Römerbriefe

Vorsicht bei der Wortwahl

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    Georg Leppert
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Im Römer wird gebeuthet, sprich: Durch eine völlig inakzeptable Ausdrucksweise zwingt man die Polizei zum Handeln.

Leppert: Ich wäre ja Feuer und Flamme, wenn es nach dem Umbau des Plenarsaals im Römer endlich mal richtig gute Presseplätze gäbe. 

Göpfert: Du Idiot. Schnell, bring unser ganzes brisantes Material in Sicherheit. 

Leppert: Bitte?

Göpfert: Du hast eben gesagt, dass du Feuer und Flammen einsetzen willst. Wenn das die Frankfurter Polizei liest ... Die durchsucht doch sofort unsere Redaktionsräume.

Wir Römerbrief-Schreiber setzen ja auf lebenslanges Lernen. Nun kennen wir ein neues Verb: beuthen. Ich beuthe, du beuthest ... Nun wissen Sie, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, dass Peter Beuth hessischer Innenminister ist, deshalb taucht er häufiger in unserer Partnerkolumne „Gut gebrüllt!“ auf. Aber wissen Sie was? Seit die Polizei die Fankurve im Waldstadion durchsucht hat, weil der Eintracht-Präsident gesagt hat, das Stadion müsse brennen, müssen wir damit rechnen, dass im Römer gebeuthet wird. Sprich: Unsere Politiker könnten durch vollkommen inakzeptable und dumme Wortwahl die Polizei zu drastischen Maßnahmen nötigen. Das nämlich bedeutet beuthen.

Folgende Szenarien sind denkbar.

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) spricht über den geplanten neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten. Dabei sagt er: „Ich bin den Streit mit Steinbach einfach leid. Wenn die nicht endlich auf uns zugehen, müssen wir ihnen halt zeigen, wo der Hammer hängt.“ Die Polizei durchsucht daraufhin das Planungsdezernat und nimmt sämtliche Bauutensilien mit, die bei Richtfesten, Grundsteinlegungen und ähnlichen Veranstaltungen zum Einsatz kommen.

Die FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn sagt: „Ich möchte nicht mehr mit der Koalition darüber diskutieren, welche Themen wichtig sind und welche nicht. Lassen Sie uns gemeinsam den Bock umstoßen und gute Politik für Frankfurt machen.“ Die Polizei befürchtet einen Aufruf zur Tierquälerei und stellt Annette Rinns Hund sicher.

Sportdezernent Markus Frank (CDU) ruft dazu auf, die Römer-Fußballer bei ihrem nächsten Spiel gegen die Landtagself zu unterstützen: „Wir wollen unsere Mannschaft gemeinsam nach vorne peitschen.“ Die Polizei durchsucht Markus Franks Keller auf der Suche nach Folterinstrumenten. Und weil in der Mannschaft des Landtags auch Peter Beuth spielt und Markus Frank im ganzen Land als linksradikaler Aufwiegler bekannt ist, sehen die Beamten eine besondere Gefahr und verbieten Frank bis zum Spiel, seinen Keller zu betreten. Als Frank wenig später in einer Pressemitteilung zum Spiel erklärt, die Fans der Römer-Mannschaft müssten „der zwölfte Mann sein“, kommen noch Ermittlungen wegen Betrugs hinzu.

Jutta Ditfurth von Ökolinx findet für ihre Verhältnisse absolut gemäßigte Worte: „Wir müssen der rechten Bande den Schneid abkaufen.“ Die Polizei wertet das als Hehlerei. Eine Wohnungsdurchsuchung scheitert aber am massiven Widerstand der Antifa.

Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert berichten für die Frankfurter Rundschau aus dem Römer.

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