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Weiße Fahrräder erinnern an gestorbene Radfahrer.

Verkehr

Frankfurt: Viele Radunfälle im heißen Sommer

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Auf den Straßen der Stadt starben 2018 sieben Radfahrer – vier von ihnen im August.

Tim Heinen will nicht zynisch klingen, aber wer sich so viel mit Statistiken über Unfälle beschäftigt wie der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit im Frankfurter Polizeipräsidium, der hat eben einen Blick für Besonderheiten. Und so riet Heinen den Journalisten, denen er am Mittwoch die Unfallzahlen vorstellte, möglichst „an einem Sonntag im Februar zwischen 4 und 5 Uhr morgens“ auf die Straße zu gehen. Weil nämlich: In keinem Monat gibt es so wenige Unfälle wie im Februar, zu keiner Tageszeit kommt es zu so wenigen Schadensfällen wie zwischen 4 und 5 Uhr morgens – und an Sonntagen kracht es auf Frankfurts Straßen sowieso so selten wie an keinem anderen Tag.

Auf den ersten Blick hält die 65-seitige Statistik, die Heinen vorstellte, kaum Überraschungen bereit. Die Zahlen zu Unfällen im Stadtgebiet (19 473) und zu Autobahnen rund um Frankfurt (3388) bewegen sich in etwa auf dem Niveau von 2017; sowohl bei Toten wie auch bei Verletzten gibt es leichte Anstiege.

Ins Auge fällt aber vor allem eine Zahl: Sieben Radfahrer ließen bei Unfällen ihr Leben, alleine vier davon im August. Die Fälle ließen sich schwer vergleichen, sagte Heinen, die Ursachen für die Unfälle unterschieden sich stark. Ein Radfahrer etwa starb, als er auf dem Uni-Campus eine Treppe herunterfuhr, eine Frau wurde von einer Straßenbahn erfasst, und an der Kurt-Schumacher-Straße kam ein Mann bei einer Kollision mit einem Lastwagen ums Leben.

An der hohen Zahl hat laut Heinen auch der extrem lange und sehr heiße Sommer im vergangenen Jahr seinen Anteil. Zum einen seien einfach viel mehr Radfahrer unterwegs gewesen als etwa 2017. Und allgemein habe die Hitze offenbar auch zu Konzentrationsschwierigkeiten unter allen Verkehrsteilnehmern geführt. So habe es gerade im August vergleichsweise viele Unfälle gegeben.

Heinen nannte drei Schwerpunkte, an denen es häufig Zusammenstöße zwischen Autos und Fahrrädern gebe: die Ecke Mainkai / Kurt-Schumacher-Straße sowie die Kreuzungen zwischen Flößerbrücke und Oskar-von-Miller-Straße und zwischen Ratsweg und Ostparkstraße. Problem seien meistens abbiegende Autofahrer, die Radler übersehen. Die Unfallkommission, der unter anderem Vertreter von Stadt und Polizei angehören, beschäftigt sich mit diesen Stellen.

In einem Fall führte der Einsatz der Kommission bereits zu baulichen Veränderungen. Nach dem tödlichen Unfall auf der Kurt-Schumacher-Straße wurde der Radweg in nördlicher Richtung über die Battonnstraße hinaus verlängert.

Bei einer weiteren Auffälligkeit in der Statistik geht es um Verkehrsunfallflucht. Nach fast 40 Prozent aller Unfälle im Stadtgebiet flüchteten die Verursacher: „Das ist eine enorm hohe Zahl“, sagte Heinen. Zurückzuführen sei dies aber auch auf das Anzeigeverhalten der Autofahrer. Da die Schäden gerade bei Unfällen mit parkenden Fahrzeugen immer höher würden, seien immer weniger Fahrer bereit, Kratzer oder Beulen als Bagatelle abzutun.

Die Chancen, bei einer Fahrerflucht den Täter zu schnappen, seien relativ hoch, sagte Heinen. Die Aufklärungsquote liegt bei rund 40 Prozent. Folge sei dann ein Strafverfahren, bei dem die geflüchteten Fahrer auch den Führerschein verlieren könnten.

Frankfurter Unfallstatistik für das Jahr 2018

19 473 Unfälle im Stadtgebiet weist die Statistik der Frankfurter Polizei für das vergangene Jahr aus. Das ist ein Zuwachs um 1,15 Prozent im Vergleich zu 2017. Zwölf Menschen wurden bei den Zusammenstößen getötet – drei mehr als 2017.

Sieben Radfahrer ließen bei Verkehrsunfällen ihr Leben. 2017 gab es nur zwei Todesopfer. Die Zahl der bei Unfällen gestorbenen Fußgänger lag wie schon im Jahr zuvor bei zwei.

Glücklich ist die Polizei darüber, dass wie schon 2017 kein Kind im Straßenverkehr getötet wurde.

Auf den Autobahnen rund um Frankfurt gab es im vergangenen Jahr 3388 Unfälle (1,8 Prozent mehr als im Jahr 2017). Vier Menschen kamen dabei ums Leben – ebenso viele wie im Jahr 2017.

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