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Vogelgrippe schlimm wie nie

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Von: Thomas Schmid

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Hält ihr wildbraunes Sussex-Großhuhn liebevoll im Arm: Daniela Vöglin vom Frankfurter Geflügelzuchtverein in Oberrad. Die Vogelgrippe bedroht alle Hühner, aber auch die Vögel im Zoo. Deshalb gilt für alle: Hausarrest. Nur wer ein Dach über dem Freigehege hat, kann die Tiere scharren lassen.
Hält ihr wildbraunes Sussex-Großhuhn liebevoll im Arm: Daniela Vöglin vom Frankfurter Geflügelzuchtverein in Oberrad. © Sauda

Frankfurter Veterinäramt warnt Geflügelzüchter. Vereine machen ihre Anlagen wegen Ansteckungsgefahr dicht.

Die Vogelgrippe ist im Anmarsch. Drei Wildvögel – drei Graureiher – waren schon im Zoo mit dem Virus infiziert. „Die machen bei uns ja Zwischenstation“, sagt Sprecherin Christine Kurrle. Zoovögel sind nicht infiziert. Sie dürfen nur nicht in die Freigehege.

Zwei der drei erkrankten und zwischenzeitlich verendeten Graureiher wurden am Teich entdeckt, der dritte im Freigehege der Kraniche. Diese waren jedoch bereits „aufgestallt“, das heißt, sie durften sich nicht im Freien aufhalten. Bislang ist die Vogelgrippe im Bestand der Zoo-Kraniche nicht ausgebrochen. Sie sind in Quarantäne und werden weiter beobachtet.

„Es war noch nie so schlimm wie in diesem Jahr“, sagt Detlev Thiele, Leiter des Veterinäramts Frankfurt. Das Amt hat schon vor drei Wochen eine Allgemeinverfügung erlassen. Demnach müssen alle Geflügelzüchter:innen am Main ihre Tiere vor einem möglichen Kontakt mit dem Kot von Wildvögeln schützen – und das heißt, die Tiere müssen im Stall bleiben.

„Das kann ein großes Problem sein“, sagt Daniela Vöglin, Schriftführerin des Frankfurter Geflügelzuchtvereins in Oberrad. „Es ist für die Tiere nicht schön, wenn sie nicht ins Gehege können.“ Auch auf Besucher:innen habe es Auswirkungen. Normalerweise seien die Gehege des Vereins am Wochenende ein Ziel für Ausflügler:innen. „Kinder wollen sich die Hühner ansehen“, sagt die Schriftführerin. Das sei derzeit nicht möglich, denn in den Stall darf niemand so einfach hinein, wenn draußen der Verdacht auf Vogelgrippe besteht. Schließlich könnten die Viren auch über die Schuhe eingetragen werden. „Jetzt schlüpfen die Küken, und wir müssen uns mit der Vogelgrippe beschäftigen“, sagt sie traurig. Aber es gibt eine Abhilfe. „Zum Glück haben viele von uns ein Dach über dem Gehege, so dass es möglich ist, die Vögel herauszulassen. Wer kein Dach hat, kann das nicht.“

Das bestätigt Thiele: „Wir können vorsorglich nur Haustiere schützen durch die Aufstallung“ – so heißt der Hühner-Hausarrest in der Fachsprache. Es sei eine Vorsichtsmaßnahme. Bislang – das heißt im gesamten Jahr 2021 bis Anfang 2022 – sind 20 tote Wildvögel auf die Vogelgrippe untersucht worden. Darunter ein Schwan, ein Greifvogel, eine kanadische Wildgans. Infiziert war von ihnen keiner – bis binnen weniger Tage die drei Graureiher im Zoo aufgefallen sind. Jetzt, in Zeiten des Vogelzuges, könnten durchaus infizierte Vögel über Frankfurt fliegen, ihren Kot ablassen, und wenn sie ein Hühnergehege treffen, steht der gesamte Bestand in Gefahr. Deswegen sind die Dächer über der Freifläche so wichtig. Betroffen von der Anordnung sind Geflügelzuchtvereine rechts und links des Mains, im Abstand von etwa 500 Metern.

Martin Stark, der den Burghof betreibt, einen Geflügelhof in Niederursel, sieht sich von der Vogelgrippe nicht gefährdet. „Wir haben keine Freilandhaltung. Die Tiere sind im Stall, wir haben Desinfektionsmatten und müssen jetzt noch ein bisschen strenger sein“, sagt er. Wenn in einem Umkreis um seinen Hof herum ein toter Vogel mit Vogelgrippe gefunden wird, droht ihm unter Umständen die Tötung seines ganzen Bestandes.

Thiele betont, dass die Vogelgrippe, wie viele Grippen, unter Umständen auch auf den Menschen übertragbar sein könnte. Wie gefährlich es dann werden kann, hängt vom Virentyp ab. Auch das Land Hessen kontrolliert die Situation deshalb sehr streng. Im vergangenen Jahr wurden 1948 Vögel in Hessen untersucht und dabei 22 Grippefälle bestätigt, sagte Ira Spriestersbach, Sprecherin des Umweltministeriums. Die Graureiher aus dem Zoo sind in den 22 Fällen enthalten. Die Aufstallungsanordnung war in Frankfurt schon vor dem Fund der Graureiher im Zoo erlassen worden.

Das Besondere an dieser Vogelgrippe ist, dass erstmals 2021 auch im Sommer vereinzelt Grippefälle identifiziert wurden. Normalerweise haben Wildvögel im Sommer nicht so einen engen Kontakt miteinander wie während des Vogelzuges. Hinzu kommt, dass die UV-Strahlung der Sonne die Viren abtötet. In den vergangenen Monaten sind die Fälle von Vogelgrippe europaweit angestiegen.

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