FR-Altenhilfe

Die Vorsorge fürs Alter vergessen

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Heinrich U. ist jetzt 91 und ums Sozialamt nicht herum gekommen.

Der Weg zum Sozialamt fiel Heinrich U. schwer. „Mir ging es sehr gut. Ich hatte ein schönes Leben“, blickt der 91-Jährige zurück. Nach Kriegsende fängt er an, als freier Mitarbeiter für den Lokalteil einer Zeitung zu schreiben. Den Ausweis als „Berichterstatter“ hat er bis heute aufbewahrt. „Den Redakteuren gefiel mein Schreibstil“, erzählt U., „doch eine Festanstellung haben sie mir nie angeboten.“

Zu der Zeit kontaktiert ihn ein Bekannter. Seine Bitte: U. soll eine Sportveranstaltung für ihn organisieren. U. willigt ein. Der Sport ist seine Leidenschaft. Es folgen weitere Aufträge. Erst in Deutschland, dann Europa und später auf der ganzen Welt. Die Tätigkeit als freier Journalist gibt er auf. „Es war wie ein bezahltes Hobby für mich“, sagt der Senior. Um seine Identität zu schützen, möchte U. nicht mehr Details in der Zeitung sehen.

Was er auf seinen Reisen um den Globus vergisst, ist die Vorsorge fürs Alter. Ab den 2000er Jahren verschlechtert sich sein Gesundheitszustand. Die Ärzte diagnostizieren Krebs. Die teuren Operationen zahlt U. aus der eigenen Tasche. „Als Freischaffender habe ich damals keine Rente abgeschlossen“, sagt er. „Nachdem dann meine Ersparnisse immer weniger wurden, habe ich mich nach langem Zögern entschlossen, zum Sozialamt zu gehen“, so U. Bei der Familie betteln, das wollte er nicht.

Eine Mitarbeiterin im Sozialamt gibt ihm den Hinweis mit der FR-Altenhilfe. Seit 2016 wird der Senior von dem Spendenprogramm unterstützt. Die Altenhilfe sei für ihn ein „willkommenes Zubrot“, sagt U. Der 91-Jährige erhält Grundsicherung vom Sozialamt, das ebenfalls die Miete und Heizkosten übernimmt. Für den Lebensunterhalt bleiben ihm dann noch rund 400 Euro im Monat. Mit dem Geld der Altenhilfe möchte er sich neue Brillengläser kaufen und die Fußpflege bezahlen. Den Rest möchte er sparen.

Seit fünf Jahren wohnt der Witwer in einer Mietwohnung im Frankfurter Stadtteil Dornbusch. „Ich habe die Situation für mich akzeptiert“, berichtet der Senior, „ich fühle mich in der Wohnung und der Umgebung sehr wohl.“ Schon als Kind hatte der gebürtige Nordhesse Frankfurt in sein Herz geschlossen. In den Ferien besuchte er mit seiner Familie Verwandte in der Stadt. „Als Kind haben mich die Straßenbahnen fasziniert. Ich hatte den Traum, Trambahnfahrer zu werden“, erzählt der 91-Jährige.

In seiner Freizeit verreist U. gerne mit seiner neuen Lebensgefährtin. Ihr bevorzugtes Ziel ist die Nordsee. 

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