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Museumsuferfest in Frankfurt.

Migration

Vielfalt ist typisch für Frankfurt

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Typisch Frankfurt heißt, einen Migrationshintergrund zu haben.

Was es im Jahr 2019 heißt, ein typischer Frankfurter, eine typische Frankfurterin zu sein? Rein statistisch: einen sogenannten Migrationshintergrund zu haben. Im Jahr 2015, so schreibt es die Stadt in ihrem 2017 zuletzt aktualisierten Integrations- und Diversitätsmonitoring, wies im Melderegister erstmals eine Mehrheit der Stadtbevölkerung eine eigene oder familiäre Migrationsgeschichte auf. Im Statistischen Jahrbuch 2018 sind es bereits 53,1 Prozent. Wie man den politisch umstrittenen Begriff des Migrationshintergrundes definiert, ist je nach Datenquelle unterschiedlich - nach oben angewandter Definition zählen dazu Menschen mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit sowie Deutsche, die im Ausland geboren wurden, und Minderjährige, deren Eltern zugewandert sind.

Für das Wachstum der Stadt sind die aus dem Ausland zuziehenden Menschen maßgeblich verantwortlich. In den vergangenen zehn Jahren ist ihr Anteil an der Stadtbevölkerung kontinuierlich gestiegen – von 25,2 Prozent im Jahr 2009 auf 29,8 Prozent im Jahr 2018, so „Statistik aktuell“.

Aus 179 Staaten der Welt

Zwar ist die Fluktuation hoch, viele Menschen, egal ob rumänische Ärztin oder bulgarischer Bauarbeiter, indische IT-Spezialistin, nigerianischer Student, syrischer Asylsuchender, spanische Krankenschwester oder französischer Investmentbanker, sind nur vorübergehend in der Stadt. Doch viele bleiben dauerhaft, der Saldo ist positiv. 2018 stieg die Zahl der ausländischen Frankfurterinnen und Frankfurter um 3846. Zum Jahresende waren 222 621 Menschen aus 179 der 197 Staaten der Welt in der Stadt gemeldet.

Wie man mit dieser Diversität umgeht, hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Der Historiker Ernst Karpf hat in seinem 2013 aktualisierten Buch „Eine Stadt und ihre Einwanderer“ Fakten zur mittlerweile 700 Jahre währenden Migrationsgeschichte Frankfurts zusammengetragen, die beileibe nicht immer harmonisch verlief. Die Handels- und Messestadt hat stets viele Menschen angezogen und doch über die Jahrhunderte hinweg immer wieder, teils brutal, definiert, wer dazugehört und wer nicht.

Im Hier und Heute sagen Staatsangehörigkeit oder Migrationsgeschichte nicht zwingend etwas über das Zugehörigkeitsgefühl zur Stadtgesellschaft aus. Wohl aber über Teilhabechancen, denn aus den Daten im Integrations- und Diversitätsmonitoring lässt sich auch ablesen, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund öfter in Familien wohnt und im Schnitt weniger Einkommen und Wohnfläche zur Verfügung hat. Es braucht also weiter politische und soziale Anstrengungen, wenn es allen Menschen in dieser Stadt möglich sein soll, zu echten Frankfurterinnen und Frankfurtern zu werde

Mehr zu unserer Serie „Frankfurt wächst“

Kaum eine Stadt in Deutschland wächst derart rasant wie Frankfurt. In ein paar Jahren könnte die Metropole am Main 800 000 Einwohner haben. Doch bewältigt Frankfurt diese Entwicklung überhaupt? Wo sollen alle diese Menschen wohnen, wie gelangen sie zur Arbeit, wenn die Straßen immer voller werden, und droht das Umland von Frankfurt aufgefressen zu werden? Mehr Texte unserer Serie „Frankfurt wächst“ gibt es als Plus-Inhalt in der Zeitung oder der FR+ App.

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