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Viele Nationen und Sprachen im Kaiserdom: Stadtdekan Johannes zu Eltz zelebriert den Gottesdienst an Pfingsten.

Kirche

Vielstimmig und mehrsprachig zum Lobe des Herrn

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Im Kaiserdom feiern Katholiken den „Pfingstgottesdienst der Sprachen und Nationen“.

Dumpf und laut hallt die große Trommel durch das alte Gemäuer des Kaiserdoms. Als die jungen Frauen und Männer des Jugendchors der eritreischen Gemeinde ihr Halleluja singen und dazu klatschend durch das Kirchenschiff ziehen, klatschen auch einige Besucher in den vollen Sitzreihen mit. Etwas zaghaft zwar, weil in dem katholischen Gotteshaus sonst wohl eher unüblich, erhalten sie für ihren lebhaften Auftritt sogar Applaus.

Vielstimmig und mehrsprachig begehen die Frankfurter Katholiken ihren „Pfingstgottesdienst der Sprachen und Nationen“ am Samstagabend im Kaiserdom Sankt Bartholomäus. Viele der Besucher müssen stehen. Voll besetzt sind die Reihen wohl nicht nur, weil aktuell ein Seitenschiff, in dem sich vor einer der Orgeln sonst weitere Sitzplätze befinden, wegen Bauarbeiten nicht zugänglich ist. Denn aus ganz Frankfurt sind Gläubige in den Dom gekommen. 24 muttersprachliche Gemeinden zählt die Stadt. Nach Angaben des Bistums Limburg leben insgesamt 151 000 Katholiken in Frankfurt. 47 000 von ihnen hätten eine andere Muttersprache als Deutsch, heißt es seitens des Bistums.

So wechseln sich Kirchenchöre mehrerer Gemeinden links und rechts des Altars mit ihren Gesängen ab, darunter Gruppen äthiopischer Katholiken und der indonesischen Gemeinde. Die „Ang-klung-Gruppe“ spielt auf traditionellen indonesischen Bambusinstrumenten. In weiß gekleidet startet ein Chor der polnischen Gemeinde mit seinem Kyrie-Gesang, ehe eine gemischte Gesangsgruppe der spanisch- und italienischsprachigen Gemeinden Gloria besingt. Zwei junge Streicherinnen begleiten die Sänger bei ihrem Auftritt.

Gesangliche Vielfalt

Danach folgt eine Gruppe der philippinischen Sankt-Ignatius-Gemeinde, die einheitlich gekleidet in traditionellen, roten Kimona-Shirts das Lied „Heute ist der Tag“ in ihrer Herkunftssprache zum Besten geben.

Die Lesungen werden im indischen Malayalam und auf Ungarisch vorgetragen. Im Liederheft finden sich dazu die Übersetzungen. Fürbitten werden etwa auch auf Arabisch, Koreanisch, Tamilisch und Ukrainisch vorgelesen. Vom Aufbau einer neuen Kirche, nach dem Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame, handelt die französische Fürbitte. In der slowakischen Litanei heißt es: „Bei der Europawahl sind überall viele rechtspopulistische Politiker gewählt worden.“ Dies werfe Fragen auf und werde verbunden mit der Bitte, dass „ein Zusammenleben in Vielfalt“ weiter gelinge.

Stadtdekan Johannes zu Eltz hebt in seiner Predigt die Diversität der katholischen Gemeinden in der Stadt hervor. Er berichtet von der biblischen Apostelgeschichte, in der zu Pfingsten nicht nur die zwölf Jünger Jesu, sondern insgesamt 120 Menschen in anderen Sprachen gesprochen hätten. Als „großes Sprachwunder“ bezeichnet er diese Überlieferung. Aus 13 Herkunftsländern, etwa Ägypten, Libyen, Persien und der Stadt Rom, seien die Menschen damals gekommen. Durch „diese bunte, diverse, interessante Gemeinsamkeit“ hätten die Christen „rasch Leute dazugewonnen“. 3000 seien es laut Überlieferung gewesen. Das will zu Eltz in die Gegenwart übertragen. „Wir haben das Zeug, wirklich starke Auftritte hinzulegen“, sagt er. Die Stadtkirche bezeichnet er „als lebendigen Organismus mit größten Wachstumschancen“. Viele Stimmen und Sprachen vereint sie ja schon unter einem Dach.

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