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Von Krisen schwer gebeutelt

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Auch die Primus-Linie leidet unter Personalmangel.
Auch die Primus-Linie leidet unter Personalmangel. Georg Kumpfmüller © Georg Kumpfmüller

Die Primus-Linie spürt die Folgen des Klimawandels, der Pandemie und der steigenden Energiepreise.

Die fünf Schiffe der Primus-Linie sind als schwimmende Restaurants und Veranstaltungsorte mit Theater- und Showbetrieb seit 2020 von den Herausforderungen unserer Zeit ganz besonders betroffen. Betriebseinschränkungen, Umsatzeinbußen und ausbleibende Touristen durch die Pandemie machen dem Unternehmen ebenso zu schaffen wie Fahrplanänderungen wegen Niedrigwassers im Rhein, steigende Kosten als Folge des Ukrainekriegs und allein 100 0000 Euro Mehrausgaben für dieselbe Menge an Diesel in diesem Jahr.

Dazu kommt der Personalmangel im nautischen Bereich und in der Gastronomie. Dennoch blickt Marie Nauheimer, Geschäftsführerin der Primus-Linie, zuversichtlich in die Zukunft.

Nach zwei Pandemiejahren hat die Primus-Linie 2022 mit 300 000 Fahrgästen nahezu die Vor-Corona-Zahlen wieder erreicht, und das „obwohl wir von Januar bis Mitte März fast keinen Umsatz hatten“, so Marie Nauheimer. „Es gab zwar keinen Lockdown, aber die Leute waren noch sehr vorsichtig.“ Vor Corona war es so gut gelaufen wie noch nie. 2018 und 2019 waren die stärksten Jahre in der Geschichte des Familienunternehmens.

Für die Freizeitschifffahrt seien die Wetterbedingungen mit viel Sonne ideal gewesen. Dank des Schleusensystems gab es im Main auch keine Niedrigwasserprobleme für die Schifffahrt, im Gegensatz zum Rhein – wohin Fahrten zum Teil nicht möglich waren. Im Mai sei der Betrieb wieder von null auf hundert losgegangen. Dann seien auch die Touristen aus dem europäischen Ausland und dem mittleren Osten zurückgekehrt. 48 Prozent des Gesamtumsatzes machten 2022 die Rund- und Tagesfahrten aus, die Event- und Abendfahrten 25 Prozent und das Chartergeschäft 27 Prozent. Das Unternehmen musste Konzepte anpassen und umdenken. Wegen des Personalmangels in der Gastronomie wurde zum Teil auf Selbstbedienung und Thekenverkauf umgestellt, wofür die meisten Gäste Verständnis hätten. Dem Personalmangel im nautischen Bereich will die Primus-Linie selbst etwas entgegensetzen und bietet deshalb erstmals eine Ausbildung zum Binnenschiffer an.

Auf Verständnis hofft Marie Nauheimer auch, wenn sie in der kommenden Saison den Fahrkartenpreis für Touren um voraussichtlich drei Euro erhöhen müsse – was für den Ausgleich der gestiegenen Kosten vermutlich gar nicht reichen werde.

Es müssten andere Ideen her, um wirtschaftlich zu bleiben. Das Weihnachtissimo-Varieté mit vier bis fünf Künstlern wurde schon vor der Pandemie zum „Winterzauber“-Programm mit einem Künstler. Sie habe das Gefühl gehabt, dass es zu viel Programm für die Gäste gewesen sei, die zwischen Show und Büfett gar keine Zeit gehabt hätten, die Schifffahrt zu genießen, aus dem Fenster zu schauen oder mal aufs Außendeck zu gehen. Angenehmer Nebeneffekt dieser Veränderung ist, dass die Konzentration auf einen Künstler Kosten spart.

Ein großes Projekt hat die Primus-Linie erst einmal auf Eis gelegt – aber nicht aus Kostengründen, sondern weil es grundsätzlich zu hinterfragen sei. Vor der Pandemie war der Bau eines neuen Schiffs für Frankfurt geplant. „Ein großes Eventschiff – aber ist das die Zukunft?“, fragt sich Marie Nauheimer. Sie ist skeptisch, ob das Chartergeschäft im gewohnten Umfang anhalten wird. Dass es in diesem Jahr gut gelaufen sei, sei auch darauf zurückzuführen, dass viele Veranstaltungen nachgeholt worden seien, die während der Pandemie hätten ausfallen müssen.

Im Moment würden außerdem eher kleine Schiffe für 30, 40 Personen nachgefragt, „weil man gerne unter sich bleibt“. Außerdem weist die Geschäftsführerin darauf hin, dass man überlegen müsse, auf welche Technologie man setzen wolle. Elektromotoren oder Wasserstoff? Die alten Schiffe könnten nicht auf neue Technologien umgerüstet werden, neue müsse man von vorneherein anders konzipieren. „Dafür muss dann aber auch die Infrastruktur geschaffen werden. Und da wäre auch die Stadt gefragt: Wollen wir das? Und können und wollen wir das unterstützen?“

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