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Von Nazis in Frankfurt

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Von: George Grodensky

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Jan Gerchow (Historisches Museum) und Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum) testen die App auf Tablet und Smartphone. Monika Müller
Jan Gerchow (Historisches Museum) und Mirjam Wenzel (Jüdisches Museum) testen die App auf Tablet und Smartphone. Monika Müller © Monika Müller

Eine wehrhafte Demokratie lebt auch vom Blick zurück. Das Historische Museum Frankfurt, das Jüdische Museum und das Institut für Stadtgeschichte präsentieren neue Formate der digitalen Erinnerungskultur.

Die Erinnerungskultur an die Zeit des Nationalsozialismus steht vor großen Herausforderungen. Immer weniger Menschen haben den Terror persönlich erlebt und können davon berichten. Gleichzeitig mehren sich Stimmen, die sich bei Rassismus, Spaltung und Ausgrenzung bedienen. „Die Unterhöhlung der Demokratie ist zu spüren wie seit 100 Jahren nicht mehr“, sagt Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Darum braucht es mehr Erinnerungskultur und Gedächtnisarbeit, außerdem: innovative Formate, die auch die Jugend ansprechen.

Gleich drei davon haben das Historische Museum Frankfurt, das Jüdische Museum und das Institut für Stadtgeschichte präsentiert. Mit der digitalen Gedächtnisplattform „Frankfurt und der Nationalsozialismus“ eröffnen sie eine zentrale Anlaufstelle für alle, die sich mit NS-Geschichte befassen. Das Vorhaben folge zwei Grundgedanken, erklärt Jan Gerchow, der Leiter des Historischen Museums: Nachhaltigkeit und Vernetzung. Der Nachhaltigkeit diene, dass die Kooperationspartner ihre einzelnen Datenbanken zusammenführen und gemeinsam weiter pflegen, statt einzeln vor sich hinzuarbeiten.

Da Projekt

Drei neue digitale Angebote zur Erinnerungskultur präsentieren Historisches Museum, Jüdisches Museum und Institut für Stadtgeschichte. Die „Frankfurt History App“ ist für Handy oder Tablet erhältlich in den App-Stores von Apple und Google. Außerdem:

www.frankfurt-und-der-ns.de

www.shoah-memorial-frankfurt.de

www.frankfurt1933-1945.de

Vorträge und Workshops dazu gibt es am Samstag, 12. November, 11 bis 16 Uhr, im Historischen Museum, Saalhof 1 (Anmeldung nicht erforderlich). Am Sonntag, 13. November, 11 bis 16 Uhr, im Historischen Museum, von 13 bis 16 Uhr am Museum Judengasse / Börneplatz und im Institut für Stadtgeschichte, Münzgasse 9. Anmeldung: www.stadtgeschichte-ffm.de

Und die Vernetzung beschränkt sich nicht auf die drei genannten Institutionen. Die neuen Digitalangebote wollen auch die „fundierte Expertise“, wie Ina Hartwig sagt, von Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern aus der Zivilgesellschaft nutzen. Die Spurensuche soll vor Ort erfolgen und eine partizipative Ausrichtung haben, zumal die 16- bis 25-Jährigen großes Interesse an der NS-Geschichte hätten. Umso mehr, wenn sie zeitgemäß aufbereitet ist. Das fördern die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft und das Bundesfinanzministerium mit 785 000 Euro. Das Shoah Memorial Frankfurt erinnert zum Beispiel sehr persönlich an die rund 12 000 Jüdinnen und Juden, die aus Frankfurt deportiert wurden oder geflohen sind. Die Datenbank bietet Fotos und Lebensgeschichten. „Die Opfer der Shoah haben keine Gräber“, sagt Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums. Das Memorial als virtuelle Grabstätte beklagt aber nicht einfach nur die Toten. Es zeigt Menschen, „die ein Leben gelebt haben“.

Die Internetplattform www.frankfurt-und-der-ns.de verschafft als eine Art Pinnwand Übersicht und Zugang zu den vielen Angeboten und Veranstaltungen verschiedener Akteur:innen. Mit der Frankfurt History App können sich Nutzerinnen und Nutzer auf Spurensuche zu Orten mit NS-Geschichte begeben. Es gibt kuratierte Rundgänge, aber auch die Möglichkeit, sich eigene Strecken zusammenzustellen.

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