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Vielfalt mit Pfiff

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Von: Thomas Stillbauer

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Jasmin Schreiber: Biodiversität. Reclam. 100 Seiten, 10 Euro.
Jasmin Schreiber: Biodiversität. Reclam. 100 Seiten, 10 Euro. © Privat

Jasmin Schreibers gefühlvolles Büchlein zur Biodiversität. Oder was die tragische Geschichte der Schnecke George uns lehrt.

Nicht alle sind mit Jasmin Schreibers Arbeit zufrieden. „Schreibt zu viel, sollte lieber mal die verdammte Dose öffnen“, so lautet beispielsweise die persönliche Einschätzung von Chloé und Luchs, aber das ist jetzt nicht sehr überraschend, denn Chloé und Luchs sind die Hunde der Autorin. Die meisten Leute hingegen freuen sich regelmäßig, wenn ein neues Buch der Frankfurterin Jasmin Schreiber erscheint, und unlängst ist „Biodiversität“ erschienen. Schmales Ding, 100 Seiten, aber viel drin.

Chloé und Luchs sind beispielsweise drin. Weil Chloé „Klappöhrchen“ hat und Fuchs „Stehöhrchen“. Das dient zur Erklärung der genetischen Vielfalt, die wiederum ein Bestandteil der biologischen Vielfalt ist, Fachbegriff: Biodiversität. Darüber haben in den vergangenen 20, 30 Jahren viele Leute geschrieben, denn Biodiversität ist zwar schon immer eminent wichtig gewesen, aber die Menschen haben es erst in jüngerer Zeit so richtig kapiert.

Dass Jasmin Schreiber jetzt auch ein Erklärbuch über die Biodiversität geschrieben hat, ist zu begrüßen. Sie ist Biologin und Romanautorin sowie Freundin kleiner und großer Tiere und kann so etwas daher gut erklären.

Etwa, was ein Endling ist. Die Lungenlandschnecke George war ein Endling. George starb am Neujahrstag 2019 und mit ihm die gesamte Art Achatinella apexfulva. Die Forschung hatte jahrelang versucht, ein Paarungspartnertier für ihn zu finden. Vergebens. Schreiber widmete George ihr Buch. „Ich kann mir nicht vorstellen, was ich gefühlt hätte, wenn ich die bunte Lungenlandschnecke George tot im Terrarium gefunden hätte“, schreibt sie.

Leider ist die Beschäftigung mit der Biodiversität heutzutage allzu oft eine ziemlich traurige Sache. So musste die Autorin auch miterleben, wie übereifrige Menschen eine enorme Eselsdistel in der Nähe ihrer Frankfurter Wohnung samt der befreundeten Pflanzengesellschaft brutal niedermähten, nur um den Boden hernach ungeschützt der prallen Sonne auszusetzen. Das Aus für die Insektenwelt, die sich zuvor dort tummelte. Aber das Büchlein macht auch Hoffnung. „Es gibt viele spannende Ansätze, dem Artensterben und dem Klimawandel zu trotzen“, schreibt Jasmin Schreiber am Ende. „Wir können die Kurve noch kriegen, wir müssen um jedes Hundertstelgrad kämpfen.“ Dafür nennt sie Gründe, und sie gibt auch Tipps, was wir tun können.

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