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Christof Schenck, Geschäftführer der ZGF. 

Überbevölkerung

Zu viele Menschen für eine Erde

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Die Frankfurter Biozahl 2020 lautet 7,8 Milliarden und entspricht der Weltbevölkerung zu Beginn des nächsten Jahres. Ein Appell an die Vernunft.

Alle sprechen von der Klimakrise. Alle? Nein – immer mehr Menschen in Frankfurt und drum herum sprechen zudem vom Rückgang der Artenvielfalt, auch Biodiversität genannt. Aber wer spricht eigentlich über die Bevölkerungskrise?

Kluge Frankfurter tun das, beispielsweise Christof Schenck, der Geschäftsführer der weltweit agierenden Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Und weil es ein wichtiges Thema ist, hat das Umweltnetzwerk Bio-Frankfurt die Bevölkerungskrise auf seinen zweitwichtigsten Schild gehoben. Die sogenannte Biozahl für das Jahr 2020 lautet: 7,8 Milliarden. So viele Menschen werden zu Beginn des kommenden Jahres auf der Welt leben.

Bekannteste Veranstaltung von Bio-Frankfurt, dem Zusammenschluss Frankfurter Umweltorganisationen, ist die Woche der biologischen Vielfalt jedes Jahr im Frühling. Zum Jahresende veröffentlicht das Netzwerk dann seine Biozahl. Und wenn die Weltüberbevölkerung auch kein Thema ist, das diese Stadt allein lösen kann, so haben die Frankfurter Akteure doch zumindest einen gewissen Einfluss darauf, das Problem bewusst zu machen.

ZGF-Mann Schenck nämlich wird nicht müde, in jedem seiner packenden Vorträge darauf hinzuweisen: In dem Maß, in dem die Zahl der Menschen auf der Welt zunimmt, sinkt die Zahl der wilden Tiere auf dem Globus – bei den Elefanten etwa besonders dramatisch: Um das Jahr 1850 habe es noch 20 Millionen Elefanten gegeben, berichtete er vor einiger Zeit, heute nur noch 350 000. Damit sind Elefanten immer noch weitaus zahlreicher als etwa die Berggorillas, von denen es noch 1000 gibt, unsere nahen Verwandten, die Bonobos (50 000), Java-Nashörner (70), Nördliche Breitmaulnashörner (zwei Weibchen, kein Bulle mehr) oder Chinesische Flussdelphine (null).

BIOZAHLENBisherige Biozahlen des Netzwerks BioFrankfurt (Auswahl):

47 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen die Begriffe „Biodiversität“ oder „Biologische Vielfalt“. (2018)

5 (mittel-)große Raubtierarten leben dank Schutz und Wiederansiedlung wieder in Deutschland. (2016)

107 Brutvogelarten bevölkern dauerhaft das Frankfurter Stadtgebiet. (2013)

14 Fledermausarten leben im Stadtgebiet von Frankfurt am Main. (2011)

25,7 Prozent der deutschen Bevölkerung kennen den Begriff Biodiversität. (2007)

Etwa 2 Millionen Arten von Lebewesen wurden bislang wissenschaftlich beschrieben. (2006) ill

Dennoch werden Elefanten in Afrika bekämpft, weil sie in Siedlungen eindringen, werden Orang-Utans auf Sumatra verdrängt, weil sie beim Anbau von Palmöl stören, wird der Andenbär in Peru verjagt. „Es sind nicht etwa die wilden Tiere, die Probleme machen“, betont Schenck stets.

Letztlich schadet die Bevölkerungsexplosion auch dem Menschen selbst. Zwar gingen hoffnungsvolle Berechnungen davon aus, dass das Wachstum auf null zurückgehe durch mehr Bildung, Selbstbestimmung der Frauen und eine bessere ökonomische Situation, sagt Christiane Frosch, Leiterin der Bio-Frankfurt-Geschäftsstelle. Aber die Menschen glauben immer gern, was bequem ist. Auf der anderen Seite gibt es Schätzungen, die zum Ende des Jahrhunderts drei Milliarden mehr Afrikaner und eine Milliarde mehr Asiaten voraussagen. Wir können freilich auch vor der eigenen Haustür kehren: Deutschland hat 83 Millionen Einwohner – mehr als je zuvor. Und wir Frankfurter? Waren noch nie so zahlreich wie heute.

Wohin das führt, lässt sich bei uns im Kleinen schon erleben: Es fehlt Wohnraum, die Mieten steigen, es gibt Streit. Wie soll dann erst Afrika mit seinem Zuwachs zurande kommen?

Analog zu den „Klimaleugnern“ müsste längst auch von „Demografieleugnern“ die Rede sein, heißt es aus den Reihen von Bio-Frankfurt.

Es brauche eine sinnvolle globale Bevölkerungsplanung. Bildung, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit können auf diesem Weg nicht schaden.

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