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Vulkane, Kelten, Politik

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Von: Andreas Hartmann

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Der aus Friedrichsdorf stammende Forscher Édouard Desor hatte viele Interessen - auch politisch. Bild: Archäologisches Museum Frankfurt
Der aus Friedrichsdorf stammende Forscher Édouard Desor hatte viele Interessen - auch politisch. Bild: Archäologisches Museum Frankfurt © Archäologisches Museum Frankfurt

Édouard Desor aus Friedrichsdorf war ein Pionier der Keltenforschung – und noch sehr viel mehr

In Nordamerika heißen ein See und ein Vulkan nach ihm, in Friedrichsdorf erinnern eine Straße und ein Gedenkstein an einen der berühmtesten – und dennoch hierzulande fast unbekannten – Söhne der Stadt: den 1811 in eine hugenottische Familie geborenen Édouard Desor, der später einmal Schweizer Nationalratspräsident werden sollte und 1882 hoch angesehen in Frankreich starb.

Der vielseitig interessierte Wissenschaftler und Forschungsreisende, der Deutschland 1832 nach dem Hambacher Fest aus politischen Gründen verlassen musste, war in vielem ein Pionier, wie der Direktor des Archäologischen Museums Frankfurt, Wolfgang David, berichtet. Bis heute lebe die Familie in Friedrichsdorf, außerdem habe Desor die alte Heimat stets geschätzt und den Kontakt in den Taunus gepflegt.

Dass er es nun auf das Plakat einer Ausstellung über das keltische Hessen in Davids Museum geschafft hat, dafür gibt es einen guten Grund, wie der Archäologe berichtet. Desor war nämlich auch ein begeisterter Altertumsforscher, den verwandtschaftliche Beziehungen an den Neuenburger See in der Schweiz verschlagen hatten. Dort machten Fischer beim Ort La Tène immer wieder interessante Funde, die Desors Haushälterin dem eigentlich studierten Geologen brachte.

Desor war einer der ersten Forscher, die begriffen, dass sich die Funde in ganz Mitteleuropa von Frankfurt bis Ungarn ähnelten. „Latène-Zeit“ heißt heute eine ganze „keltische“ Epoche, die etwa die fünf Jahrhunderte bis zur römischen Invasion Galliens 58 vor Christus umfasst. Desors Buch über die Funde, 1865 in Paris veröffentlicht, erschien nur ein Jahr später auf Deutsch – in Frankfurt.

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