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Vier Jahre für Messerattacke auf Ehefrau

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Von: Stefan Behr

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Tat geschah im Beisein der Enkelkinder, die schon Mord an Mutter mitansehen mussten

Früher als erwartet hat das Landgericht einen 71 Jahre alten Mann aus Bad Vilbel wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Er hatte im September 2021 in der gemeinsamen Wohnung mit einem Küchenmesser auf seine 63 Jahre alte Ehefrau eingestochen - in Anwesenheit der Enkelkinder. Diese wohnten bei ihren Großeltern, weil ihr Vater 2017 ihre Mutter erstochen hatte und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Bereits bei dieser Tat waren die Kinder - damals im Alter von sieben bis zwölf Jahren - Zeugen gewesen.

Ursprünglich war der Mann auch und vor allem wegen versuchten Totschlags angeklagt, die Staatsanwaltschaft hatte auch darauf plädiert und eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren gefordert. Die Große Strafkammer aber folgte dem Antrag der Verteidigung, sowohl bei der Straftat als auch bei der Strafzumessung. Letztlich benötigte die Kammer zur Urteilsfindung von den sechs angesetzten Verhandlungstagen lediglich die Hälfte.

Ausschlaggebend dafür dürfte vor allem das Gutachten einer Sachverständigen gewesen sein. Diese war zum einen zu der Erkenntnis gekommen, dass die Wunden des Opfers nicht so lebensbedrohlich gewesen wären wie die Anklage es vermittle. Vor allem aber wollte die Sachverständige nicht ausschließen, dass die Stiche Resultat einer Rangelei gewesen seien. Diese hatte der Angeklagte in seinem zu Prozessbeginn abgelegten Teilgeständnis auch eingeräumt: Er habe seine Frau mit dem Messer lediglich „erschrecken“, aber nicht verletzen wollen. Als sie ihn in Todesangst abgewehrt habe, müsse er wohl unbeabsichtigt zugestochen haben.

Hintergrund der Attacke war unter anderem die notorische Eifersucht des 71-Jährigen. Zudem hatte sich das Ehepaar nach dem gewaltsamen Tod der Tochter, den beide auf andere Art nicht verarbeiten konnten, auseinandergelebt.

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