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Vor der Wahl die Schulentscheidungs-Qual

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Von: Katja Sturm

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16 Schulen stellten sich beim Markt der Möglichkeiten vor.
16 Schulen stellten sich beim Markt der Möglichkeiten vor. © rüffer

Beim Markt der Möglichkeiten stellen 16 Integrierte Gesamtschulen ihre Angebote vor. Derzeit sinken die Anmeldezahlen für die Schulform.

Lilly hat sich schon entschieden. Im Internet hat sich die Neunjährige die Schule ausgesucht, auf die sie nach der vierten Klasse wechseln will. Welche das ist, will Mutter Pina nicht verraten. Der Konkurrenzkampf ist groß genug, und das Konzept der Einrichtung sei einmalig. Die Jungen und Mädchen bekämen dort zweite Chancen, wenn sie bei einer Aufgabe – einer Klassenarbeit etwa – scheitern sollten. Das macht für die Bornheimerin genauso Sinn wie das Angebot der Integrierten Gesamtschulen (IGS) an sich.

Die individuelle Förderung, die Möglichkeit mitzubestimmen und die Schule außer als Lern- ebenso als Lebensort zu erleben, an dem das Kind im Mittelpunkt steht, das sind auch aus Sicht der Frankfurter Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) einige der Kennzeichen, die für diese Schulform sprechen. Anders als an einem Gymnasium werde jedes Kind an einer IGS „auf seinem Niveau und in seinem Tempo“ unterrichtet, erklärte die Stadträtin bei der Eröffnung des „Markt der Möglichkeiten“ am Samstag in der Carlo-Mierendorff-Schule in Preungesheim. „Im Laufe der Zeit kann es sich so steigern, ohne permanent das Gefühl zu haben, nicht gut genug zu sein oder hinterherzuhinken.“

Dennoch sinken die Anmeldezahlen. Noch immer sei vielen nicht klar, dass man auch an einer IGS das Abitur ablegen könne, sagte Weber. „Es gibt hier also nichts zu versäumen, sondern nur zu gewinnen.“

Um das noch besser bekannt zu machen, wird alljährlich der „Markt der Möglichkeiten“ veranstaltet. Alle 16 IGS in Frankfurt sowie die KGS Niederrad stellten sich dabei im neuen Oberstufengebäude der Preungesheimer Schule vor. Es herrschte dichter Andrang und hoher Beratungsbedarf. Auffällig war, dass viele Eltern ohne ihre Kinder durch den Raum wandelten.

„Ich denke, die Eltern müssen das noch ein bisschen in die Hand nehmen“, sagte Jin Jang, der seine Tochter Se-Ri an der Seite hatte. Dem Vater aus dem Dornbusch ist es wichtig, dass der Nachwuchs an seiner Schule „glücklich“ ist. Ob die Zehnjährige auf einer IGS ihre Ausbildung fortsetzen wird, sei noch nicht entschieden. Auch ein Gymnasium käme infrage, „aber vielleicht ist es dort zu leistungsorientiert“, und der Druck sei dann zu hoch.

Tobias Illing warb leidenschaftlich für die Georg-Büchner-Schule. Der Lehrer machte Unterschiede dabei aus, was Eltern und Kindern jeweils an dem Bockenheimer Angebot interessierte. Bei den Jüngeren „leuchten die Augen auf“, wenn sie von AGs hören, in denen sie Koreanisch lernen oder Hip-Hop tanzen können. Den Vätern und Müttern seien Latein oder der Anschluss an eine gymnasiale Oberstufe wichtiger. Im regulären Unterricht sind wahlweise Graffiti oder auch ein Fach zum Thema „Nachhaltigkeit“ vorgesehen.

Lilly brachte die Vielfalt nicht von ihrem Weg ab. „Ein Gefühl“ habe sie ihr Urteil fällen lassen. Der Besuch auf dem Markt bestätigte den ersten Eindruck, berichtete die Mutter. „Einige Schulen hier sind innovativ, andere noch zu klassisch“, sagte sie. Jetzt müsse es bei ihrer Tochter nur noch mit der Zusage für die Wunsch-Einrichtung klappen.

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