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Mit einer Feier ist am Bahnhof Mainkur an die Deportation und ERmordung von jüdischen Bergen-Enkheimern vor 79 Jahren erinnert worden. Foto: Rolf Oeser
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Mit einer Feier ist am Bahnhof Mainkur an die Deportation und ERmordung von jüdischen Bergen-Enkheimern vor 79 Jahren erinnert worden.

Gedenken an NS-Verbrechen

Vom Bahnhof Mainkur in den Tod

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Eine neue Gedenktafel erinnert an die 1942 von hier aus deportierten Jüdinnen und Juden - es ist nach zwei Diebstählen bereits die dritte.

Die warmen Klänge einer einzelnen Klarinette erfüllen am Sonntagnachmittag für einige Momente die düstere Unterführung des Bahnhofs Mainkur. Rund 50 Menschen schreiten in Begleitung eines Klarinettenspielers die Treppen hinauf zum Gleis 2. Von dem Bahnhof im östlichsten Zipfel Frankfurts waren auf den Tag genau vor 79 Jahren Bergen-Enkheimer Jüdinnen und Juden in Konzentrationslager deportiert worden. Zum Schutz der Gedenkveranstaltung haben sich eine Polizistin und ein Polizist am Bahnhofseingang postiert.

Mit einem Gebet, das der Rabbiner Andrew Steiman spricht, sowie dem Verlesen der Namen erinnern die Gedenkenden an die insgesamt 28 Kinder, Frauen und Männer die am 30. Mai sowie am 5. September 1942 vor dem Berger Rathaus zusammengetrieben worden waren und zum Bahnhof Mainkur marschieren mussten. „Sie alle hatten keine Bestattung und kein Gebet“, sagt Steiman und fügt hinzu: „Das Gebet holen wir hier nach.“

An die Deportation erinnert seit Sonntag – und das nicht zum ersten Mal – auch eine Gedenktafel auf einem steinernen Sockel, die links vom Bahnhofseingang aufgestellt wurde. Für das Denkmal hat sich Magdalena Grana stark gemacht. Die 89-jährige Bergen-Enkheimerin ist Zeitzeugin. Unter den Deportierten seien auch „gute Bekannte von meiner Mutti“ gewesen, berichtet sie. „Ich kann es heute noch nicht fassen“, sagt Grana. Als sie während ihrer Lehrzeit vom Mainkur-Bahnhof zur Arbeit nach Hanau fahren musste, so berichtet sie, „wollte ich nie hier durchgehen“.

In der Vergangenheit waren bereits zwei Gedenktafeln für die Opfer von Unbekannten entwendet worden. Sechs Jahre lang setzte sich Grana dafür ein, erneut einen Ort der Erinnerung zu schaffen. „Leider hat es bis heute gedauert“, sagt der Ortsvorsteher des Ortsbeirates 11, Werner Skrypalle (SPD). „Heute ist kaum noch jemandem diese historische Bedeutung des Bahnhofs bewusst“, fügt er hinzu.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) spricht vom „Schauplatz eines entsetzlichen Verbrechens“. Sie würdigt in ihrer Rede den ehemaligen Ortsvorsteher, Helmut Ulshöfer und die Bergen-Enkheimer Stolperstein-Initiative, die sich für eine Gedenkstätte eingesetzt hätten. Hartwig erinnert daran, dass viele Deutsche an den grauenhaften historischen Ereignissen beteiligt gewesen seien. Neben dem demütigenden Fußmarsch zum Mainkur-Bahnhof habe es auch von der Großmarkthalle Massendeportationen gegeben, denen ein demütigendes öffentliches Zusammentreiben vorausgegangen sei. „Viele Frankfurterinnen und Frankfurter und die Stadtverwaltung haben die so genannte Arisierung zu ihrem eigenen Vorteil genutzt“, sagt Hartwig. Heute werde „Judenhass wieder öffentlich auf der Straße zelebriert“.

Das sieht auch Marc Grünbaum kritisch. Der Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde sagt: „Antisemitismus ist nach 1945 leider nicht verschwunden.“ Die Gedenkkultur sei „ein Baustein, aber eben nur ein Baustein im Kampf für die jüdische Gemeinschaft“. Er ergänzt: „Wir werden Antisemitismus nie gänzlich auslöschen können, müssen ihn aber mit diesen Mitteln bekämpfen.“

Auf dem Bahnsteig steht Magdalena Grana mit ernstem, gesenktem Blick. In ihrer Rede hatte sie wenige Augenblicke zuvor noch gesagt: „Wenn ich heute überlege, dass von Rechts wieder so viel auf uns zukommt, wird mir angst und bange.“

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