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Alle 14 Tage werden unter der Bahnbrücke an der Königsteiner Straße echte Eier gegen Imitate aus Gips ausgetauscht. Auf dem Gerüst steht Axel Kröner vom Stadttaubenprojekt.

Stadttaubenprojekt

Gipseier sollen Tauben-Population begrenzen

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Das Stadttaubenprojekt verteilt Ei-Imitate, um Tauben zu retten und Menschen zu schützen. Geplant ist auch ein Taubenhaus, für das ein Standort gesucht wird.

Der Kot und die Federn auf den Wegen zeugen noch von ihrer Anwesenheit. Nachdem am Samstag Ehrenamtliche des Stadttaubenprojektes den Taubennestern unter der Eisenbahnbrücke an der Königsteiner Straße erstmals zu Leibe gerückt sind, haben sich die Vögel vorerst aus dem Staub gemacht.

Auf einem Baugerüst, das die Stadt zur Verfügung gestellt hat, ist Axel Kröner vom Taubenprojekt geklettert. Unter den stählernen Trägern tauscht er auf beiden Seiten des Geh- und Radweges echte Eier gegen Gipsattrappen aus. Die Imitate ähneln den Originalen in Form und Farbe.

„Wenn die Jungtiere ihre ersten Geh- und Flugversuche unter der Brücke machen, stürzen viele ab“, sagt Gudrun Stürmer vom Stadttaubenprojekt, das sich seit 30 Jahren für die Tiere in Frankfurt engagiert. Auf 60 bis 70 schätzt sie die Zahl der Tauben, die unter Brücke wohnten. Neben dem Schutz des Vogel-Nachwuchses soll durch die Gipseier die Population ausgedünnt, und damit auch der Dreck, den sie produzieren, vermindert werden. „Sonst hat man immer Angst, dass man was abkriegt, wenn man unter der Brücke durchläuft“, sagt Uwe Eisenmann von der Wählerinitiative Frankfurt West im Ortsbeirat 6.

Jürgen Reineke benutzt den Weg unter der Brücke oft, auch mit Nachwuchs im Kinderwagen, und bezeichnet die Situation unter der Brücke als „Sauerei“ und begrüßt die Aktion. Nachdem sich die Beschwerden von Bürgern zuletzt wieder gehäuft hätten, passiere, nun, nach Monaten der Verhandlungen endlich etwas, sagt Eisenmann. Obwohl die Stadtreinigung regelmäßig putze, sei der Verschmutzung kaum Herr zu werden. Andere Maßnahmen müssten her.

Besser nicht mehr füttern

Die Tiere nicht mehr zu füttern, wie dies von Passanten in vermeintlich guter Absicht geschehe, würde helfen, so Eisenmann. Er regt an, unter die Brückenträger Bleche zu schweißen, um den Tauben den Weg zu versperren. Dem müsse aber das Denkmalamt zustimmen. Außerdem soll ein Taubenhaus gebaut werden. Etwa auf dem Flachdach einer Spielothek unweit der Brücke, sagt Stürmer. Dort hätten die Vögel zuvor im angrenzenden, leerstehenden Haus genistet. Dessen Fenster wurden zwischenzeitlich vernagelt, weshalb die Vögel unter die Brücke auswichen.

Jedoch sei das Gebäude in Privatbesitz und es müsse geklärt werden, ob der Besitzer einverstanden sei. Auch ein Parkhaus in der Nähe ist im Gespräch. Von der Optik her ähnele ein Taubenhaus einem Geräteschuppen und könne aus Holz oder Stahl gebaut werden. Eine solche Behausung, wie sie das Stadttaubenprojekt bereits an der Hauptwache und am Westbahnhof errichtet hat, würde verhindern, dass viel Kot auf der Straße landet. „Sie konzentrieren sich auf das Haus und der größte Teil bleibt drinnen“, sagt Stürmer. Ob mit Haus oder ohne, die Aktion mit den Gipseiern soll vorerst unbegrenzt alle zwei Wochen fortgesetzt werden.

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