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Die Gänse im Ostpark sind Hauptdarsteller in einer Verhaltensstudie der Vogelschutzwarte.
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Die Gänse im Ostpark sind Hauptdarsteller in einer Verhaltensstudie der Vogelschutzwarte.

Naturschutz

Vogelschützer verlassen Frankfurt mit wehem Herz

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Vogelschutzwarte zieht um nach Gießen und wird Teil eines hessischen Artenschutzzentrums. Aber dazu fehlt noch etwas Wichtiges.

Die Vogelschutzwarte verlässt Frankfurt. Nach 84 Jahren in der Stadt, davon 73 in Fechenheim, ist am 1. März Schluss. Die Einrichtung zieht zunächst um nach Gießen und soll später Teil des geplanten hessischen „Zentrums für Artenvielfalt“werden.

Das Zentrum bündelt nach den Plänen des hessischen Umweltministeriums künftig alle relevanten Organisationen an einem Ort: die Abteilung Naturschutz des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG); das Wolfszentrum Hessen; den Forschungsverbund Biodiversitätsforschung (Lore-Steubing-Institut); die Naturschutzakademie Hessen samt Naturschutzzentrum; die Wildbiologische Forschungsstelle; eine Abteilung des Naturschutzregisters „Natureg“ sowie die Staatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland – so die volle Bezeichnung.

Am 1. Januar 2022 soll das Zentrum mit rund 80 Personen seine Arbeit aufnehmen und wird, einem Grundsatzbeschluss der Landesregierung folgend, „im ländlichen Raum“ angesiedelt, um die Region außerhalb der Ballungsräume zu stärken. Eine Unterkunft sei noch nicht gefunden, sagt Ina Spriestersbach, Sprecherin des hessischen Umweltministeriums, doch sei man zuversichtlich, dass es klappt. „Das Projekt startet auf jeden Fall am 1. Januar, selbst wenn wir bis dahin immer noch keine Immobilie haben“, sagt sie.

VOGELSCHUTZWARTE

1937 als „Südwestdeutsche Vogelschutzwarte“ im damaligen Rödelheimer Schloss gegründet, zog die Einrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg um in die Steinauer Straße nach Fechenheim. Leiter war kurzzeitig auch einmal der legendäre Frankfurter Zoodirektor Bernhard Grzimek (1945).

In den 1950er Jahren schlossen sich zunächst das Bundesland Rheinland-Pfalz und dann auch das Saarland mit Hessen als gemeinsame Träger des Vereins zusammen. 1973 ging der Verein über in die „Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland – Institut für angewandte Vogelkunde“.

Seither berät sie die drei Länder und die Stadt Frankfurt in ornithologischen Fachfragen, betreut Untersuchungen zur Ökologie und Biologie der Vögel, beobachtet den Wildvogelbestand, entwickelt Schutzprogramme, bildet Kinder und Erwachsene weiter und hilft in Notfällen, eine geeignete Pflegestation für verletzte oder hilflose Vögel zu finden. Besondere Schwerpunkte waren in den vergangenen Jahren etwa Studien zu den Auswirkungen von Windrädern und zum Umgang mit Nil- und Kanadagänsen in der Stadt.

Dass die Vogelschutzwarte bereits jetzt umzieht, und zwar nach Gießen in das Europaviertel auf dem Gelände der ehemaligen Steuben-Kaserne, begründet die Sprecherin so: „Dann kann sie schon einmal die Zusammenarbeit mit dem HLNUG beginnen.“ Das Dezernat Artenschutz des Landesamts sei in der Nähe untergebracht.

Berthold Langenhorst vom Vorstand des Naturschutzzentrums, auch Sprecher des Nabu Hessen, bedauert, dass die Vogelschutzwarte nun Frankfurt verlässt – wohl eher verlassen muss. „Für die Mitarbeiter ist das ganz schwierig“, sagt er, „die wollen das nicht.“ Sie hätten künftig kein eigenes Gebäude mehr für ihre Arbeit und verlören nicht nur die naturnahe Lage am Fechenheimer Wald, sondern auch ihre Unabhängigkeit. Jetzt noch direkt dem Umweltministerium von Priska Hinz (Grüne) unterstellt, seien sie künftig eine Unterabteilung des HLNUG. Langenhorst: „Da ist Wehmut dabei, ein wehes Herz. Auch der Nabu hat sich damit schwergetan, wir haben viel diskutiert.“ Insgesamt aber hält er das neue Zentrum für eine gute Idee: „Die Nähe zueinander, die Synergieeffekte werden bei der Arbeit für den Artenschutz helfen.“

Die Leiterin der Vogelschutzwarte, Dagmar Stiefel, will sich auf FR-Anfrage nicht zu den Plänen äußern. Die Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bekennt: „Ich bin auch nicht begeistert davon, dass Frankfurt die Vogelschutzwarte verliert. Aber ich kann die Gründe nachvollziehen.“ Wie es nun weitergeht, etwa mit dem Nilgans-Management, bei dem die Warte stark eingebunden ist, oder mit den beliebten Fledermausnächten in Fechenheim samt Ausflügen in den nahen Wald, mit den ornithologischen Expertisen, den vogelkundlichen Angeboten für Schulklassen in Frankfurt? „Da müssen wir uns Gedanken machen“, sagt Heilig, „einen Weg finden, das anders zu verteilen in der Stadt.“ Die Fledermaus-Aktionen könnte das Stadtwaldhaus übernehmen, andere Inhalte wären beim Verein Umweltlernen und beim Programm „Entdecken, forschen und lernen“ aufgehoben.

Dem Vernehmen nach wird die Vogelschutzwarte, 2010 für 1,3 Millionen Euro renoviert und umgebaut, die Hälfte der zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlieren, die den Umzug nicht mitmachen. Vermieter der Liegenschaft in Fechenheim ist Hessenforst. Unklar ist auch, was aus den zahlreichen Vogelpräparaten in der Warte werden soll; fraglich, ob für sie Platz sein wird in der Zwischenunterkunft in Gießen, dritte Etage.

Präparate in der Fechenheimer Vogelschutzwarte.

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