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Vom großen Glück im hohen Alter

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Ulla Zimmerling und Werner Schmidt haben viele gemeinsame Interessen.
Ulla Zimmerling und Werner Schmidt haben viele gemeinsame Interessen. © Michelle Spillner

Ulla Zimmerling und Werner Schmidt haben sich im Internet kennengelernt.

Man könnte meinen, Ulla Zimmerling und Werner Schmidt hätten das ganze Leben miteinander verbracht. Zwischen ihnen herrscht innige Vertrautheit. Und ein paar Marotten haben sie auch schon. Gefragt nach seinem Alter antwortet sie: „81 Jahre.“ Er interveniert: „Das hätte ich auch selbst sagen können.“ Und sie flachst: „Ja, aber das ist ja in deinem Alter nicht mehr selbstverständlich, dass man sich daran erinnert.“ Es ist auch nicht selbstverständlich, dass man in diesem Alter noch eine neue Liebe findet. Ulla Zimmerling feierte im September ihren 80. Geburtstag. Sie und Werner Schmidt sind seit knapp zwei Jahren ein Paar. Und sie haben sich im Internet kennengelernt.

Was vor einigen Jahren noch argwöhnisch beäugt wurde, ist heutzutage eine gängige Methode, um eine neue Liebe zu finden: Online-Dating – auch bei Senior:innen. Zimmerling und Schmidt waren gar nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Beide sind Mitglied bei feierabend.de, einer Plattform für Menschen ab 60, die sich online verabreden, um etwas zu unternehmen. Dass man en passant eine neue Liebe finden könne, sei ein netter Nebeneffekt.

Ja, sie habe Schmetterlinge im Bauch, gesteht sie. Er ist da zurückhaltender. Aber sie wisse um seine Liebe: „Er schaut mich anders an als andere.“ Sie necken sich gerne. Schnell hätten sie festgestellt, dass sie den gleichen Humor hätten. „Man schaut sich die Profile anderer an, die Bilder und was sie zu sich geschrieben haben“, schildert Ulla Zimmerling. Er habe ihr gefallen, sie habe ihn kontaktiert. „Und dann haben wir viel geschrieben“, erzählt sie.

Mit persönlichen Informationen seien beide anfangs zurückhaltend gewesen. „Man möchte ja erst einmal herausfinden, welches Geistes Kind der andere ist.“ Beide stellten schnell fest, dass sie großen Wert auf gutes Deutsch legen, wenn jemand liederliche Nachrichten voller Fehler tippe oder „dass und das verwechselt, daran merkt man schon, wie viel Grips er hat“, so Zimmerling. Irgendwann haben sie Nummern ausgetauscht und sich zum ersten Mal getroffen. „Und dann war klar, dass es einfach passt.“

Neben den gemeinsamen Interessen – Reisen, Spaziergänge, Kultur, Kochen, Backen und Essen – gibt es individuelle Eigenheiten, die sich ergänzen. Sie, die quirlige Rothaarige mit großer Leidenschaft für Italien. Er, der ruhige Denker mit einem Faible für Schweden. Beide waren schon länger alleinstehend, als sie sich fanden.

Ulla Zimmerlings Scheidung liegt 18 Jahre zurück. Werner Schmidt hatte eigentlich nur eine Frau in seinem Leben. 60 Jahre kannten sie sich, 57 Jahre waren sie verheiratet. „Es war klar, dass irgendwann der Zeitpunkt kommen würde, dass einer allein sein wird“, habe er seiner Frau vor ihrem Tod gesagt. „Wen willste denn in dem hohen Alter noch kennenlernen“, habe sie gesagt.

Nicht einsam bleiben

Dann droht die Einsamkeit. Der Freundeskreis schrumpft. Es sei wichtig, dass man sich im Alter nicht einigele. „Dann fehlt der Austausch und man sitzt nur noch vor der Glotze, sagt Schmidt. Gegen das Verkümmern könne man nur selbst etwas tun, indem man die Initiative ergreife.

Im Alter jemanden zu finden, sei nicht nur deshalb schwieriger, weil die Gelegenheiten der Begegnung weniger würden. Man entwickele auch Eigenheiten, die das Zusammenraufen erschwerten. Das fängt schon morgens im Bad an, da ist Zimmerling gerne für sich. Deshalb komme Zusammenziehen für beide auch nicht infrage. Und heiraten auch nicht, das würde alles verkomplizieren.

„Wir sind uns bewusst, dass es in diesem Alter ein großes Glück ist, dass man so zueinanderfindet und dass es passt.“ Beide können nur allen raten, nicht für sich zu bleiben, Freunde zu finden oder gar Partner oder Partnerin. Onlinekontakte zu spinnen, sei nicht schwierig.

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