, hieß es. Man habe mehrere Arbeitsgruppen gebildet und bereits während der noch andauernden Prüfung einige offenkundige Missstände behoben. Jetzt werde an der Verbesserung etwa der Dokumentation, „insbesondere in den sensiblen Bereichen der Waffen- und Betäubungsmittelasservate“, gearbeitet und auch die räumliche Ausstattung der Asservatenkammer überprüft. Zudem werde überlegt, wie in Zukunft alle von der Polizei in Verwahrung genommenen Gegenstände digital erfasst werden könnten.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill sagte, er nehme die festgestellten Mängel „sehr ernst“. Es werde jetzt intensiv daran gearbeitet, „alle Defizite in der Handhabung mit Asservaten aufzuzeigen und Gegenmaßnahmen umzusetzen“. Man habe bereits „neue Wege im Umgang mit Asservaten eingeschlagen“.

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