Oper und Schauspiel in Frankfurt am Main
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Eine Bürgerinitiative übergibt 15 064 Unterschriften an die Stadt, um eine historische Rekonstruktion des Schauspielhauses zu erwirken.

Frankfurter Schauspielhaus

Votum für historische Rekonstruktion

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Eine Bürgerinitiative übergibt 15 064 Unterschriften an die Stadt, um eine historische Rekonstruktion des Schauspielhauses zu erwirken. Im März soll es zur Abstimmung kommen.

Vier Jahre nach ihrer Gründung hat die „Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus“ ihren bisher größten Erfolg erreicht. Mitglieder des Vereins übergaben am Montag genau 15 064 Unterschriften an das städtische Bürgeramt an der Zeil. Die Unterzeichner fordern die Rekonstruktion des historischen Frankfurter Schauspielhauses von 1904. Es war bei Bombenangriffen 1944 zum Teil zerstört und 1963 durch die heutige Theater-Doppelanlage an Willy-Brandt-Platz ersetzt worden.

Die Bürgerinitiative unter dem Vorsitz des Saxofonisten Tobias Rüger will mit den Unterschriften ein Bürgerbegehren für die Rekonstruktion erreichen. Die Zahl der 15 064 Unterzeichner ist genau die notwendige, die Unterschriftensammlung soll allerdings bis zum 29. Oktober fortgesetzt werden, dem letztmöglichen Datum. Die Abstimmung in Frankfurt soll dann nach den Vorstellungen der Initiative am Tag der Kommunalwahl, dem 14. März 2021, organisiert werden.

Die Aktionsgemeinschaft hofft, durch die Zeitgleichheit möglichst viele Menschen mobilisieren zu können. So ließen sich auch Kosten sparen, weil ein Bürgerbegehren mit mehr als 400 Wahllokalen und Tausenden von Helferinnen und Helfern schon eine Million Euro teuer wäre. Die Initiative argumentiert, dass im Inneren der heutigen Theater-Doppelanlage noch die Hälfte der Bausubstanz des alten Schauspiels vorhanden sei. Tatsächlich gibt es noch Fundamente und Brandmauern aus der Bauzeit von 1902. Das Stadtparlament hatte Anfang 2020 beschlossen, dass die heutigen Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz durch einen Neubau ersetzt werden sollen.

Über den Ort dieses Neubaus und die näheren Umstände streiten sich allerdings die Parteien des regierenden Römer-Bündnisses. Die CDU tritt für einen Neubau auf dem städtischen Grundstück Mayfarthstraße 14 im Osthafen am Wasser ein. Die SPD befürwortet eine „Kulturmeile“: den Neubau eines Opernhauses auf dem Areal Neue Mainzer Straße 47-51 und ein neues Schauspielhaus am östlichen Rand des Willy-Brandt-Platzes. Den Grünen wäre am liebsten, wenn Oper und Schauspiel mit Neubauten am Willy-Brandt-Platz verblieben, dabei könne das Schauspiel auch am nördlichen Rand des Platzes gebaut werden, wo heute das Eurozeichen steht.

Die Aktionsgemeinschaft interpretiert den Beschluss der Stadtverordneten so, dass auch eine Rekonstruktion des alten Schauspielhauses ein Neubau wäre, also dem Votum nicht widersprechen würde. Der Vorsitzende Rüger sieht im Umgang mit den baulichen Überresten von 1902 eine Zerstörung des „kulturellen Erbes“. Die Parteien der Römer-Koalition dagegen sind sich darin einig, dass nur eine moderne Architektur für die Städtischen Bühnen die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts erfüllen kann. Im monatlichen „Schauspielhaus Journal“ schlägt die Bürgerinitiative provozierende Töne an. So heißt es, die Stadt habe beim Neubau der Theater-Doppelanlage Anfang der 1960er Jahre „gewütet wie die Taliban“, was den Umgang mit der alten Bausubstanz anging.

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