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Vier Sterne dürfen es in Frankfurt im Hotel schon sein

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Von: Oliver Teutsch

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Susanne Kleier und Lutz Reigber haben viele Fragen an Hotelmanager Scott Thaxton. Foto: Christoph Boeckheler.
Susanne Kleier und Lutz Reigber haben viele Fragen an Hotelmanager Scott Thaxton. © christoph boeckheler*

Unterwegs mit Verantwortlichen für Hotel-Klassifizierungen. Wieviel Luxus und Service braucht es in einem First Class-Hotel?

An der Hotelfassade in der Kaiserstraße prangt ein goldenes Schild. Darauf sind vier Sterne zu sehen und der Zusatz „Superior“ – aber ist das auch rechtens? Susanne Kleier von der städtischen Tourismus und Congress-GmbH (TCF) sowie Lutz Reigber vom Hotel – und Gastronomieverband Dehoga wollen der Sache auf den Grund gehen. Sie sind in Frankfurt für die Klassifizierungen von Hotels zuständig und inspizieren an diesem Nachmittag das Mercure Hotel Kaiserhof in Bahnhofsnähe. Das 216-Betten-Haus ist 2018 umfassend saniert und modernisiert worden. Seitdem hat es die bundesweit einheitliche Dehoga-Klassifizierung Vier-Sterne-Superior. Der Status muss allerdings alle drei Jahre neu verifiziert werden. Dafür sind Kleier und Reigber gekommen.

Vorab hat das Hotel einen Fragenkatalog zugeschickt bekommen. Nun soll vor Ort überprüft werden, ob die gemachten Angaben zutreffend sind. Die erste Station ist die Lobby des Hotels. Kleier hat den ausgefüllten Fragenkatalog in der Hand, Reigber ein Tablet, von dem er in zackigem Ton die Fragen abliest. Betriebsleiter Scott Thaxton hat Haltung angenommen und antwortet darauf. „Personal an der Rezeption mit Uniform und Namensschild?“- „Jawohl.“ „Regenschirme an der Rezeption vorhanden?“- „Ja.“ „E-Ladestation für Autos in der Tiefgarage?“ Da kommt Thaxton ein bisschen ins Trudeln. Noch nicht, es gebe Lieferschwierigkeiten.

Hotelmanager Thaxton muss noch eine ganze Reihe weiterer Fragen über sich ergehen lassen, bevor das erste Zimmer inspiziert wird – ein Superior-Zimmer in der siebten Etage. Dort erwartet die kleine Delegation ein Obstkorb, denn ein persönliches Geschenk für jeden Gast ist Vorschrift für Vier-Sterne-Superior-Häuser. Auch sonst bietet das moderne Zimmer allerlei Annehmlichkeiten. Bestellungen für den Room-Service können online per Tablet gemacht werden, die Steckdosen haben einen separaten USB-Eingang. Doch Hotelprofi Reigber stöbert im Kleiderschrank einen Mangel auf. „Es sind nur sechs Kleiderbügel da.“ Pro vorhandenem Bett müssen es vier sein, ergo acht Kleiderbügel pro Doppelzimmer. Dienstbeflissen greift Manager Thaxton zum Hörer und gibt gleich eine Überprüfung in Auftrag. Der Fernseher hingegen ist für das Zimmer ausreichend groß. „Die meisten Reklamationen haben wir wegen zu kleiner Fernseher“, verrät Reigber und ergänzt: „Sie glauben gar nicht, was die Hoteliers uns da alles anbieten.“ Einige Hoteliers stünden offenbar auf dem Standpunkt, die Gäste sollten in ihrem Haus gar nicht fernsehen.

Im Hotel Kaiserhof ist das Klassifizierungs-Duo allerdings fast rundum zufrieden, lässt Kleier schon mal durchblicken: „Dieser Umbau hat dem Haus gutgetan, wenn ich da an früher denke.“ Im Anbau gibt es aber auch noch Zimmer, in denen Ausstattung und Möbel nicht ganz so modern sind. „Es muss nicht alles neu sein. Sauber und ordentlich, das ist wichtig“, betont Sterne-Vergeber Reigber, der sich aber nicht nur Zimmer vorführen lassen will. „Jetzt gehen wir mal in das Zimmer direkt gegenüber 'rein, was halten Sie davon?“, fragt er Hotelmanager Thaxton.

Doch daraus wird nichts. Die Standard-Zimmer in der dritten Etage sind fast alle belegt. Auch im Restaurant und im Tagungsbereich ist einiges los. Bei so viel Leben geht der TCF-Verantwortlichen das Herz auf. „Dieses Hotel war auch das einzige, das während der kompletten Pandemie aufhatte“, freut sich Kleier. Verwaist ist an diesem Nachmittag lediglich der Fitnessraum des Hotels, der laut Vorschrift mindestens vier Sportgeräte bieten muss.

Nach gut einer Stunde endet die Inspektionstour. Die Bearbeitung eines Zusatzprotokolls wollen Kleier und Reigber ohne das Hotelpersonal machen. In dem Protokoll werden Eindrücke fernab von Checklisten festgehalten. Etwa: „Wie beurteilen Sie den Restaurantbereich des Hotels? – Vorbildlich, weitgehend stimmig, renovierungsbedürftig, kritisch.“ Reigber ist von dem, was er im Hotel gesehen hat, recht angetan. Kleier ist ein bisschen verhaltener. „Wir diskutieren das manchmal recht kontrovers“, verrät sie.

Das Duo nimmt monatlich etwa ein Dutzend Frankfurter Hotels in Augenschein, das Klassifizierungen wünscht. Nicht alle Häuser streben das an. Viele Luxushotels verzichten auf die Sterne, da ihnen dadurch Gäste durch die Lappen gehen könnten: Beschäftigte von Unternehmen, die in ihren Richtlinien die Unterbringung in Vier- oder Fünf-Sterne-Häusern ausschließen. Das Hotel Kaiserhof hat andere Sorgen. „Für ein Haus in dieser Lage ist eine Klassifizierung ein Mindestkriterium“, sagt Thaxton.

Tja, die Lage ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits ist das Haus sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, da nahe am Bahnhof - andererseits eben nahe am Bahnhof. Thaxton verrät, dass die Hotelleitung vor dem Umbau durchgerechnet hatte, ob eine Fünf-Sterne-Klassifizierung erstrebenswert sei. Doch dafür hätte das Haus viele Zimmer eingebüßt, denn Hotels mit fünf Sternen müssen auf jedem Zimmer noch eine zusätzliche bequeme Sitzgelegenheit bereitstellen. Dafür sind die Zimmer im Hotel Kaiserhof schlicht zu klein. Fraglich wäre auch, ob die Lage auf der Kaiserstraße in Bahnhofsnähe ausreichend betuchte Gäste anziehen würde. „Wir haben keine Vorfahrt und auch kein klassisches Gebäude“, gibt Thaxton zu bedenken, betont aber, dass das Niveau seines Hauses über dem üblichen Mercure-Niveau liege.

Mit 652 von 610 benötigten Punkten reicht es daher auch locker für die angestrebte Klassifizierung. Die vier goldenen Sterne an der Hotelfassade dürfen dranbleiben.

Mindestens 22 Zentimeter dick muss eine Matratze für Vier Sterne Superior sein. Foto: Christoph Boeckheler.
Mindestens 22 Zentimeter dick muss eine Matratze für Vier Sterne Superior sein. © christoph boeckheler*
Ein persönliches Geschenk für jeden Gast ist Pflicht. Ein Obstkorb ist ausreichend, Schokolade auf dem Kopfkissen nicht. Foto: Christoph Boeckheler.
Ein persönliches Geschenk für jeden Gast ist Pflicht. Ein Obstkorb ist ausreichend, Schokolade auf dem Kopfkissen nicht. © christoph boeckheler*

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