Krankenhaus Sachsenhausen

Hoffnung für Adipositas-Kranke

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Plamen Staikov ist neuer Chefarzt am Klinikum Sachsenhausen. Er führt bei Patienten eine Magenverkleinerung durch und will diesen Schwerpunkt des Krankenhauses noch weiter ausbauen.

Es ist nur ein kleiner Schnitt, vielleicht einen Zentimeter lang, im Bauchbereich, der Patienten mit starkem Übergewicht helfen kann. Der neue Chefarzt und Leiter des Adipositaszentrums am Krankenhaus Sachsenhausen, Plamen Staikov (45), beherrscht den minimalinvasiven Eingriff aus dem Effeff.

Die Verkleinerung des Magens wirke besser als Medikamente oder eine Ernährungstherapie, sagte Staikov am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Denn die Realität sei nun einmal, dass es nur fünf Prozent der Adipositas-Patienten gelänge, ihr Gewicht selbstständig zu reduzieren.
Kassen zahlen Operation

Ihm gehe es darum, dass in der Öffentlichkeit, aber auch in der Ärzteschaft Übergewicht nicht als Makel, sondern „als Krankheit“ wahrgenommen werde, so Staikov. Jeder Übergewichtige habe das Recht auf Gesundheit. Oft sei „die Chirurgie der einzige Weg, gesund zu werden“. Man könne von einer übergewichtigen Mutter mit zwei Kindern nicht verlangen, dass sie abends noch ins Fitnes-Studio geht. „Unser Körper ist darauf angelegt, Energie zu speichern.“ Bedingt durch „das Überangebot an Kalorien, die Lebensweise und eine genetische Veranlagung“ nehme die Zahl der Menschen, die unter einem hohen Übergewicht leiden, zu. Mithilfe der Stoffwechsel-Chirurgie gelinge es, das Gewicht dauerhaft zu reduzieren. Ein 1,80 Meter großer Mann, der vor der Operation 150 Kilo gewogen habe, werde erfahrungsgemäß nach eineinhalb Jahren etwa 90 Kilo wiegen.

Je früher, desto besser

Dieser Effekt tritt ein, weil die Patienten mit einem kleineren Magen schneller satt würden. „Man schränkt die Nahrungsmenge ein“ und esse im Restaurant nur eine halbe Pizza. Allerdings müssten die Patienten lebenslang ärztlich begleitet werden. Häufig müssten zusätzlich zur Ernährung Vitamine und Mineralien verabreicht werden. Manchmal sei es auch notwendig, Hautlappen zu entfernen. Die Patienten seien in der Regel nach der Magenverkleinerung sehr zufrieden.

Etwa 500 bis 550 mal wird ein solcher Eingriff im Adipositaszentrum vorgenommen. Die Kosten von 7000 bis 10 000 übernehmen die Krankenkassen, wenn es vorher mehrere nachweisbare Anläufe gab, das Gewicht auf andere Art und Weise zu verringern. Ein Indiz für eine sich anbahnende Fettleibigkeit sei zum Beispiel, wenn man jedes Jahr fünf Kilo mehr auf die Waage bringt. Dann sollte man zum Arzt gehen.

Staikov bedauerte, dass viele Patienten erst dann ins Zentrum kommen, wenn sie schon schwer krank sind. Manchmal habe die als Folgekrankheit erworbene Diabetes bereits die Sehfähigkeit beeinträchtigt oder es seien künstliche Gelenke eingesetzt worden. Je früher sich ein Patient melde, desto größer sei die Chance, eine Operation zu vermeiden.

Der 45-Jährige ist Nachfolger von Professor Rudolf Weiner, der den Schwerpunkt Adipositas-Chirurgie am Krankenhaus Sachsenhausen aufgebaut hat. Bevor er zum 1. Dezember nach Frankfurt kam, leitete Staikov in der Klinik Hirslanden in Zürich das Zentrum für Bauchmedizin.

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