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Online über Kunst diskutieren, Corona macht’s möglich.
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Online über Kunst diskutieren, Corona macht’s möglich.

Kultur

Virtuelle Kunstführungen sind gefragt

Städel und Liebieghaus bieten interaktive Onlineveranstaltungen zu ihren Ausstellungen an.

Während der Corona-Pandemie haben Kunst und Kultur kaum Plattformen, Ausstellungen und Museen sind geschlossen. Das Frankfurter Städel bietet deshalb nun ungewöhnliche neue Onlineführungen an, die es ermöglichen, Ausstellungen von zu Hause aus zu besichtigen und sich im heimischen Wohnzimmer mit anderen Besucher:innen per Computer über Kunst auszutauschen.

Über einen Link gelangen die Teilnehmer:innen, die sich zuvor angemeldet und wie im Museum Eintritt bezahlt haben, in einen virtuellen Konferenzraum. Dort startet die Onlineführung „Die Macht der Bilder“. Die Kunstvermittlerin Gaida, die die Führung moderiert, leitet einige Aktivitäten an, die etwa in Videos zu Ausstellungen nicht möglich sind. So wie folgende: Alle Teilnehmer:innen zeichnen sich eine Linie quer über die Hand und halten sie in die Kamera. So entsteht eine gemeinsame Linie, die sie verbindet. Und das, obwohl sich alle in unterschiedlichen Wohnungen oder gar Städten zugeschaltet haben.

„Unsere Onlineführungen werden sehr gut angenommen“, sagt Pressesprecherin Pamela Rohde. Die ersten Termine Mitte Dezember seien sehr schnell ausgebucht gewesen, weshalb das Museum das Angebot von Februar an erweitere.

Auch die benachbarte Skulpturensammlung Liebieghaus bietet Onlineführungen an. Dazu gehören die beiden Formate Onlinesessions und Onlinetouren. Begegnung mit Kunst und Kunstfreund:innen trotz des Lockdowns ist das Ziel dieses neuen digitalen Angebots. „Den Museumsbesuch können die Onlineführungen nicht ersetzen“, sagt Anne Sulzbach, die stellvertretende Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung des Städels. Sie seien „kein Rundgang“, sondern ermöglichten es, die Originale später in einem anderen Licht zu betrachten. „Die Liveangebote sind zum Mitmachen ausgelegt und stellen eine neue Form der direkten Kunstvermittlung dar“, erläutert Sulzbach.

Interaktion beim gemeinsamen Anschauen und Entdecken von Kunst stünden im Mittelpunkt. So entstehe zum einen ein Gemeinschaftsgefühl. Zum anderen gehe es auch darum, zu „zeigen, wie jahrhunderte- oder jahrtausendealte Kunst die Gegenwart beeinflusst“ und immer noch relevant sei. So könnten die Teilnehmer:innen Bezüge finden und erfahren, dass Kunst etwas mit ihnen selbst zu tun habe.

online durchs Museum

Immer dienstags und mittwochs um 12 Uhr bietet das Frankfurter Städel Onlinetouren an. Donnerstags findet um 19 Uhr eine interaktive Onlinesession statt, die Ausstellungen mit aktuellen Themen verknüpft. Außerdem werden die Onlineführungen auch an Zusatzterminen angeboten. Maximal 25 Teilnehmer:innen können an einer Veranstaltung teilnehmen.

Die Teilnahme kostet fünf Euro. Die Anmeldung ist auf der Homepage des Städels möglich: www.staedelmuseum.de Das Frankfurter Liebieghaus bietet freitags um 19 Uhr eine interaktive Onlinesession an. Sonntags um 16 Uhr gibt es eine Tour zur Sonderausstellung. Maximal 25 Besucher:innen können an einer Veranstaltung teilnehmen. Anmeldung unter www.liebieghaus.de, die Teilnahme kostet fünf Euro.

Angebot für Erwachsene

Die Zielgruppe seien Erwachsene, erklärt Sulzbach. Das Publikum insgesamt ist aber doch unterschiedlich, es nehmen auch Familien teil. So auch bei dieser Veranstaltung: Vom Kind bis zur Seniorin reicht das Spektrum.

Ein Teil der Teilnehmer:innen hat die Kameras eingeschaltet, andere bleiben lieber anonym. Zwischen den Personen bestehe online eine größere Distanz, die es zu überwinden gelte, erläutert Sulzbach. Außerdem scheint für die Teilnehmenden die Hemmschwelle größer, sich zu Wort zu melden. Deshalb sollen die interaktiven Elemente das Publikum animieren, sich zu beteiligen. Aber auch sonst ist die Dynamik der Führung anders als gewohnt. Zwischendurch ein paar Worte mit den Mitbewohner:innen wechseln, ohne dass es jemand mitbekommt? Das wäre im Museum wohl unhöflich.

Verschnaufpausen sind beim Museumsbesuch ganz normal, etwa wenn Besucher:innen sich zwischen den Kunstwerken bewegen. „Online hingegen ist man komplett anders aktiv“, meint Gaida. Damit die Onlinesitzung nicht zu anstrengend wird, stellt die Kunstvermittlerin beispielsweise ganz klassisch Fragen. „Was finden Sie an dieser Frau schön?“, fragt Gaida etwa beim weiblichen Idealbildnis von Sandro Botticelli. Dieses Porträt habe eine blasse Haut, eine hohe Stirn und einen sehr langen Hals, sind Antworten aus dem Publikum. Das sind Schönheitsideale aus dem Italien des 15. Jahrhunderts. Auch zu anderen Zeitpunkten können die Zuschauerinnen und Zuschauer aktiv werden. In einer Umfrage sollen sie zum Beispiel einschätzen, wie sie die politische Inszenierung von drei Bildern einschätzten und dann die Ergebnisse vergleichen.

In der Videokonferenz vergrößert Gaida die Kunstwerke, damit auch Details sichtbar werden. Nicht nur die Alten Meister der Städel-Sammlung, sondern auch moderne Fotografien und Abbildungen sind Teil der Veranstaltung. So diskutieren die Teilnehmer:innen über eine Fotografie von Santiago Sierra. Der Künstler hat sechs Kubanern gegen Bezahlung eine Linie auf den Rücken tätowiert, um sie dann zu fotografieren. „Ist das nicht unmoralisch?“, fragt eine Zuschauerin.

Die Arbeitsweise innerhalb des Museums hat sich seit der Pandemie verändert. „Kunstvermittler:innen sind es gewohnt, vor dem Original zu arbeiten“, sagt Sulzbach. Sie könnten in Videokonferenzen nicht so einfach ein Gefühl für die Gruppe entwickeln. Dafür ist mehr Raum für andere Methoden. Kunstwerke können mit aktuellen Video- oder Audioaufnahmen kombiniert werden. „Das Internet bietet daher die Chance, die Werke in die Gegenwart zu holen“, sagt Sulzbach.

von Laura Lansche

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