Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Als die Behörde um 7.30 Uhr öffnet, stehen schon rund 200 Menschen draußen Schlange.
+
Als die Behörde um 7.30 Uhr öffnet, stehen schon rund 200 Menschen draußen Schlange.

Ausländerbehörde in Frankfurt

Um vier Uhr früh aufs Amt

  • Marie-Sophie Adeoso
    VonMarie-Sophie Adeoso
    schließen

Hunderte stehen bei der Ausländerbehörde in Frankfurt stundenlang Schlange. Sicherheitsleute lassen ab 7.30 Uhr schubweise kleine Grüppchen ein, die am Tresen eine Wartenummer ausgehändigt bekommen – oder wieder fortgeschickt werden.

Axel Poutou hat sich einen Klapphocker mitgebracht und sein iPad, damit ihm die Zeit nicht lang wird. Es ist kurz nach sieben Uhr am Mittwochmorgen, leichter Nieselregen fegt durch die Rebstöcker Straße im Frankfurter Gallus. Poutou ist von seinem Hocker aufgestanden und tritt von einem Bein aufs andere, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Seit 4.10 Uhr in der Früh wartet der 42-Jährige darauf, dass die Ausländerbehörde ihre Türen öffnet.

„Ich brauche einen Aufenthaltstitel für meinen acht Monate alten Sohn“, sagt der Kameruner, der schon seit den 1990ern in Deutschland lebt. Einmal habe er bereits vergeblich gewartet, sein Anliegen in der Behörde vortragen zu können. Heute hat er sich extra bei der Arbeit freigenommen. „Ich hätte wirklich besseres zu tun, als hier anzustehen und nicht mal zu wissen, ob ich eine Nummer bekomme. Aber heute muss es klappen, wir wollen bald verreisen“.

Poutou ist nicht der einzige, der sich lange vor Öffnung der Behörde in die Warteschlange eingereiht hat. Vor ihm stehen rund 15 Menschen, hinter ihm werden es locker 200 sein, als die Tür um 7.30 Uhr aufgeht, von der syrischen Flüchtlingsfamilie bis zur gerade eingereisten chinesischen Studienanfängerin.

„Wenn ich heute nicht drankomme, bin ich illegal. Ich muss mein Visum verlängern“, sagt die 19-jährige Studentin Camila Pupo, die seit 4.30 Uhr wartet. Die Honduranerin war ebenfalls schon einmal umsonst da, es gebe täglich nur zehn Wartenummern für Studierende mit ihrem Anliegen, sagt sie. „Das ist doch schrecklich, es ist unmenschlich, die Leute hier so früh im Regen stehen zu lassen“, findet Pupo.

Wer so früh da ist wie Axel Poutou und Camila Pupo, steht immerhin überdacht. Absperrketten leiten die Wartenden in engem Zickzack unters große Vordach der Behörde. Sicherheitsleute lassen ab 7.30 Uhr schubweise kleine Grüppchen ein, die am Tresen im „Servicecenter Ausländerangelegenheiten“ ihr Anliegen vortragen können und dann eine Wartenummer ausgehändigt bekommen – oder direkt wieder fortgeschickt werden.

Viele haben nicht alle Papiere dabei

„Von außen sieht es so aus, als seien wir hoffnungslos überlastet. Aber leider stehen jeden Tag sehr viele Leute in der Schlange, die da gar nichts zu suchen haben, etwa weil sie nicht alle benötigten Papiere dabei haben. Die müssen wir erstmal herausfiltern“, sagt Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamtes, dem die Ausländerbehörde untersteht. Nach stundenlangem Warten erführen solche Menschen dann im Eingangsbereich, dass sie unverrichteter Dinge wieder gehen müssen.

Den anderen würden die begrenzten Wartenummern je nach Personalkapazität für den jeweiligen Bereich zugeteilt – für Studierende wie Camila Pupo seien dies in der Tat eher wenige, weil weniger Personen diesen Bereich betreuten, als andere Aufenthaltsangelegenheiten. Da oft Unterschriften nötig seien, lasse sich das meiste auch nicht auf digitalem Wege ohne persönliches Vorsprechen erledigen, sagt Jenisch. Die Behörde bemühe sich nun, die Information über Abläufe und benötigte Dokumente zu verbessern. So würden aktuell Flyer mehrsprachig übersetzt und das Informationssystem im Wartebereich erneuert.

Der Hauptgrund für die langen Warteschlangen sei aber, „dass Frankfurt wächst und heute auch viel mehr Ausländer in der Stadt wohnen, als noch vor einigen Jahren“, sagt Jenisch. Sei die Behörde Ende 2011 noch für 173 607 Ausländer in der Stadt zuständig gewesen, seien es Ende Juli 2016 bereits 213 589 gewesen – die 5000 Flüchtlinge noch nicht einberechnet. 129 Beschäftigte arbeiteten in der Ausländerbehörde.„Wir bekommen jetzt zwar 12 neue Planstellen, aber wir leiden auch unter einer Art Fachkräftemangel.“ Es gebe kaum qualifizierte Bewerber für die Aufgaben, die aufgrund ständiger Änderungen im Ausländerrecht eine umfangreiche Einarbeitung voraussetzten. Seit 2011 habe es alleine 27 „gravierende Änderungen“ des Aufenthaltsrechts gegeben, die die Beschäftigten der Ausländerbehörde verstehen und anwenden müssen. „Und die besten Leute werden uns nach kurzer Zeit wieder abgeworben, von anderen Kommunen oder dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.“

Dass die Ausländerbehörde mit Personalengpässen zu kämpfen hat, ist auch zu Axel Poutou durchgedrungen. „Aber wir sind diejenigen, die darunter leiden“, sagt der Kameruner. Immerhin musste er am Mittwoch nicht umsonst warten, erzählt er der FR telefonisch gegen 13 Uhr, als er das Amt erledigter Dinge verlässt. Nach neun Stunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare