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Flüchtlinge

Vorwürfe gegen die Frankfurter Diakonie

  • Steven Micksch
    vonSteven Micksch
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Ein Insider kritisiert die Abläufe und Zustände in der Flüchtlingsunterkunft Bonames. Der Leiter des Hauses sei eine Fehlbesetzung.

Die Anschuldigungen wiegen schwer. Eine interne Quelle aus der Flüchtlingsunterkunft Bonames wirft der Geschäftsführung der Diakonie Frankfurt sowie der Leitung des Arbeitsbereichs „Flucht und Integration“ unverantwortliches Handeln vor. Sie hätten einem unerfahrenen Leiter die Führung einer der größten Flüchtlingsunterkünfte Frankfurts übertragen. Offensichtlich, so der Insider, sei der Mann bei der Leitung der Unterkunft zu wenig unterstützt und ein professionelles Unterkunftsmanagement nicht sichergestellt worden. Die Leitung und einzelne Mitarbeiter seien nicht allein für diverse Missstände verantwortlich zu machen.

Die Fehlbesetzung sei kein Einzelfall, kritisiert der Insider weiter. Bereits eine frühere Leitung sei versetzt worden, nachdem sich sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner beschwert hätten. Die Diakonie äußere dazu lediglich, die ehemalige Leitung stehe nun einer anderen Einrichtung vor. Der Leiter der vergangenen Monate habe die Position mit der Aussicht übernommen, eine stellvertretende Leitung zur Seite gestellt zu bekommen. Dies sei jedoch nie passiert.

Sabine Kalinock, Leiterin des Arbeitsbereichs „Flucht und Integration“, nimmt zu einigen der Vorwürfe Stellung. Der Leiter habe sich auf die offene Führungsstelle beworben. Er habe die Unterkunft bereits gekannt, da er zuvor als Ehrenamtskoordinator vor Ort gewesen sei. Er habe Kenntnis über die Gegebenheiten in Bonames gehabt. „Wir haben ihm viel Hilfe angeboten, die er aber abgelehnt hat“, so Kalinock.

Dass es keine Stellvertretung gegeben habe, sei richtig, aber die Stelle sei ausgeschrieben gewesen, ohne dass sich jemand darauf gemeldet habe. Man habe vor Ort allerdings eine Übererfüllung des Personalschlüssels, so dass Dinge ausgeglichen werden könnten. In der Unterkunft gebe es ein erfahrenes Team. Kalinock selbst sei einige Zeit vor Ort im Einsatz gewesen. „Bonames war eine Vorzeigeeinrichtung.“

Dass sich dies nun gewandelt habe, habe sie nie für vorstellbar gehalten, so Kalinock weiter. Warum das Vertrauen der Bewohner in das Team nicht mehr da sei, müsse nun aufgearbeitet werden. Sie sagte, dass ein Wechsel bei der Leitung von Bonames seit längerem geplant gewesen sei. Lediglich der Zeitpunkt, dies öffentlich zu machen, sei eine Reaktion auf die Proteste gewesen.

Fehlende Standards beklagt

Die interne Quelle kritisiert auch, dass in Bonames kaum standardisierte Verfahrensabläufe etabliert sowie Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im Team nicht eindeutig festgelegt seien. In der Arbeit mit den Bewohnern werde sich kaum an pädagogischen oder sozialarbeiterischen Standards orientiert. Zudem fehle ein Gewaltschutzkonzept.

Dem widerspricht Kalinock. Pädagogische und sozialarbeiterische Standards seien Teil des Betreiberkonzepts, dass im Vertrag mit der Stadt auch festgehalten worden sei. Zudem sei durchaus ein Gewaltschutzkonzept vorhanden, das ebenfalls Teil des Betreibervertrags sei. Es regele den Umgang zwischen Mitarbeitenden und Bewohnerinnen und Bewohnern sowie unter den Mitarbeitenden selbst. Das Thema Gewaltschutz sei unter anderem fester Bestandteil der Teamsitzungen, regelmäßige Gewaltschutzschulungen gehörten zum Konzept. Kritik an zu wenigen Fortbildungen oder Schulungen für Mitarbeiter weist die Diakonie zurück. Jedem Mitarbeitenden stünden sieben Fortbildungstage zu, die individuell gewählt werden könnten. Allerdings mussten in diesem Jahr geplante Schulungen aufgrund von Corona abgesagt werden.

Einem weiteren Vorwurf, dass Mitarbeitenden ein Teil ihres Lohns vorenthalten werde, weil die Schichtzulage nicht bezahlt werde, weist die Diakonie ebenfalls von sich. Die Schichtzulage sei in der kirchlichen Dienstordnung klar geregelt und werde von der Personalabteilung des Regionalverbands berücksichtigt. Kalinock gibt zu, dass es bei dem Thema in der Vergangenheit Unklarheiten gegeben habe und auch mal ein Teil vergessen worden sei auszuzahlen. „Das wurde aber alles nachgezahlt“, sagt sie.

Auf einige Vorwürfe ging die Bereichsleiterin aufgrund des Persönlichkeitsschutzes und mit Verweis auf interne Informationen nicht ein.

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