Nicht nur eine Pille, sondern auch ein liebes Wort: Eine Altenpflegerin am Bett einer Patientin.
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Nicht nur eine Pille, sondern auch ein liebes Wort: Eine Altenpflegerin am Bett einer Patientin. (Symbolfoto)

Senioren

Vorsicht im Altenheim

Altenheime erlauben weniger oder keine Besucher nach Corona-Ausbrüchen. Die Altenheimbetreiber achten verstärkt auf die Psyche ihrer Bewohner.

Im Lichte der 145 mit dem Coronavirus infizierten Senior:innen und der 75 infizierten Mitarbeiter:innen in Frankfurter Pflegeheimen gelten dort verschärfte Schutzmaßnahmen. Besuche sind nur noch drei Mal pro Woche mit Maske und nach Voranmeldung möglich. Im Johanna-Kirchner-Altenhilfezentrum im Frankfurter Gutleutviertel ist die betreibende Arbeiterwohlfahrt (AWO) besonders vorsichtig. Am vergangenen Montag steigerte sich der dortige Corona-Ausbruch noch einmal, weshalb Besuche laut AWO-Website gerade nicht möglich sind. Momentan sind 65 Bewohner:innen positiv getestet worden. Innerhalb der Einrichtung versuche das Personal, die Menschen so gut es geht auf ihren Zimmern zu betreuen, erklärt AWO-Sprecher Johannes Frass. Mahlzeiten würden auf die Zimmer gebracht, Gruppenangebote müssten ausfallen.

„Die Mitarbeiter vor Ort setzen jetzt auf Eins-zu-eins-Angebote für die Bewohner“, sagt er. So würden Mitarbeiter:innen den Bewohner:innen, beispielsweise aus Zeitungen vorlesen oder einfach mit ihnen reden. „Je nachdem, wie es gewünscht wird“, sagt Frass. Weiter erwähnt er eine Spende der FR-Altenhilfe: Die „Tablets gegen Einsamkeit“, insgesamt 36 Stück verteilt auf drei AWO-Einrichtungen, sollen Bewohner:innen dabei helfen, Kontakt zu ihren Lieben zu halten. „Das wird auch gut angenommen“, so Frass.

„Wir wurden und werden hier gut beschützt“, erzählt Wilhelm Roth, der im Nellinistift-Pflegeheim der Diakonie im Frankfurter Nordend lebt. Er habe kürzlich nach einem Krankenhausaufenthalt in 14-tägige vorsorgliche Quarantäne in seinem Parterre-Zimmer gemusst. „Aber ich habe ja meine Bibliothek“, sagt Roth, der sich 50 seiner 500 Bücher mit ins Nellinistift genommen hat. Während auch eine Freundin aus dem Stift in Quarantäne war, telefonierten sie eben.

Digitaler Kontakt zu den Lieben

Die Gefahr von Infektionen werde, so nimmt er es wahr, sehr genau beobachtet. Beispielsweise bleiben die Bewohner:innen einzelner Stockwerke unter sich. Vor einem Jahr zog Roth aus seiner Wohnung im fünften Stock ohne Aufzug ins Nellinistift. „Inzwischen bin ich froh, dass ich das gemacht habe“, sagt Roth.

Zum Schutz der psychischen Gesundheit der Bewohner:innen habe die AWO kein fixes Konzept. „Es ist eher eine Sammlung von einzelnen Ansatzpunkten“, sagt Sprecher Frass. Diese seien Einzelgespräche, Seelsorge und zumindest den digitalen Kontakt zu den Lieben. Man wolle sich auch kein Konzept anmaßen. „Das muss im Austausch mit Angehörigen und Bewohnern geschehen“, meint Johannes Frass.

Auch in den Pflegeheimen der Caritas bemühe sich das Personal ständig um das psychische Wohlergehen, erklärt Gerhard Eiselen, Abteilungsleiter für Alten- und Krankenhilfe der Frankfurter Caritas. So sei die Pflege von Menschen in fragilen Lebenssituationen Teil des Corona-Ethikleitfadens. Kontakt würde auch über Briefe oder Geschenke aufrecht erhalten. „Unsere Mitarbeiter“, sagt Eiselen, „legen eine ausgesprochen bewundernswerte Kreativität an den Tag.“

KILIAN BECK

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