+
Im Frankfurter Umland ist Viabus auf vielen Linien unterwegs wie hier in Nidderau im Main-Kinzig-Kreis. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, Ausschreibungen im Busverkehr mit Dumpingangeboten für sich entschieden zu haben.

Mutterkonzern MET zahlungsunfähig

Busunternehmen Viabus pleite? Diese Linien in der Region sind betroffen

Über der Busfirma BRH Viabus scheint der Pleitegeier zu kreisen. Die Firma ist auf diversen Linien im Frankfurter Umland, darunter im Bad Vilbeler Stadtverkehr und in den Kreisen Offenbach und Groß-Gerau unterwegs. Jetzt bangen Nahverkehrsverantwortliche und Fahrgäste, ob die Busse denn weiterhin fahren.

Frankfurt/Bad Vilbel/Mörfelden-Walldorf - Ein ungutes Gefühl dürfte dieser Tage bei tausenden Fahrgästen im Rhein-Main-Gebiet mitreisen. Denn ob ihr Linienbus wirklich kommt, ist auf einigen Linien fraglich – nämlich dann, wenn gewöhnlich dort ein Fahrzeug der Firma Viabus mit Sitz in Speyer rollt.

Die Muttergesellschaft von Viabus, die englische Firma Metropolitan European Transport (MET), hat Insolvenz angemeldet. Ebenso hat die deutsche Tochter MET Deutschland ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Viabus ist eine weitere Tochter der englischen MET.

Dumping-Vorwürfe gegen Metropolitan European Transport (MET)

Inwiefern die Zahlungsunfähigkeit der Mutter auch Auswirkungen auf den Betrieb bei Viabus hat, ist bisher unklar. Am Dienstag scheint der Verkehr auf den Viabus-Linien in Rhein-Main weiterzulaufen:

  • Frankfurt: vom Flughafen die Linie 751 über Mörfelden-Walldorf nach Darmstadt, vom Südbahnhof die Linien OF-50 nach Gravenbruch und 653 nach Götzenhain, 
  • Kreise OF und GG: in der Region um Neu-Isenburg, Langen, Mörfelden-Walldorf, Dietzenbach, Heusenstamm und Rodgau die Linien OF-30, OF-95, OF-96, 662, 663
  • Main-Kinzig: im Raum Hanau, Bruchköbel, Nidderau, Altenstadt, Großkrotzenburg die Linien 562, 563 und 566 sowie Schülerverkehr
  • Bad Vilbel: der Stadtbus Vilbus.

„Derzeit gibt es keine Auswirkungen auf das Fahrtenangebot“, sagt Vanessa Rehermann, Sprecherin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Bei den Stadtwerken Bad Vilbel, Betreiber des Vilbus-Stadtverkehrs, herrscht am Dienstagmorgen ebenfalls Erleichterung: „Die Busse fahren“, ist Kaufmännischer Leiter Rüdiger Milke erleichtert. Die Lokale Nahverkehrsgesellschaft des Kreises Groß-Gerau bestätigt zudem regulären Betrieb auf der Airport-Linie 751. Auf Nachfragen dieser Zeitung hat MET bisher nicht reagiert. Der MET-Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Rolf Weidmann aus Essen, wollte nicht Stellung nehmen und verwies auf einen Sprecher. Dieser wiederum reagierte bislang nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung. Bei Viabus in Speyer laufen Telefonanrufe ins Leere. Auch die Internet-Präsenz ist vom Netz genommen worden.

Lesen Sie auch: Billiganbieter Viabus ist pleite

Den RMV hat Viabus „über die Situation der MET informiert“, erklärt die Verbundsprecherin. Die Insolvenz beziehe sich auf die englische Muttergesellschaft und „ein anderes Tochter-Unternehmen in Deutschland“, nicht aber auf die Speyerer Firma. „Viabus beabsichtigt, den Betrieb weiterzuführen“, sagt Vanessa Rehermann. In Bad Vilbel machen sich die Stadtwerke dennoch Gedanken für den Fall, dass auch Viabus ins Schlingern gerät. Man hofft darauf, dass der Betrieb vorübergehend weitergeführt werden könnte, während die Arbeitsagentur den Mitarbeitern Insolvenzgeld zahlt.

Die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit auch bei Viabus scheint latent: Die Firma lebte laut Unternehmenszahlen des Mutterkonzerns von millionenschweren Finanzspritzen der MET. Diese Zeitung hatte dies Anfang 2018 öffentlich gemacht. Daraufhin folgte ein Sturm der Entrüstung.

Buslinien in im Wetterauskreis und Main-Kinzig betroffen

Lokale Busunternehmer, die bei Ausschreibungen gegen Viabus verloren hatten, warfen der Firma Dumping-Angebote vor. Busunternehmer Heuser aus Langenselbold erklärte, vor dem Aus zu stehen. Die Landespolitik schaltete sich ein. Die Unternehmer strengten ein Überprüfen der Linien-Vergabe in Nidderau und Gelnhausen/Langenselbold (Main-Kinzig-Kreis) an.

Noch bevor das Regierungspräsidium entscheiden konnte, zog sich Viabus zurück. Seit Februar sind nun unter anderem Heuser und die Busfirma Stroh aus Altenstadt auf den Linien unterwegs. Zuvor hatte sich Viabus auch im Raum Bremen nach Kritik aus einem Bieterverfahren zurückgezogen.

Seit Jahren beschweren sich Viabus-Fahrgäste über Unpünktlichkeit, schlechten Service und mangelnde Sprachkenntnisse der Fahrer. Jene berichteten von defekten Bussen. Viabus ist zudem im Kahlgrund bei Aschaffenburg aktiv und in der Pfalz in den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße. Sie betreibt auch den BASF-Werksverkehr in Ludwigshafen.

von Dennis Pfeiffer-Goldmann

Lesen Sie auch:

Nach Raubüberfall auf "Europa Café": Stecken illegale Machenschaften dahinter?

Maskierte Täter haben in der Nacht von Sonntag auf Montag mit einer Langwaffe das Europa Café in Oberursel überfallen. Jetzt gibt es neue Informationen.

Unbekannter attackiert 16-Jährigen in S-Bahn - Zug muss gestoppt werden

Ein unbekannter Mann attackiert und bedroht einen 16-Jährigen aus Wiesbaden, der einen Streit schlichten will. Der Zug wurde daraufhin gestoppt.

Hausener Abu-Bakr-Moschee in der Kritik: Steht Gemeinde den Muslimbrüdern nah?

Um den "deutschen Islam" kennenzulernen, organisiert der Mediendienst Integration in zwei Frankfurter Moscheen Besuche von Journalisten. Die Wahl stößt auf Kritik: Sie stünden den Muslimbrüdern nahe. Die Angegriffenen bestreiten dies.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare